Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

21 
 Juli 
 
2021

abgelegt in
Lord Byron

 

( John Hobhouse )

Near this Spot
are deposited the Remains of one
who possessed Beauty without Vanity,
Strength without Insolence,
Courage without Ferocity,
and all the virtues of Man without his Vices.

This praise, which would be unmeaning Flattery
if inscribed over human Ashes,
is but a just tribute to the Memory of
Boatswain, a Dog
who was born in Newfoundland May 1803
and died at Newstead Nov. 18th, 1808

( Lord George Gordon Byron )

When some proud Son of Man returns to Earth,
Unknown to Glory, but upheld by Birth,
The sculptor’s art exhausts the pomp of woe,
And storied urns record who rests below.
When all is done, upon the Tomb is seen,
Not what he was, but what he should have been.
But the poor Dog, in life the firmest friend,
The first to welcome, foremost to defend,
Whose honest heart is still his Master’s own,
Who labours, fights, lives, breathes for him alone,
Unhonoured falls, unnoticed all his worth,
Denied in heaven the Soul he held on earth –
While man, vain insect! hopes to be forgiven,
And claims himself a sole exclusive heaven.

Oh man! thou feeble tenant of an hour,
Debased by slavery, or corrupt by power –
Who knows thee well, must quit thee with disgust,
Degraded mass of animated dust!
Thy love is lust, thy friendship all a cheat,
Thy tongue hypocrisy, thy heart deceit!
By nature vile, ennobled but by name,
Each kindred brute might bid thee blush for shame.
Ye, who behold perchance this simple urn,
Pass on – it honours none you wish to mourn.
To mark a friend’s remains these stones arise;
I never knew but one — and here he lies.

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—- German translation (Wikipedia ) —-
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( John Hobhouse )

Nahe dieser Stelle
sind die Gebeine beigesetzt von einem
der Schönheit ohne Eitelkeit besaß,
Stärke ohne Anmaßung,
Mut ohne Bösartigkeit,
und alle Tugenden des Menschen ohne seine Laster.

Dieses Lob, die nichts sagende Schmeichelei wäre
wenn über menschlicher Asche eingraviert,
ist nichts als ein gerechtes Tribut in Gedenken an
Boatswain, einen Hund
der in Neufundland im Mai 1803 geboren wurde
und der starb in Newstead am 18. November 1808

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( Lord George Gordon Byron )

Wenn irgendein stolzer Menschensohn zu Grabe getragen,
dem nicht sein Ruhme, nur die Geburt die Geltung gab,
Erschöpft des Bildhauers Kunst den Pomp des Leids,
Und mit Geschichten geschmückte Urnen erzählen, wer unten ruht.
doch ist nach Allem auf dem Grab zu lesen,
Nicht was er war, sondern was sein er hätte sollen.
Aber der arme Hund, im Leben der treueste Freund,
der erste, der begrüßt, zuvorderst verteidigt,
dessen redliches Herz immer seinem Herrn gehört,
der arbeitet, kämpft, lebt, atmet für ihn allein,
fällt ungeehrt, sein ganzer Wert bleibt unbemerkt,
der Himmel wird der Seele verweigert, die er auf Erden hielt –
während der Mensch, eitles Insekt! hofft, dass ihm vergeben wird,
und fordert einen Himmel einzig und allein für sich.

 
 
30 
 August 
 
2018


 


Säule 28

Des Herzens Feuerschale
Körper und Geist



Aus den Briefen Epiktets [1]fiktiv
an Lucius Flavius Arrianus [2]Zusammenfassung aus: “Handbüchlein der Moral”
Verlage: Ad Fontes, Reclam, Anaconda
Wäre dein Aufschrei nicht groß, deine Gegenwehr gleichwohl nicht minder,
liefere man deinen Leib einem Tyrannen aus, der
frei dann verfüge über denselben, ihn zücht’ge nach Willkür,
geiß’le nach Sklavenmanier, wie’s ihm beliebet, ihm frommt?

Trotzdem erduldest mit leichterem Sinne es du, wenn dein Nächster
lüstern Besitz nun ergreift von deines Geists höher’m Schatz,
in deines Denkens frommer Gesinnung durch Streitsucht er Unmut
streut und erschüttert dein Herz!

Sage mir, schämst du dich nicht,
dass du niedrer erachtest den Geist als den Leib, der von ed’lerm
Gute doch ist und zur Freiheit erkoren uns ward?
→ zu Mnemosynes Geleit
→ Zenons Wandelhalle
Die stoischen Siegessäulen

Fußnoten[+]

 
 
29 
 Mai 
 
2010


 

Thomas der Zwilling

Dies sind die verborgenen Worte, die der lebendige Jesus sagte,
und Didymos Judas Thomas schrieb sie auf.
 
Und er sprach:
“Wer die Deutung dieser Worte findet, wird den Tod nicht schmecken.”
Mächtig erging einst der Ruf an Thomas, dem zweifelnden Jünger,
niederzuschreiben hochheilige Worte des Himmelsgesandten.
Was als Torheit von Heiden erachtet, sei tröstend’ Geleit dem
Irrenden, Quell dem Ermattenden, neue Stärkung empfangend.

Wer aus dem reinen Kelch seiner Worte trinket, die Wahrheit
schmeckt und die Wandlung vollzieht, wird der Eitelkeit darge-
reichtes Gebräu, dem Wollust nur schäumet, künftig entsagen.

→ zu Mnemosynes Geleit
Evangelium nach Thomas
 
 
10 
 Juli 
 
2021


 


Säule 9

Des Herzens Feuerschale
Der Wille ist frei


Aus den Briefen Epiktets [1]fiktiv
an Lucius Flavius Arrianus [2]Zusammenfassung aus: “Handbüchlein der Moral”
Verlage: Ad Fontes, Reclam, Anaconda
Krankheit möge im Leid dich gar beugen, Gicht deine Glieder
lähmen, einzig allein der gefestigte Geist
mag Überwinder nur sein, dem nichts widerstrebet: kein Bollwerk
neid’scher Gesinnung, noch Zwietracht entschäumender Brust.

Lass’ nicht durch äußere Wirren dir hemmen den Lauf, denn beflügelt
hebt des Genius’ Geleit dich über Schluchten hinweg.
→ zu Mnemosynes Geleit
→ Zenons Wandelhalle
Die stoischen Siegessäulen

Fußnoten[+]

 
 
10 
 Juli 
 

abgelegt in
Filme | Hardy, Thomas