Lyrik Klinge         

        
    
20. März
1995
Der Brief   
 abgelegt in Lyrik, Reimgedichte

Briefchen, enthebe Dich vom lieblichen Heimatort,
entleihe dir des Windes Flügel,
geschwinde, geschwinde mit Kurs nach Nord
gleitend über Berg und Hügel.

Flieg’ mit den Schwalben kühn um die Wette,
schwinge Dich zügig traulich zur Stätte
an der ein Mädchen nach Dir schon Ausschau hält
tiefblauen Augen, das Haar erhellt
entgegengetreckt die bergenden Arme
aus ihrem Munde erhallt dein Name
die hohle Hand formt sich zur Wiege
in welche erschöpfend du dich schmiege.
erschöpfend in der hohlen Hand dich bette.

Und das kalte Wachsessiegel,
gleichsam einem eisern Riegel,
gebrochen durch der Mädchenhand,

möge Einsicht dem gewähren,
- Fremden aber den Einblick verwehren -
dem dies Briefchen zugesandt.


 
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1995
Gedanken   
 abgelegt in Infantile Dichtung, Lyrik

17., 18., 19., 20. /03/95

Wenn die Lippen zaghaft zittern,
so muß ich mich fürchten und ahnend wittern,
daß dem Herzen entsprungene Gedanken,
beflügelt durch den Lebenshauch
vom Lebensodem angehaucht
die gleitend zum Mund empor sich ranken
doch vergehn wie Schall und Rauch

und die Zunge gelähmt
sich eines Lautes grämt

Hilflos sich sich schnell verfangen
in der Stummheit Pranken
der Redefluss gerät ins Wanken
und ich Ärmster muß arg bangen.

Die Sprache, sie stockt, die Zung’ ist gelähmt,
mir’s nicht frohlockt, daß sie sich jeglichen Lautes grämt.
Ich könnt’ vor Scham im Boden versinken
zerfressen von der Schande
sodann dem Leben Abschied winken
getrieben an des Wahnsinns’ Rande.

Meine Zunge ist wie von Gicht geplagt,
sie schändlich mir den Dienst versagt.

Drum sei mein Freund, Du Federhalter,
ergeben als der treue Verwalter (??? nicht Gott ???)
meiner reichen Gedankenwelt.
Husch’ übers Papier, sollst nicht verweilen,
faß’ die Gefühle in liebliche Zeilen,
wie es ist um mich bestellt.


 
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15. März
1995
Abschied   
 abgelegt in Lyrik, Reimgedichte

All’ die Träume sind entschwunden,
der glückseligen Zweisamkeit,
tief gefurcht die Schmerzenswunden.
Weshalb flöhst du, holdes Maid?

Beraubet des Friedens, die Freude vergällt,
zerissen ist unser Liebesband.
Schwere Betrübtheit ist das Entgelt,
Deiner Liebe kärgliches Pfand.


 
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