| 09. Juni 2008 | abgelegt in Aufzeichnungen & Notizen, Elegien, Mnemosynes Geleit |
Täglich geh ich heraus, und such ein Anderes immer,
Habe längst sie befragt, alle die Pfade des Lands;
Droben die kühlenden Höhn, die Schatten alle besuch ich,
Und die Quellen, hinauf irret der Geist und hinab,
Ruh erbittend [...]
Auszug aus Hölderlins Elegie “Menons Klagen um Diotima”
Auch ich entfloh einst der traulichen Stube, befahl mich der Fremde
an: Was der Weltlärm verschwieg, durft’ ich im Stiller’n gewahr’n.
Bleibet mir treu, ihr holden Phantome besserer Welten,
euren ewigen Trost schließ’ in den Busen ich ein!
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| Schlagwörter: | Ablageorte, Elegien, Friede im Herzen, Gedichte, Geschichte, Gesinnung, göttliche Ruhe, historisch, Hölderlin, Inspiration, Loci-System, Memoriersysteme, Memoriertechniken, Raumsystem, seliges Schwärmen, Vision, Zeitstrahl |
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| 08. Juni 2008 | abgelegt in Goethe, J. W., Weltliteratur |

| 28.9.1786 abends |
So stand es denn im Buch des Schicksals auf meinem Blatt geschrieben, dass ich 1786 den achtundzwanzigsten September, abends, nach unserer Uhr um fünf, Venedig zum ersten Mal, aus der Brenta in die Lagunen einfahrend, erblicken und bald darauf diese wunderbare Inselstadt, diese Biberrepublik, betreten und besuchen sollte. So ist denn auch, Gott sei Dank, Venedig mir kein bloßes Wort mehr, kein hohler Name, der mich so oft, mich, den Todfeind von Wortschällen, geängstigt hat.
Als die erste Gondel an das Schiff anfuhr – es geschieht, um Passagiere, welche Eil’ haben, geschwinder nach Venedig zu bringen – erinnerte ich mich eines frühen Kinderspielzeuges, an das ich vielleicht seit zwanzig Jahren nicht mehr gedacht hatte. Mein Vater besaß ein schönes mitgebrachtes Gondelmodell; er hielt es sehr wert, und mir ward es hoch angerechnet, wenn ich einmal damit spielen durfte. Die ersten Schnäbel von blankem Eisenblech, die schwarzen Gondelkäfige, alles grüßte mich wie eine alte Bekanntschaft, ich genoss einen lang entbehrten freundlichen Jugendeindruck.
Ich bin gut logiert in der „Königin von England“, nicht weit vom Markusplatze, und dies ist der größte Vorzug des Quartiers; meine Fenster gehen auf einen schmalen Kanal zwischen hohen Häusern, gleich unter mir eine einbogige Brücke und gegenüber ein schmales, belebtes Gässchen. So wohne ich, und so werde ich eine Zeitlang bleiben, bis mein Paket für Deutschland fertig ist, und bis ich mich am Bild dieser Stadt satt gesehen habe. Die Einsamkeit, nach der ich oft so sehnsuchtsvoll geseufzt, kann ich nun recht genießen; denn nirgends fühlt man sich einsamer als im Gewimmel, wo man sich allen ganz unbekannt durchdrängt. In Venedig kennt mich vielleicht nur ein Mensch, und der wird mir nicht gleich begegnen.
| 8. Epigramm |
Diese Gondel vergleich’ ich der sanft einschaukelnden Wiege,
und das Kästchen darauf scheint ein geräumiger Sarg.
Recht so! Zwischen der Wieg’ und dem Sarg wir schwanken und schweben
auf dem großen Kanal sorglos durchs Leben dahin.
| 7. Epigramm |
Eine Liebe hatt ich, sie war mir lieber als alles!
Aber ich hab sie nicht mehr! Schweig, und ertrag den Verlust!
| 10. Epigramm |
Warum treibt sich das Volk so und schreit? Es will sich ernähren,
Kinder zeugen und die nähren, so gut es vermag.
Merke dir, Reisender, das, und tue zu Hause desgleichen!
Weiter bringt es kein Mensch, stell er sich, wie er auch will.
| 5. Epigramm |
In der Gondel lag ich gestreckt und fuhr durch die Schiffe,
die in dem Großen Kanal, viele befrachtete, stehn.
Mancherlei Ware findest du da für manches Bedürfnis,
Weizen, Wein und Gemüs, Scheite wie leichtes Gesträuch.
Pfeilschnell drangen wir durch; da traf ein verlorener Lorbeer
derb mir die Wangen. Ich rief: “Daphne, verletzest du mich?
Lohn erwartet ich eher!” Die Nymphe lispelte lächelnd:
“Dichter sündigen nicht schwer. Leicht ist die Strafe. Nur zu!”
| 28. Epigramm |
Welch ein Mädchen ich wünsche zu haben? ihr fragt mich. Ich hab sie,
wie ich sie wünsche, das heißt, dünkt mich, mit wenigem viel.
An dem Meere ging ich und suchte mir Muscheln. In einer
fand ich ein Perlchen; es bleibt nun mir am Herzen verwahrt.
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| Schlagwörter: | biberrepublik, Buche des Schicksals, Daphne, Distichen, Elegien, Epigramme, Flucht, Gedichte, Gondel, Italienreise, Johann Wolfgang von Goethe, Jugendgrüße, keine Worthülsen, keine Wortschellen, Kinderspielzeug, Lagunen, Markusplatz, Menschengewimmel, PythiasBest, Rom, schmale Kanäle mit hohen Häusern, Tagesbuch, Venedig, venezianische Epigramme, Vertonungen |
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| 05. Juni 2008 | abgelegt in Gedankenschau |
![]() Friedrich Schiller | ![]() Prof. Dr. phil. habil. Härle |
Die Literaturgeschichte lehrt uns eigentlich, dass Friedrich Schiller im Jahre 1805 starb ?!?
Allem rationalen Denken hingegen nunmehr zum Trotz: mein ehemaliger Literaturprofessor Prof. Dr. Härle.
Die Mutation vom Schlapphut zum Strohhut ist verblüffend, die Entwöhnung vom Tabak eigentlich undenkbar. Der Schattenwurf indes ist deckungsgleich, das Zaumzeug wird beidergleich einhändig geführt.
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| Schlagwörter: | Deutsch, Dichter, Esel, Friedrich Schiller, Hommage an seine Vorlesungen, Literaturprofessor, Literaturwissenschaft, Pädagogische Hochschule Heidelberg, Pfeife, PH Heidelberg, Poet, Prof. Dr. Härle, Reinkarnation, Strohhut, Studium, Tabak, Textschreiber |
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