| 22. Mai 2011 | abgelegt in Die Kapitel \ Kap. 01 - Dichtung \ Mnemosynes Geleit |

Thematische Einordnung in das Schachspiel:
Die Bedeutung der Felderfarben
Ist denn die Wirklichkeit nicht erdacht, schlicht ersponnen,
die Dichtung unseres Geistes,
der aus dem Reiz trüber Sinne sich nährt,
in kühner Deutung die allvertraute Welt uns erschließet?
Zweifelsfrei ist die Traumwelt ersonnen, hehrer Ideen Heimstatt,
der Phantasie Elegie
und wahrhaft stolzes Rankgewächs,
das als Zartspross
aus des Alltages Niederwuchs
munter sich enttrotzte zu reiferer Blüte.
Beiderlei Sphären,
die der Wirklichkeit als auch des Traumes,
sind daher gleichen
Ursprungs, dem der Dichtung.
Und wie ein Geschwisterpaar reichen
Traumbild und Erscheinung sich treu die Hände,
vereinigen sich wie zwei Flüsse es tun:
Rauschend’ Verlangen
mit strömendem Eifer hinstrebend
und einend
still sich ergeben
sodann ins unendliche Meer
menschlicher Deutung.
Traumwelt ist daher Wirklichkeit,
eins ins eins vermengt.
Auch ihr, allgewaltige Parzen,
naht euch dem Reich der Ideen,
des Traumes holden Phantomen,
den treu euch Empfangenden!
So schließt deren Bild
in den Busen still ein
und bildet getreu nach ihren Gesetzen
das Irdische,
webt in den Teppich hierin
der Menschen Geschick!
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