Gnadenschein

Lass noch einmal dein Antlitz mich schau’n, dein Gestirn in der Weltnacht
Kühle! Mach’ trunken mich, oh, Silberlicht, träumend hinweg!

Lichtquell, send’ deinen Gnadenschein mir doch herab!

Stille Wunderlandschaft

Säume nicht, Lippenpaar mein! In des Falters Manier hebe schweigend
über der hohen Stirne Zenit dich hinweg und zerteile
zartes Gewölke traumtrunk’ner Augen auch nicht! Ruh’nden Bergsees
Lockruf sanftwallender Lippen entschwebe. Im Gleitflug die Klipp’ des
schönbleichen Halses hinab taum’le durch die zartschmelzbekränzten
Anhöhn erhabener Brüste abwärts, zur weithin erstreckenden Düne
sanfter Verwehung. Hier trägt milder Betörungen Fön dich
hin zum wohlduften Hain der Verwund’rung. Und im tiefen Gehölz um-
säumen niedere Gräser die Andacht verborgenen Weihers.
Selig Gefilde, Friede entbietend! Ihr weitgereisten
Lüftebezwinger, so neigt euch hienieder und schmiegt in des schneefloh’n
Lotus’ keuch geöffneter Knospe euch, auf den Wassern still treibend,
wo sich unweit auch wiegt das Schilfrohr im Hauch der Liebkosung.

Chor der Anbetung

Golden erweckst du, erstandener Morgen, die Kinder beseelter Gefilde
und die Schar munt’rer Geister danket es dir: Es hebt noch
trunken vom nächtlichen Traume Blume um Blum’ nun das Haupt in
frohem Erwachen und atmet dir Wohlduft. Der blättrige Klee auch,
perlenbetäut, er reichet der Allmacht Sonne in kristall’ner
Schale ambrosischen Opfertrank. Jubel entlockst du den Vögeln,
Harfe entleiht selbst Äolus dem Spiel liebsäuselnder Winde,
Stimme auch der stürzenden Wasser eilender Woge:
Bäche murmeln, Flüsse schäumen mit silberner Welle
Lobpreis der Schöpfung entgegen, mischen sich ein in der Andacht
einenden Chor, der wahren Versammlung frommer Gesinnung.

Lass’ mich, Geliebte, deiner heiligen Gründe Morgenlied sein und
Kelche dir öffnen, dir Knospen erquellen und Stimme verleih’n dem
rauschend’ Verlangen, uns einen im Lobpreis stummer Versenkung.