| 12. April 2012 | abgelegt in 10 → Biedermeier \ Droste-Hülshoff, Annette |
So gern hätt’ ich ein schönes Lied gemacht
von deiner Liebe, deiner treuen Weise,
die Gabe, die für andre immer wacht
hätt’ ich so gern geweckt zu deinem Preise.
Doch wie ich auch gesonnen mehr und mehr
und wie ich auch die Reime mochte stellen.
Des Herzens Fluten wallten drüber her,
zerstören mir des Liedes zarte Wellen.
So nimm die einfach schlichte Gabe hin,
von einfach ungeschmücktem Wort getragen,
und meine ganze Seele nimm darin.
Wo man am meisten fühlt,
weiß man nicht viel zu sagen!
| Dichterin | Annette von Droste-Hülshoff | |
| Rezitation | Gertrud Kückelmann | |
| Bereitstellung | wortlover |
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| Schlagwörter: | Annette von Droste-Hülshoff, Fluten, Gabe, Gedicht, gesonnen, Herz, Hörprobe, Lesung, Liebe, Lied, Lob, Preise, Reim, Rezitation: Gertrud Kückelmann, sagen, schlicht, Seele, So gern hätt' ich, ungeschmückt, Vertonung, viel, wecken, Weise, Wellen, Wort |
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2012 | abgelegt in 10 → Biedermeier \ Droste-Hülshoff, Annette |
Da gab es doch ein Sehnen,
Ein Hoffen und ein Glühn,
Als noch der Mond »durch Tränen
In Fliederlauben« schien,
Als man dem »milden Sterne«
Gesellte was da lieb,
Und »Lieder in die Ferne«
Auf sieben Meilen schrieb!
Ob dürftig das Erkennen,
Der Dichtung Flamme schwach,
Nur tief und tiefer brennen
Verdeckte Gluten nach.
Da lachte nicht der leere,
Der übersatte Spott,
Man baute die Altäre
Dem unbekannten Gott.
Und drüber man den Brodem
Des liebsten Weihrauchs trug,
Lebend’gen Herzens Odem,
Das frisch und kräftig schlug,
Das schamhaft, wie im Tode,
In Traumes Wundersarg
Noch der Begeistrung Ode,
Der Lieb’ Ekloge barg.
Wir höhnen oft und lachen
Der kaum vergangnen Zeit,
Und in der Wüste machen
Wie Strauße wir uns breit.
Ist Wissen denn Besitzen?
Ist denn Genießen Glück?
Auch Eises Gletscher blitzen
Und Basiliskenblick.
Ihr Greise, die gesunken
Wie Kinder in die Gruft,
Im letzten Hauche trunken
Von Lieb’ und Ätherduft,
Ihr habt am Lebensbaume
Die reinste Frucht gepflegt,
In karger Spannen Raume
Ein Eden euch gehegt.
Nun aber sind die Zeiten,
Die überwerten, da,
Wo offen alle Weiten
Und jede Ferne nah.
Wir wühlen in den Schätzen,
Wir schmettern in den Kampf,
Windsbräuten gleich versetzen
Uns Geistesflug und Dampf.
Mit unsres Spottes Gerten
Zerhaun wir, was nicht Stahl,
Und wie Morganas Gärten
Zerrinnt das Ideal;
Was wir daheim gelassen
Das wird uns arm und klein;
Was Fremdes wir erfassen,
Wird in der Hand zu Stein.
Es wogt von End’ zu Ende,
Es grüßt im Fluge her,
Wir reichen unsre Hände,
- Sie bleiben kalt und leer. -
Nichts liebend, achtend Wen’ge
Wird Herz und Wange bleich,
Und bettelhafte Kön’ge
Stehn wir im Steppenreich.
| Dichterin | Annette von Droste-Hülshoff | |
| Rezitation | Marie Luise Marjan | |
| Bereitstellung | wortlover |
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| 03. April 2012 | abgelegt in 10 → Biedermeier \ Droste-Hülshoff, Annette |
An Amalie Hassenpflug
Jüngst hab’ ich dich gesehn im Traum,
So lieblich saßest du behütet
In einer Laube grünem Raum,
Von duftendem Jasmin umblütet,
Durch Zweige fiel das goldne Licht,
Aus Vogelkehlen ward gesungen,
Du saßest da, wie ein Gedicht,
Von einem Blumenkranz umschlungen.
Und deine liebe Rechte trug
Das Antlitz mit so edlen Sitten,
Im Sand das aufgeschlagne Buch
Schien von dem Schoße dir geglitten;
Dich lehnend an den frischen Hag
Hauchtest du flüsternd leise Küsse,
Im Auge eine Träne lag,
Wie Tau im Kelche der Narzisse.
Dich anzuschaun war meine Lust,
Zu lauschen deiner Züge Regen,
Und dennoch hätt’ ich gern gewußt,
Was dich so innig mocht’ bewegen?
Da bogst du sacht hinab den Zweig,
Strichst lächelnd an der Spitzenhaube,
An deine Schulter huscht’ ich gleich,
Sah einen Baum in schlichtem Laube:
Und auf dem Baume saß ein Fink,
Der schleppte dürres Moos und Reisig,
»Schau her, schau wieder!« zirpt’ er flink
Und förderte am Nestchen fleißig;
Er sah so keck und fröhlich aus,
Als trüg’ er des Flamingo Kleider,
So sorglich hüpft’ er um sein Haus,
Als fürcht’ er bösen Blick und Neider.
Und wenn ein Reischen er gelegt,
Dann rief er alle Welt zu Zeugen,
Als müsse, was der Garten hegt,
Blum’ und Gesträuch sich vor ihm neigen;
Um deine Lippe flog ein Zug,
Wie ich ihn oft an ihr gesehen,
Und meinen Namen ließ im Flug
Sie über ihre Spalte gehen.
Schon hob ich meine Hand hinauf
Mit leisem Schlage dich zu strafen,
Allein da wacht’ ich plötzlich auf
Und bin nicht wieder eingeschlafen;
Nur deiner hab’ ich fortgedacht,
Säh’ dich so gern am grünen Hage,
Mich dünkt, so lieb wie in der Nacht
Sah ich dich noch an keinem Tage.
Im Eise schlummern Blum’ und Zweig,
Dezemberwinde schneidend wehen,
Der Garten steht im Wolkenreich,
Wo tausend schönre Gärten stehen;
So golden ist kein Sonnenschein,
Daß er wie der erträumte blinke;
Doch du, bist du nicht wirklich mein?
Und bin ich nicht dein dummer Finke?
| Dichterin | Annette von Droste-Hülshoff | |
| Rezitation | Philipp Schepmann | |
| Bereitstellung | wortlover |
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| Schlagwörter: | Amalie Hassenpflug, Annette von Droste-Hülshoff, Antlitz, Baum, behütet, Bilder: John William Waterhouse, Blick, Blumenkranz, Der Traum, dumm, Eis, Fink, Flamingo, fleißig, Flug, Garten, Gedicht, Gesträuch, Hag, Hand, Haus, Jasmin, Kleider, Laub, Licht, Lippe, Lust, Moos, Namen, Neider, Nest, Raum, Regen, Reisig, Rezitation: Philipp Schepmann, Sand, Schlag, Schoß, Schulter, Sitten, Sonnenschein, Spalte, Spitzenhaube, Traum, Vogelkehlen, Welt, Wolkenreich, zeugen, Zug, Züge, Zweige |
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