Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

3 
 März 
 
1995

abgelegt in
Reimgedichte

 

[02.03.95, 03.03.95]

Wenn ein Windhauch Dich befühlt,
Stirn und Wangen milde kühlt,
so Frühlingskind verzage nicht!

Dem Wind entlieh‘ ich meine Hand
zum Liebesboten ihn ernannt,
zu kosen lieb Dein Angesicht.

So lausch‘ des Sperlings Musizieren,
die Klänge sanft ins Ohr Dir dringen.
Er möcht‘ Dir Ehrerbietung singen
und Dich zur Allerschönsten küren.

Der Federfreund im Schlichtgewand
wurd‘ ebenfalls von mir gesandt,
zu lindern den Schmerz,
der Dir ruht im Herz,
entreißen die Schmach,
die Dich einst zerbrach,
und dich geleiten ins Land der Sorglosigkeit
vereint in trauter Zweisamkeit

als frohes Geleit im Lebensstreit,
im Geiste vereint in Seligkeit.

 
 
11 
 Februar 
 
1995

abgelegt in
Reimgedichte

 

Sollt‘ ich den säumen den nächtlichen Schlummer?
welcher verstößet er lässet vergessen welken des Tages Kummer!
Bescheret meiner Seele Fried!
Ich liebe des Nachtes süße Stille,
sie ist so linde, spendet Trost die Fülle,
so drum schließe ich meines des Äugleins Lid.

Und wieget mich manch‘ süßer Traum
ins Land der „ewigen“ Wonne
so schafft im Herzen sich dann Raum
die güldne Freudensonne.

Doch wenn der Morgen mir bricht an
es helle sonnt strahlt durchs Zimmerfenster
so wecken mich die Sorgengespenster
so ziehen mich in ihren Bann,
die totgeglaubten Sorgengeister und -gespenster.

Ob ich auf Erden je Ruhe fände,
ich leg’s, Herr Jesu, in Deine Hände.
Du vernimmst es, vernehmest auch quälende
Auch sind nicht verborgen, Dir meine Glaubensfragen,
die mich verzagen, die an mir nagen.
Erbarme Dich doch meiner Not,
so greif‘ doch ein,
soll triumphieren denn der Tod?
Tilg‘ mir die Pein!
Dann möcht‘ ich weilen, und das fürwahr,
in Deinem Hause immerdar.

 
 
1 
 Januar 
 
1995

abgelegt in
Reimgedichte

 

[1995?]
Einen Gruß meinem Gewitterwölkchen

Verzeih,
dass haschend nach dem Schreibgeräte
verschüchtert zu dem Federkiele ich gegriffen,
anstatt in kühner Ritterrede
mit Wortjuwelen kunstvoll geschliffen
die Botschaft, vorbei an kant’gen Felsenriffen
in den Herzenshafen Dir zu schiffen …

Doch künde mir:
Wie sollt‘ ich’s sonst denn halten,
gegeiselt von hemmenden Gewalten?

Fürwahr, jeder strahlende Sonnenblick,
Deines Antlitzes blumiges Geschmück,
bringt meiner Verzagtheit Gletscherfelsen,
tröpfchenweise erlösend zum Schmelzen.

Doch zuweilen verfinstert sich Dein Augenglanz,
durch aufziehender Wolken grauen Gewands,
und dieses drohende Wolkenmeer
erscheint mir wie ein Feindesheer,
schwärzlicher Engelsgestalten,
am Himmelsgewölb, dem zorngeballten.

Entschwunden ist das funkelnde Blinken,
Deiner Augen sanftes Loderwerk,
lässt tapf’ren Heldenmut mir schändlich sinken
degradieret mich zum stummen Zwerg.

Die Lippen beben, lassen mich erschüttern,
furchteinflößend ahnend wittern,
dass dem zitterndem Herzen entsprungene Gedanken
beflügelt durch der Seele Hauch,
belebt zum Mund empor sich ranken,
doch vergehen wie Schall und Rauch.

Denn hilflos sie sich schnell verfangen,
in der Scheuheit krallender Pranken,
sogleich gerät der Redefluß ins Wanken,
und ich Ärmster muß arg bangen.

Die Sprache, sie stockt,
die Zung‘ ist gelähmt,
mir’s nicht frohlockt,
dass sie sich jeglichen Lautes grämt.

Drum Federhalter, husch‘ übers Papier,
sollst‘ nicht verweilen,
fass‘ die Gefühle in liebliche Zeilen,
und beichte meiner Augenzier,
wie es ist um mich bestellt
in trostloser Gedankenwelt:

Deiner Augen flutender Schein,
sät ins Herz mir zweifelnde Pein!

Nun, trotz aller Furcht, will ich es wagen,
und dich ganz unverblümet fragen,
ob Deines Blickes lieblicher Natur,
desöfteren sich mit meinem schneidet,
als ob er graset, auf mir sich weidet,
meinem stillen Wesen zollt Bravour?

Ist’s ein zarter Wink, vielleicht ein Liebesschwur,
oder ist von wahrer Liebe keine Spur?
Drum, bitt‘ ich Dich, mir’s zu künden,
wie ist diese Geste zu ergründen?

Die Zeit, sie eilet,
der Zweifel verweilet
im Herzen mir.

Dein Mund, er schweiget,
die Antwort verweilet,
ich fast die Hoffnung nun verlier‘.

Drum laß die Feder schwingen,
einen linden Brief gelingen,
die Antwort sanft durchdringen,
sonst könnt‘ die Not mich gar verschlingen…