Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

17 
 Dezember 
 
2017


 


Quelle: dtv

  • Die hereinrollenden Wellen bestehen in meinem Leben aus all den Menschen, Aktivitäten und Dingen, die versuchen, meine Aufmerksamkeit, Energie und Zeit für sich zu gewinnen, die aber nicht mit meinem ZDE (Zweck der Existenz) zu tun haben. Die zurückströmenden Wellen sind die Menschen, Aktivitäten und Dinge, die mir dabei helfen können, meinen ZDE zu erfüllen.
    Man soll sich treiben lassen und gerade soviel paddeln, um die Position zu behalten (Miete und Rechnungen bezahlen). Wenn die Welle wieder zum Ozean hinausströmt, paddelt man schneller, um die Bewegung des Wassers zu seinem Vorteil zu nutzen.
  • Unsere Aufgabe besteht darin zu erkennen, das uns etwas erfüllt, weil wir es selbst nun einmal so empfinden, und nicht, weil jemand anderer uns sagt, dass es erfüllend sei.
  • Man sollte nicht darauf warten, erfüllende Dinge entsprechend seinem ZDE (Zweck der Existenz) zu tun, wenn man diese Dinge sofort tun kann, anstatt diese Dinge aufzuschieben und zu warten, bis man sie zum Zeitpunkt X tun kann. (Beispiel: Geldverdienen – ausgesorgt haben – im Ruhestand Dinge tun, die einen ausfüllen)
  • Menschen, die ihre Zeit mit ihrer Bestimmung verbringen, habe dabei mehr Glück und erleben mehr positive Dinge quasi als Bestätigung des richtigen Weges.
  • Menschen sollten ergründen, was ihre Bestimmung ist.
    Darin sollten sie absolut zuversichtlich sein, dass sie in der Lage sind, diese Dinge zu tun. Und wenn sie versuchen, sie zu tun, treten bestimmte Ereignisse auf, die ihnen helfen, erfolgreich zu sein.
  • Manche Menschen stellen fest, dass Ideen und Erfahrungen in ihrem Inneren auf Resonanz stoßen. Dies kann ein Hinweis auf den eigenen ZDE sein.
 
 
16 
 Dezember 
 
2017

abgelegt in
Filme | Lesefreuden | Suter, Martin

 

›Small World‹ ist Fallstudie, Gesellschaftsroman und Thriller in einem. Konrad Lang, Mitte sechzig, wird auf einmal wieder von intensiven Bildern aus der Kindheit heimgesucht. Und es zieht den heruntergekommenen alten Mann magisch zur Villa seiner ehemaligen ›Familie‹, wo man sich seiner nur ungern erinnert. Was geht mit ihm vor?, fragt sich vor allem die achtzigjährige Elvira Senn besorgt, unangefochtenes Oberhaupt dieser Familie und große alte Dame der renommierten Schweizer Koch-Werke. Sie ist irritiert von Konrads wachsendem Erinnerungsvermögen, und mit gutem Grund: Elvira hat nämlich etwas zu verbergen. Konrads Kindheit und Jugend waren denkbar ungewöhnlich. Als uneheliches Kind eines Dienstmädchens, aber Spielkamerad – oder vielmehr Lakai – eines gleichaltrigen Multimillionärssohns, ist er aufgewachsen in der Welt der Reichsten, ohne dort je akzeptiert zu sein. Und jetzt möchte der verwirrte alte Mann nur eines: zurück in den Schoß der Familie, die ihn sicher nicht nur gut behandelt hat. Elvira Senn nimmt ihn auf, als Pflegefall. Doch Konrad wird für sie zu einer zunehmenden Bedrohung. Zumal er in der Familie unerwartet eine Beschützerin gefunden hat. Ein dramatischer Wettlauf gegen die Zeit, gegen die rätselhafte Erkrankung und gegen die immer panischeren Widerstände der alten Dame beginnt. Er endet in einem fast heiteren Finale.

Quelle: Diogenes-Verlag

Die filmische Adaption ist für mich eine missglückte Jamaika-Koalation.

Während das Buch in weitem Bogen schillernd prismatisch jeden Farbton des Regenbogens anschlägt, mattet der Film als dumpfer Abglanz lediglich in den Farben Schwarz-Grün-Gelb nur so dahin…

 
 
10 
 Dezember 
 
2017

abgelegt in
Lesefreuden | Suter, Martin

 

Wirtschaftsanwalt Urs Blank, fünfundvierzig, hat seine Gefühle im Griff. Er hat es gelernt, sich keine Blöße zu geben, hingegen die der anderen zu nutzen. Blank ist Fachmann für Fusionsverhandlungen und der Star der Branche. In letzter Zeit allerdings quält ihn ein diffuses Unbehagen – auch ein Grund, warum er sich so intensiv um die schöne Lucille bemüht, die ein völlig anderes Leben führt als er. Durch Lucille lernt er die magische Welt der halluzinogenen Pilze kennen. Bei einem überwältigenden Trip spielt ihm jedoch ein unbekannter zyanblauer Pilz einen bösen Streich. Blanks Persönlichkeit ist fortan verändert. Er fühlt sich gottgleich und gibt jeder Gefühlsregung sofort nach – auch der gefährlichsten. Blank erkennt, dass ihm keiner helfen kann, und flieht in den Wald, den einzigen Ort, wo er zur Ruhe kommt und glaubt, niemandem gefährlich zu werden. Und während man in der ›zivilisierten‹ Welt denkt, der Staranwalt habe sich das Leben genommen, lernt Blank das Überleben in den Wäldern. Er beginnt zu begreifen: Es gibt nur einen Weg, um sich aus diesem Alptraum zu befreien. Wie ›Small World‹ liest sich auch diese faszinierende Geschichte einer Persönlichkeitsveränderung wie ein hochspannender Thriller, denn die beiden Protagonisten Urs Blank und Konrad Lang haben einen ähnlich mörderischen Gegner – die Zeit.

Quelle: Diogenes-Verlag

Anfänglich beschwerlich fand ich die Verortung der handelnden Personen in ihrem Beziehungsgeflecht zueinander (Soziagramm), die Um- bzw. Verteilung der Fusionsmasse diverser Wirtschaftsunternehmen.

Allerdings war ich fasziniert von der prosaischen Beschreibung innerpsychischer Zustände anhand außerphysischer Erscheinungen.

Eines der gelungensten Beispiele fand ich persönlich auf Seite 201 ff.:
Der totgeglaubte, vermeintlich dem Suicid erlegene Urs Blank war in der zivilisierten, zeitrasenden (Wirtschafts-)Welt nicht mehr physisch präsent, lediglich namentlich noch in Form eines Messingschildes an seiner Kanzlei als Gravur vorhanden.
Und selbst dieses bürgerliche, namentlich-rechtlich ausgezeichnete „Aushängeschild“ mit Daseinsbefugnis im Handelsregister verschwindet – nach weiteren, überwiegend sich ausschweigenden 100 Buchseiten – durch eine erzählerisch lakonisch gehaltene Demontage jenes Überbleibsels.

Gelebtes Leben indes findet Urs Blank in der Fauna und Flora des Waldes.
Dort agiert er allerdings nicht mehr als namentlich erwähnte Einzelperson in der Kategorie Mensch, sondern als Teil eines Ökosystems, in dem ER sich der Umwelt anpassen muss und nicht -wie in seinem bisherigen Leben- diese sich IHM anpasst.
Weder (erhabene 3D-)Embleme auf Briefköpfen, noch (eingegrabene) Gravuren auf Statussymbolen bestimmen das Sein, sondern die beständigeren Konturen der wilden und doch zahmeren Pflanzenwelt im milden Lichte wechselnder Tageszeiten.