Lyrik ~ Klinge
Versuch einer Dichtung          

25 
 Mai 
 
2017
Eudora  


 

Die Okeanide Eudora
 
Musik
Frédéric Chopin [1]Fantaisie-Impromptu in cis-Moll, Op. post. 66 | Pianist: Peter Bradley-Fulgon

[06.10.2014]

Ungestüm auf der unendlichen See alltäglichen Treibens
weht der Vergänglichkeit Hauch mir. Das launische Spiel
peitscht ohne Ablass mit rauem Odem ewige Feindschaft
schäumend entgegen. Betäubt seel’scher Empfindung, ergreift
achtarmig [2]Octopus mich des Selbstzweifels Würggriff und reisst unnachgiebig
mit mächt’gem Fang mich in den Schlund tiefster Umnachtung hinab.

Wohl dir, Verlor’ner, wenn dich des Meers Rachen ausspeiet an des
Lebens frohem Strand, nicht gar an Klippen zerberst!

Gabenreiche Eudora, Tochter des Nereus‘, Du!

Nach der grauen See Unmut spielet mir freundlicher deiner
bläulichen Augen stiller Bucht, trauter rauscht deines Lidschlags
schäumender Welle und deiner zierlichen Locken Korall säumet eb’ner
Schultern weißer Sandbank. Unweit ermuntern nied’ren Grundes
sich der geschmeid’gen Finger wohlweicher Schwämme, der sanften
Strömung spielend Gesellen.

Indes der nahen Düne, von leichter
Brise gebogen und zärtlich umschmeichelt, reicht mir dein Palmen-
haupt deiner Lippen kostbaren Schatz, der süßlichen Frucht mein.

→ zu Mnemosynes Geleit
Pygmalions Werkstatt

Fußnoten   [ + ]

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