Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

25 
 Mai 
 
2017


 

Die Okeanide Eudora
 
Musik
Frédéric Chopin [1]Fantaisie-Impromptu in cis-Moll, Op. post. 66 | Pianist: Peter Bradley-Fulgon

Des Alltags Fänge

Ungestüm
auf der unendlichen See alltäglichen Treibens,
weht der Vergänglichkeit Odem.

Das launische Spiel peitscht ohne Ablass
mit rauer Gischt ewige Feindschaft
schäumend entgegen.

Betäubt seel’scher Empfindung,
ergreift achtarmig [2]Octopus mich des Selbstzweifels Würggriff
und reisst unnachgiebig
mächtigen Fangs
mich jäh in den Schlund
tiefster Umnachtung hinab.

Wohl dir, Verlor’ner,
wenn dich des Meers Rachen ausspeiet
an des Lebens frohem Strande,
nicht gar an Klippen zerberst!

* * *

Gabenreiche Eudora, Tochter des Nereus‘, du!

Nach der grauen See Unmut
spielet mir freundlicher
deiner bläulichen Augen stiller Bucht,
trauter rauscht deines Lidschlags schäumender Welle
und deiner wallenden Locken Korall
säumet eb’ner Schultern weißer Sandbank.

Unweit ermuntern nied’ren Grundes
sich der geschmeid’gen Finger wohlweicher Schwämme,
der sanften Strömung spielend Gesellen.

Indes an naher Düne,
von leichter Brise gebogen und zärtlich umschmeichelt [3]umwoben,
reicht mir dein Palmenhaupt
deiner Lippen kostbaren Schatz,
der süßlichen Frucht mein.

→ zu Mnemosynes Geleit
Pygmalions Werkstatt

Fußnoten   [ + ]

 
 

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