Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

13 
 August 
 
2011


 

Fliederdüfte strömten übers Land,
Rosenregen schmückte zart das Band
geflochtenen Bundes.

Zögernd glitt des Jünglings scheues Fleh’n
bangen Flugs von steiler Lippe Höh’n
erbebenden Mundes.

Landend im willigen Herzensbezirk
strebt‘ er frohlockend mit Jubel empor,
paradiesisch besonnen.
Denn sie willigte ein
bei Mondenschein.

Priesterrede
Die prangendsten säumenden Gärten
der Jugend bewanderte Fährten
sind wahrlich jene,
die Euch noch hochbetaget
im greisen Geiste duftend mild verharren.
Wahret die Grenzen des Reichs Eurer Liebe!
Tauscht nie das fürstliche Mahl festen Bundes
gegen das Linsengericht loser Liebschaft.
Es sei Euch
das Tau des sicheren Hafens heilig,
die Woge der lüsternen See Euch Fluch.

 
 

1 Kommentar zu “Ode 01 – Geknüpftes Liebesband”

  1. Ralph sagt:

    Ursprüngliche Überschrift

    Des Jubels Gefieder

    Fliederdüfte strömen übers Land,
    Rosenregen schmücket zart das Band
    geflochtenen Bundes.

    Zögernd glitt des Jünglings scheues Fleh’n
    bangen Flugs von steiler Lippe Höh’n
    erbebenden Mundes.

    Landend im willigen Herzensbezirk
    strebt er frohlockend mit Jubel empor.

    Hallöchen,

    zunächst möchte ich mich für euer Feedback bedanken.
    Vorab: das Gedicht stammt aus einer postpubertären Zeit (vor gut 10 Jahren), zu dem auch ich heute eine gewisse Distanz nehme und mich nicht mehr damit identifizieren kann.

    @a.

    Warum steht S3 komplett im Daktylus? Hat sich das so ergeben, oder soll ein bewußter Bezug zu V3 und V6 entstehen, die im – öööhm – Amphibrachis (?) oder aufgetakteten Daktylus (?) – also jedenfalls im dreiteiligen Taktgeschlecht stehen?

    Hmm, gute Frage. Wie gesagt, das Gedicht ist schon älter, sodass ich die 3. Strophe einer metrischen Korrektur unterzog, die bis dahin „hinkte“. Wieso aber Daktylen? Keine Ahnung, vielleicht weil ich momentan „Die Stunden im Garten“ von Hermann Hesse höre und mich seine Hexameterdichtung fasziniert.

    Interessantes Teil, aber leider in sehr altbackenem Sprachstil. Schmücket des Jünglings bangen Blah und frohlocket Blubb ist mir 2007 schlichtweg nicht zeitgemäß genug. Gedichte werden nicht dadurch besonders kunstvoll, indem sie versuchen, die Feierlichkeit der Sprache aus längst vergangenen Zeiten nachzuäffen. Jauchzet! Frohlocket! hatten wir nämlich schon…

    Es gibt Leute, die bedienen sich noch der barocken Sonettform, allerdings -und da gebe ich Dir recht- nur auf formaler Ebene und nicht auf sprachlicher Ebene.
    Wie oft wird aber heute noch der Ausdruck „Ich liebe Dich“ verwendet, der an für sich sowas von verbraucht ist, aber innerhalb einer Liebeskonstellation doch immer wieder neue Bedeutungstiefen erlebt.

    2007 ? Ich habe davon gelesen, als ich letzt das Kalenderblatt wendete 😉
    Nee, aber Spaß beiseite. Es ging mir nicht wirklich damals ums Nachäffen, sondern ums Nachempfinden, ein experimentielles Unterfangen hinsichtlich neuer Gefühlswelten.

    Jauchzet! Frohlocket!
    So schlecht finde ich das Weihnachtsoratorium von J.S. Bach aber wiederum auch nicht und wenn man subtile Montagearbeit/Transferarbeit leistet, wie es oft auch in den „Simpsons“ kunstvoll bewältigt wird, kann ein Gedicht auch mit einem „Am Anfang war das Wort …“ aufwarten.
    Aber stimmt schon, man sollte sich generell von abgegriffenen Wortpaaren und Allgemeinschauplätzen distanzieren.

    @f.
    Eigentlich hat das Stück Substanz, aber die Ausführung ist mir zu gewollt poetisch

    Zur Sprachschwülstigkeit habe ich ja oben schon etwas gesagt.

    wie meist, kommt auch hier nur schwerverständliches Zeugs dabei raus
    Bei S2Z3 muss man lange überlegen, wie/wo sie angeschlossen ist, und wer in S3Z2 „er“ ist, bleibt völlig unklar – der Jüngling? der Mund? Der Flug?

    Es sind -nebst der Sprache- vor allem die Zeilenübersprünge (Enjambement), die dem Leser zu schaffen machen, die aber bei einem mündlichen Vortrag sinnvoll verschliffen werden könnten. Ich war ein Sklave der Metrik und ließ mich mit unablässigem Geiselschlag zu solcher Zeilenstruktur (an-)treiben.
    Das „er“ -und damit hast du verdammt recht- ist nicht konkret genug. Eine zu große Leerstelle. Hmm, könnte man daher noch ändern.

    Hallo R.

    da bin ich aber nochmal froh über Dein sehr mildes Urteil zu meinem Text.

    In Deinem Alter (als Schüler) fand ich derartige Gedichte einfach nur noch zum Kotzen:
    ZU pathetisch, ZU bildüberfrachtet, zu metrisch durchgegliedert (ich stand mit Jamben auf Kriegsfuß) und für Gedichtinterpretationen (Klassenarbeiten) ZU schwierig.
    Sardismus von Lehrerseite, Quälerei auf Schülerseite: da lobte ich mir doch die einfach daher gehenden Hans-Sachsen-Reime.

    Das Lesen brach ich meist schon nach der ersten Zeile ab.
    Dass Du bis zum Ende durchgehalten hast, finde ich schon bemerkenswert, ich hätte es nicht gekonnt.
    Jezt ganz ohne Ironie.

    ***

    Der Begriff „Bezirk“ kann irre führen und meint weder anatomische Beschreibungen noch einen politisch abgegrenzten Bereich eben ein Bezirk, sondern ist klassisch zu verstehen als „heilige Stätte“:

    […Niedersteigend vom Himmel, die seligen Götter und nehmen in dem geweihten Bezirk
    Festliche Wohnungen ein, Ceres vor allen, bringet des Pfluges Geschenk, Bacchus die Traube, Minerva des Ölbaums grünender Reiser […] aus „Der Spaziergang“ (Friedrich Schiller).

    Insofern betrachte ich das Herz als Sitz der Gefühle durchaus als heilig.

    Wortbedeutungen ändern sich im Laufe der Sprachentwicklung und wenn Hesse vom „Weib“ oder den „geilen Sonnenblumen“ spricht, verschmäht er weder das weibliche Geschlecht noch dichtet er den Pflanzen sexuelle Triebhaftigkeit an.

    >> Die anderen schrieben es bereits, dass er „gewollt poetisch“ wirkt. Nun, ich finde, dass er vollkommen erzwungen klingt …

    Hmmm, letztlich schrieb ich ihn für mich, in meiner damaligen Schriftsprache, im seelischen Ausdrucks meiner jugendlichen Sinnsuche.

    Wie er auf andere wirkt, kann ich schwer beurteilen und war mir im Moment des Schreibaktes auch egal. Ich wollte ehrlich zu mir selber sein, innere Konflikte im Schreibprozess verarbeiten und wählte daher bestimmt auch keine bewusst provozierte Kunstsprache, sondern eine Sprache, die mir Heimat stiftete in einer entfremdeten Welt.
    Gewollt poetisch?
    Die „äußere“ Welt empfand ich damals als künstlich, unecht, lächerlich und teils auch geheuchelt in all ihren Erscheinungsformen (und nicht nur in der Sprache).

    >>Insgesamt kommt die Stimmung, die du wohl aufbauen wolltest, damit absolut nicht bei mir an

    Wie schon gesagt, der ursrpüngliche Adressat war ich damals selbst und mir gefiel der Text, spendete Trost, den mir andere verweigerten und nicht geben konnten.

    Gruß,
    Ralph

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.