Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

17 
 Februar 
 
1996

abgelegt in
Reimgedichte
Schlagwörter

0

 

17/18.02.96, » 23.00 h

Der Berglandschaft üppiger Konturen,
bedeckt mit des weißen Leintuchs‘ Schimmerglanz,
das unbefleckt und ohne Spuren
genäht ward von den Schneekristallen nächtlichen Tanz‘,
erschufen ein strahlend schillerndes Festgewand,
das das Herz mir stahl und die Sinne bannt‘.

Doch lenke nun dein Augenmerk
fernab von diesem bepuderten Zuckerwerk
gen Sternenhimmel schneeflockengeschmückt,
himmlischen Sphären nähergerückt :

Die weiße Flocke, wie sie gleitet,
sanft getragen von dem Wind,
von einem zarten Lüftelein geleitet
hinab zum schönen Erdenkind.

Doch wo läßt er sich nieder, der Schneekristall,
er findet Platz denn überall ?

Auf der Wiese, der Tanne, dem alten Dach,
oder im Walde, am rauschenden Bach?

Gesteh‘ mir leis‘ die holde Stätte,
mit der die Flocke Gefallen hätte!

Sie wär‘ erfüllt mit süßem Dank,
fiel‘ sie auf deine Fensterbank.
Zu schau’n dein Antlitz, das wäre gelind,
dort weht ein kühler, frischer Wind.

Dort isset auch erfüllt die Luft,
gewürzt mit Deinem Rosenduft.

Dann müsst‘ vor Liebe ich zergeh’n,
weil du denn Wärme spendest,
und sie bei mir auch fändest,
und hülfe auch kein Fleh’n,
so möcht‘ ich schmelzen zur Wasserträne,
zur Trauer dem Mädchen, nachdem ich mich sehne.

 
 
21 
 Januar 
 
1996


 

[an B. S. 24.01.1996; original belassen, keine metrische Glättung, geschrieben vom 21. – 24.01.96]

Werter, hochgeschätzter B.!
Nach etlichen Tagen verhüllten Schweigens
möchte ich heute eigens
mit einem Briefchen dich beehr’n.
Dein beharrliches Bemüh’n, mich zu belehr’n,
zu besänftigen und Achtsamkeit Gelehrsamkeit zu lehr’n
trug keine reifen Früchte
doch sei getrost und nicht erbost,
denn einst beim Jüngsten Gerichte,
wird kein Sühneblut gefordert werden,
von dir, dem treulich‘ Weggefährten.

Denn dein erlabendes Wort
wollt‘ richtungsweisend zeigen
wie Friede mir zu eigen
doch warf ich’s achtlos über Bord.
Ermahnende Rede, die die Ohrmuschel erklimmt
damit reuvoll beugend das Kreuze sich krümmt
erstumpft an meines Herzens Härte
trotz Beichtgespräche bei Kaffeekränzchen
zuweilen auch oder in nächtlichen Audienzen
erwähl‘ ich selbst mir die Lebensfährte
und trage auch dafür die Konsequenzen.

Bevor du versuchst, dies Tun zu ergründen
will ich dir’s offenherzig künden:

Der tröstliche Zuspruch vertrauter Brüder,
– der linde Ausdruck beseelter Gemüter –
zu straffen mir geschwächte Glieder,
selbst gepflückter Beifall von anmutigen Schwestern,
lindern nicht, und das sprech‘ ich ohne Lästern,
den Schmerz, der mir im Herzen ruht.

Denn dieser stete Schwank von Ebb‘ und Flut
im Alltagsleben als Schelm verpönt
des Sonnabends aber zum Fürsten gekrönt
ist mir zu kräftezehrend.
Und A.‘ reifes Wort der „Frohen Botschaft“,
die zuweilen im Herzen Raum sich schafft
ist zwar belehrend,
doch aus der Reichtum Fülle, die meinereins begehrt
ist mir die geistlich Kost verwehrt.

Denn das Herz ist verstockt,
die Pforten verriegelt,
mir’s nicht frohlockt,
oh, könnt‘ ich beflügelt
in die Lüfte mich entheben
zum Heilsquell unbeschwertet schweben,
damit ein Tröpfen der Gnade sodann
in dürstenden Herzenskelch mir rinnt
die Seele sogleich Genesung find’t
entlöst die Fesseln vom Bann.

Doch wo liegt diese holde Stätte?
mit der ich wohl Gefallen hätte?

Und da diese Frage mir unbeantwortet bleibt
und schürfend die Seele wundend reibt,
mitsamt den vielen Glaubensfragen,
die mich verzagen, die an mir nagen,
faß‘ ich mich nun ans Herzelein,
und wandle in die Fern‘ allein
muß Trost mir selbst nun spenden
wann wird mein Schicksal sich denn wenden?

Der Leidensweg, wohin er mag auch gehen,
muss ich mit Leidenstränen säen.

 
 
1 
 Januar 
 
1996

abgelegt in
Reimgedichte

 

[Anlässlich des Landeswettbewerbes Deutsche Sprache und Literatur Baden-Württemberg 1996; Original belassen, keine metrische Glättung, trotz oft infantiler Worteinstreu und unreifer Versdichtung, von falscher Zeichensetzung, Genitivmarkierungen und Apostrophierung garnicht erst zu sprechen; aus der Retroperpektive passagenweise echt zum Weinen :-(]

1. Tag:

Wenn die Sonne sich sanft senkt,
den Horizont in weinrot tränkt,
vollendend ihre Himmelsbahn,

der letzte Sonnenstrahl zerfließt,
zerronnener Tag die Nacht begrüßt,
die nun ihr Regiment tritt an,

dann läßt sich am Firmament erspäh’n,
der leuchtende Mond, der ganz souverän,
schwebend steigt zur Himmelsfeste empor,
zur werten Dienerschaft, die Treue im schwor,
welche sind die mannigfalt’gen Sterne,
die lieblich funkeln
im Nachtesdunkeln
gleich Laterne an Laterne.

Ich verweil‘ indes auf dem Brückenbogen,
ein steinernd‘, zerbröstelndes Mauerwerk,
des Friedens beraubt, die Muse entflogen,
verzehrende Trübsal im Herzen ich berg‘.

Oh, könnt‘ ich doch glätten
der Seele Stürmewogen,
und sprengen die Ketten,
die mir die Freiheit entzogen.

Doch andächt’ges Lauschen,
des plätschernden Baches Rauschen,
verhehlt des Alltags Grämerei
Sodann wiegt mich ein süßer Traum,
der sich im Herzen schaffet Raum,
oh, welch‘ wundersame Zauberei:

Die Träufe der Zweige
beschweren zur Neige,
beschirmen mir das Haupt,

sich demütig beugend
und damit mir zeugend,
daß ich zum König werd‘ geglaubt.

Oh, süße Stille, mein Herz erfülle,
an dieser freudgeweihten Stätte hier.
Der Grashalme Reigen, mir Majestät zeigen,
und selbst die Bäume bilden Spalier.

Und ich wandle sinnend fort,
auf belaubten Pfadeswegen,
zum geheimen, düst’ren Ort,
zur alten Bank, abseits gelegen.

Zwar gebricht’s an Zier, der hölzernen Bank,
mangelnd an Prunk, doch Pflanzengerank
wie schlingendes Efeu und haftende Klette,
umweben des Wand’rers Ruhestätte,
der ermattet wankt,
und nach Kräften verlangt.

Gleichfalls verleiht es edlere Züge,
wenn Grüngewächs die Bank umwolkt,
erweckt den Anschein im Gemüte,
daß Flora dem Bänkchen Würde zollt.

Die Würde, die diesem auch gebührt,
zumal es von mir zum Throne gekürt,
auf dem ich uneingeschränkter Herrscher bin,
darf schalten und walten nach meinem Sinn.

Doch plötzlich ein Glockenschlag erschallt,
zerreißt die Stille, das Blut in mir wallt.
Es ist des Abends‘ achte Stunde,
so macht es mir der Kirchturm kunde.

Zeit für mich, nun heimzukehren,
sonst könnt‘ die Nacht mir übles bescheren.
Sollt‘ ich an dieser Stätte länger verweilen,
dann könnt‘ die Nacht mich jäh ereilen.

2. Tag:

Und als der Morgen mir bricht an,
es helle sonnt durchs Zimmerfenster,
so ziehen mich in ihren Bann,
die Sorgengeister und -gespenster.

Erraffend vom Schlafe, in den ich gesunken,
die Glieder ermüdet, die Augen schlaftrunken,
vernehm‘ ich lauschend sanfte Melodien,
die durch die Morgenlüfte ziehen :

Die Vögel zwitschern in lieblichen Reigen,
die Blümlein sich dem Licht[e] zuneigen
Gottes Schöpfung, sie atmet auf,
belebet mir den Tageslauf.

Es brechen sich Bahn, die Sonnenstrahlen,
entrücken die Sorgen, verwerfen die Qualen.
Das Leben in mir neu pulsiert,
die Angst, sie weicht, die Freud‘ triumphiert :

Güld’ner Morgen ist erwacht,
hat Hoffnung mir ins Herz gebracht !!!

Doch diese holden Morgenstimmen,
die eifernd mit das Ohr eklimmen,
sind mir nicht fern, doch hauchend nah,
und diese Bilder, farbenprächtig und mild,
sind auch kein erhaschtes Traumgebild‘,
denn meine Augen nehmen’s gewahr.

Geschöpfter Verdacht, daß ich genächtigt,
im stillen, musenhaften Park,
zeigt sich notorisch als berechtigt,
weil gestern auf der Bank ich lag, …

… und spähte auf zur Himmelsnacht,
ergötzend an der Sternenpracht,
wohlwissend, daß ich säume,
den abendlichen Heimatgang,
ermahnend durch den Glockengang,
wenn ich hier länger träume.

Doch Kraft und Wille, mir entschwand,
schwerer wurden die Augenlder,
schwächer auch die müden Glieder,
sogleich der Schlaf mich übermannt.

Nun denn, so bin ich hier erwacht,
die flutend‘ Sonn‘ ins Antlitz lacht,
und lasse meine Blicke schweifen,
alsbald erspäh‘ ich auf der Wiese,
ein kleines Geblüm, das saftig sprieße,
und läßt ein Herzenwunsch mir reifen:

Oh, wenn ich denn ein Kerzlein wär,
einst erloschen durch Sturmeswind,
so wäre es ein heiß‘ Begehr,
daß du mich entfachst, oh, Blumenkind :

Sodann mein Äuglein dich vernimmt,
lodernd der erloschene Docht aufglimmt,
sich erzeigt im lichten Schein.

Helle flammt das Feuer auf,
belebt erneut den Liebeslauf,
laß‘ das Klagen nunmehr sein.

Denn der Doch, der nun entzündet,
entfachet durch den Liebeshauch,
friedevolle Zeit ankündigt,
gebändigt ist nun Sorg‘ und Rauch.

Rauch, der mir den Blick vernebelt,
Sorg‘. die meine Glieder knebelt,
und mich band in Schmach und Schmerz,
gequält der Geist, betrübt das Herz.

Doch nun muß ich nicht mehr traurig sein,
denn du Edle, Güt’ge, bleibst ja mein.

Trotz alledem muss ich gedenken,
daß ich meines Schrittes‘ Lenken,
nun nach Hause richte.
Doch meine Gedanken weilen hier,
bei der schönen Blumenzier,
flutend umflossen vom Sonnenlichte.

3. Tag:

Nunmehr, der dritte Tag, er ist geboren,
nachdem ich geruht in trautem Bette,
diesmal in der Heimatstätte,
hab‘ ich den gestrigen Orte flugs erkoren,
zum Pilgerziele,
weil er mir gefiele,
da ich meine Sinne dort verloren.

Nachdem ich überquert die alte Brücke,
gemäß des Wanderes Geschicke,
schlag‘ ich ein den traulich Pfad,
weise befolgend des Wegweisers‘ Rat,
und schließlich verharrend am Pflanzengeblüt‘,
welch‘ erquickender Born für mein Gemüt :

Dies Röslein auf der Heide,
ist’s welches ich beneide.
Vom Sonnenlicht so sanft beschienen,
vermag es ewiglich zu grünen.

Der Blumenkelch, welch‘ zierliche Tracht,
die Farbenpracht ins Herz mir lacht,
durchflutet zart mein ganzes Wesen,
dies edle Gewächs, ist wahrlich auserlesen !!!

Trunken von dem Liebestrank,
erfüllt mich mit so holdem Dank,
vor Freude ich mich fast verzehr‘.
Der Blumenkelch ist randgefüllt,
mit Honigsalm, so süß und mild‘,
in dessen Flut ich zu tauchen begehr‘.

Das Blümlein wiegt im Winde sich,
wie schäumende Meereswellen,
die Blätter winken mir gnädiglich,
sollt‘ ich mich dazugesellen ???

Doch ich weiß, daß ich nicht seiner würdig,
ein and’res Geblüm ist ihm ebenbürdig,
ein and’res, das von höherem Gut,
in dessen Blattgrün [ursprünglich: Wangen] feurige Glut.

Verzeih‘, daß ich von niederem Stande,
ich kann nicht prunken mit prächt’gem Gewande,
auch Gut und Gold sind mir verwehrt,
und nur das Dürftigste wurd‘ mir beschert.

Ich bin ein bescheid’nes Schattengewächs,
so ohne Prunk und Farbenklecks,
die Blätter sind verdorrt und karg,
sodaß mein Antlitz ich verbarg,
als Du mir warfst ein Blick entgegen,
ich ward‘ erröttet und verlegen.

Zwar ist meine Liebe rein und klar,
hart gestählt die Treue, fürwahr.

Doch was gilt’s,
wenn Du mir schillst,
Du edles Röslein auf der Heiden ???

Der bitt’re Schmerz,
der umwolken würd‘ mein Herz,
ich könnt‘ ihn nicht erleiden,
wenn Du verlachest mein,
schmachvoller denn des Todes‘ Pein.

Drum fass‘ ich mich ans Herzelein
und wandle in die Fern‘ allein, ( Heimweg !!!)
muß Trost mir selbst nun spenden,

Den Lebenspfad, wohin er mag auch gehen,
muss ich mit Leidestränen säen,
wann wird mein Schicksal sich denn wenden?

Drum strömet, ihr gnadenreichen Perlentränen
aus dem versiegten Herzensborn,
stillt dies Verlangen, erfüllet dies Sehnen
spült hinweg den Schmerzensdorn.

Der Herzensgarten im Dürren liegt,
Gevatter Tod sich an mich schmiegt.
Die Landschaft gleicht trotz Monat ‚Mai‘
toter, öder Wüstenei.

Ihr Tränen, oh, eilet, oh fließet,
damit dies Gärtchen wird begießet.

Bewässert die Wiesen,
die Blümlein lasst sprießen,

Besprenget mir das Herzensbeet,
Hoffnung wird dann ausgesät.

Benetzt die karge Gartenerde,
aufdaß ein Bäumchen wachsen werde.

Ein Bäumchen, das seine zarten Wurzeln schlägt,
sich dann empor geschwinde regt,
und einmal reife Früchte trägt.

4. Tag:

Nachdem ich mich am vierten Tag,
erneut zur morschen Bank begab,
bewundernd die Naturschauspiele,

die sich hier mannigfaltig böten.
Drum hielt ich es vonnöten,
daß ich erhitzten Geist dort kühle.

Ich vermöcht‘ nicht länger im Zimmerchen zu hocken,
zu sehnsüchtig die Stimmen, die ohn‘ Unterlaß locken.

Da ich zu Haus‘, im stillen Gestübe,
ergriffen ward‘ vom Arbeitstriebe,
erhöhter Blutdruck, zermattertes Gehirn,
Schweißesperlen auf temperierter Stirn,
ließen den Schaffensdrang mir schwinden,
entledigte mich des Joches‘ Last,
rennend zugleich in eilender Hast,
um mich im Parke einzufinden.

So bin ich berauscht von Naturesklängen,
die schwirrend in der Luft hier hängen,
ein herzergreifendes Harfenspiel,
so wie es mein Gemüt begehrt,
ist dies‘ zwitschernd Vogelkonzert,
ein trautes, schmelzendes Gefühl.

Mein entflammtes Wesen erlauschet stumm,
auf der kommoden Parkbank sitzend,
als nobler Logensitz nützend,
und applaudierendes Publikum,
wie webende Wipfel und wiegendes Gräserheer,
leiht gleichfalls dem Sonett sein Kunstgehör.

Sodann mit diesem behaglichen Ohrenschmaus,
klingt sinnlich der vierte Tag nun aus.

5. Tag:

Am freitaglichen Morgenwecken,
durch das schellende Glockengeläut,
nach dem gähnenden Gliederrecken,
drängt’s mich wiederum erneut,

zur holden, vertrauten Musenstätte,
rennend mit der Schwalbe um die Wette.

Entkräftet im Ziele eingelaufen,
formt sich die Parkbank zur einladenden Wiege
in welche der Sprinter erschöpfend sich schmiege,
um dann ein wenig zu verschnaufen.

Da erspäh‘ ich – noch müd‘ und matt,
auf einer Baumeskrone rotbräunendes Blatt,
loslösend von einem nackten Ast,
sogleich von einem Lüftelein erfaßt,
und sich im Fluge stetig wendend, dienstlich dabei mir Schatten spendend,
manch‘ rauhen Windstoß kühn zu bestreiten,
um schließlich zu landen und auszugleiten [wohl eher umgekehrt :-(]

Oh, ist er nicht erlabend, dieser Ort,
abgeneigt vom menschlichen Treiben,
ich vermag’s nicht zu kleiden,
in ein gebührendes Wort.

Denn der tröstliche Zuspruch vertrauter Brüder,
der linde Ausdruck beseelter Gemüter,
zu straffen mir geschwächte Glieder,

selbst gepflückter Beifall von anmutigen Schwestern,
geflochten zum duftenden Blumenkranz,
als Schmuckwerk für des Hauptes Glanz,
lindern nicht, und das sprech‘ ich ohne Lästern,
den Schmerz, der mir im Herzen ruht.

Denn dieser stete Schwank von Ebb‘ und Flut
im Alltagsleben als Schelm verpönt,
zuweilen aber zum Fürsten gekrönt,
des Nachts bitt’re Kälte, des Tags sengende Glut,
ist mir zu kräftezehrend,
und langfristig sogar verheerend.

Aber hier, am labenden Ruhequell,
ein Tröpfchen Gnade für meine Seel‘,
versuch‘ ich Seelenfried‘ zu finden,
und auch mein Darsein zu ergründen.

6. Tag:

Zur frühen Stund‘ am sechsten Tag,
zog’s mich erneut zum Musenpark,
im Herzen wohnend insgeheim,
den Wunsch, ein Schneeflöckchen zu sein:

Die weiße Flocke, wie sie gleitet,
sanft getragen von dem Wind,
von einem Lüftelein geleitet,
hinab zum schönen Blumenkind.

Doch wo lässt er sich nieder, der Schneekristall,
er findet Platz denn überall ???

Auf der Wiese, der Tanne, dem alten Dach,
oder im Walde, am rauschenden Bach ???
Gesteh‘ mir leis‘ die holde Stätte,
mit der die Flocke Gefallen hätte !!!

Sie wär‘ erfüllt mit süßem Dank,
fiele sie neben das Rosengerank,
zu schau’n die Blüte, das wäre gelinde.
Dort isset auch erfüllt die Luft,
gewürzt mit mildem Rosenduft.

……………..
Dann müßt‘ vor Liebe ich zergeh’n,
weil du denn Wärme spendest,
und sie bei mir auch fändest,
und hülfe auch kein Fleh’n,
so möcht‘ ich schmelzen zur Wasserträne,
zur Trauer dem Mädchen, nachdem ich mich sehne.

6. Tag:

Als die Nacht vor dem Sonntag flieht,
mich es mächtiglich wieder zur Blume zieht.

Oh, du Röslein auf der lichten Aue,
was flüstert mein Herz, wenn ich dich schaue :

„Diese güld’ne, zierliche Pracht,
ist einer Prinzessin würdigen Tracht !
Oder ist es nur ein Trugbild,
das der Wirklichkeit garnicht gilt ???
Was strahlt sie aus, was spiegelt sie,
ein Streiche meiner Phantasie ???

Doch was stehe ich hier abseits gelegen,
auf des sicheren Pfadeswegen ?
Zumal die Sommerglut hat mich erdrückt,
da die Mittagsstund‘ ist nähergerückt !

Zu entrinnen der Tagesschwüle,
möcht‘ ich mich flüchten in die Schattenkühle,
zur rankenden Ros‘,
umworben von Moos,
dies wäre mir ein freudig‘ Los.

Ich möchte weilen an diesem Orte,
zu lauschen der rauschenden Blätter Worte.

Doch was ist mir heut‘ schmerzlich erwiesen,
dort drüben auf der grünen Wiesen :

Welke Blätter und Farbenblässe,
flehen dürstend nach der Nässe,
welche entfleuchte dem zarten Geblüm.

Schwaches Winseln nach Lebenswasser,
macht das Blumengewand nur noch blasser,
vergebens also sich abzumüh’n.

Möge Dein Leben jetzt ausklingen,
wie eine schöne Melodie,
vermag ich es nicht, Dich dem Tod abzuringen,
so zwingt der Schmerz mich in die Knie.

Du fährst hinab,
ins Erdengrab,
fern ab von mir,
oh, Blumenzier.

Wenn vor Mitleid mir nun die Wangen erglüh’n,
Tränenbäche über mein Antlitz ziehn,
so will im Herzen ich dich bewahren,
und im Innersten mich erfreu’n,
ebenso auch die Mühe nicht scheu’n,
ein Steindenkmal dir aufzubahren.