Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

2 
 Januar 
 
2008


 

Gerade in meinem momentanen Studiengang beläuft sich der Frauenanteil auf über 85%, so dass männliche Minderheiten dort durchaus als Exoten in der Studierlandschaft betrachtet werden können.
Oft komme ich mir aber wie Unkraut in einem Gemüsengarten vor.

Zwangsläufig, rein organisatorisch, ergibt sich hier und da oft eine Zusammenarbeit mit dem weiblichen Überhang, sei es in gemeinsam vorbereiteten Referaten, Gruppenarbeiten, Tagespraktika etc.
Ich verfolge diese arbeitstechnische Kooperation mit reinem Arbeitswillen und hege, auch nicht im Tiefsten meiner abgründigen Seele „Fortpflanzungsbegehren“.
Ja, es gibt auch Männer, die denken mit dem Kopf und nicht nur mit der Leistengegend.
Soll ich mir ein T-Shirt drucken lassen mit der Aufschrift „Ich boykottiere den Auftrag der Natur. Ich bin litera-phil „?

Löst sich dann nach der bewältigten Arbeitsphase die Gruppe wieder auf, so erkennen mich die ehemaligen „MitstreiterInnen“ meist nicht mehr auf den Gangfluren oder in anderen Seminaren.
Ein bescheidenes Lächeln wäre Lohn für mich genug!

Und es sind angehende Pädagogen, die eben nicht die elementaren sozialen Umgangsformen beherrschen, das kleine Ein-Mal-Eins des menschlichen Miteinanders (von der höheren Algebra ganz zu schweigen).

Wenn zwei Spatzen auf einer Hochspannungsleitung nebeneinader sitzen, so nehmen sich diese doch wenigstens durch kurzen Blickkontakt wahr, ohne gleich niederen Instinkten nachzugehn.
Gott hätte gut daran getan, viele Menschen mit Spatzenhirnen auszustatten, zumindest was die Wechselwirkung zum sozialen Umgang anbetrifft.

Grüßen ist übrigens auch unter dem Energiekostenpunkt durchaus ökonomischer.
Wendet sich der Blick denn nicht grundsätzlich zu etwas Bekanntem hin, genießen Objekte mit hohem „Wiedererkennungsfaktor“ gleichfalls unsere erhöhte Aufmerksamkeit?
Muss man daher nicht mehr Energie aufbringen, einer natürlichen Kopf-Hin-Bewegung unter Muskelkraft entgegenzuwirken als bei einer einfachen Muskelerschlaffung der Nackenmuskulator, die ein Senken des Kopfes bewirkt und als allgemeine Begrüßungsformel vom Gegenüber gewertet werden kann?

Aber ich rege mich nicht mehr über die Menschen auf und dem inflationären Verlust der mühsam anerzogenen Verhaltensregeln.
Ich mach‘ mein Ding und ziehe es durch, so Gott will und ich es noch erlebe.

 
 
28 
 Dezember 
 
2007


 

Nach mehrmaliger Umarbeitung/Glättung liegt nun mein kleines Theaterstück „Die göttliche Audienz“ vor.

Das Theaterstück kann im PDF-Format hier heruntergeladen werden.

 

Zum Inhalt:

Helios, der Sonnengott, hat es wieder einmal vermasselt.
Die dürstenden Rosse seines Sonnenwagens rasteten zu lange an einer Gebirgsquelle.
Dadurch hinkte sein Pferdegespann dem Zeitplan hinterher und Helios konnte innerhalb seines Tagesritts nicht alle Gegenden bescheinen.

Die Folgen waren verheerend: Ernteausfall im Pflanzenreich.
Empört legt der Apfelbaum, Gesandter des Pflanzenreichs, bei Zeus Beschwerde ein und erfleht mehr Sonnenschein.

Indes ist auch der Löwe, Regent der Savannen, missgestimmt:
Durch das Rasten der Sonnenpferde an eben dieser Quelle ward das umliegende Land der prallen Sonne ausgesetzt und rief eine Dürre hervor.
Der Löwe ersehnt sich daher für sein Volk schattiges Gefilde und lindernden Regenguss aus Himmelshöhn.

Widerstreit entflammt.
Zeus muss schlichten, er muss die Parteien besänftigen, will er den Frieden auf Erden wahren.

Wenn da nicht auch der Landsmann mit seinem Anliegen noch wäre…



 

 
 
27 
 Dezember 
 
2007

abgelegt in
Schubert, Franz

 

Mal was Außerliterarisches:

Nette Location, coole Ahnengalerie, schmachtender Sound:
ein Franz-Schubert-Phantast in seinem Reich des liebsäuselnden Klanges (Piano Sonata D. 960).

Das ursprüngliche Video wurde leider vom Benutzer entfernt, welches in einer Festhalle aufgenommen wurde.