Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

30 
 Juni 
 
1998

abgelegt in
Reimgedichte | Vertonungen

 



 
Entrücket
von der Welten wirrem Lärmen,
beglücket
in des Dichter’s selgem Schwärmen
durchbricht
entflammtes Geisteslicht
der Weltennacht Dunkel,
gleich Sternengefunkel,
erpicht
die frost’gen Gemüter zu erwärmen
zu neuem Freudentaumel aufzuraffen,
die rost’gen Glieder indes erschlaffen
im Sumpf
der nüchternen Wirklichkeit.Und stumpf
ertönt der Lyrik‘ Klinge,
entzaubert ihrer süßen Schärfe
gleich dem matten Flügelschlag einer Engelsschwinge
oh, Seele, mir schaudert,
verwerfe
doch
dein fühlend Mitleid.

Poch‘
nicht an ihre Herzenstür,
zerstreue nicht die Perlenzier,
die Treue der Lyrik allein nach Gebühr!

 
 
23 
 Januar 
 
1998


 

Briefkonzept an T. A., Offenau

Meinen zarten Wink, Dir Holdgeburt !!!

Müßig schleppend zieh‘ ich meine Lebensfurt
geebnet mit dem harten Jugendpflaster,
Liebeskummer und dem Heer vertrauter Laster.

Dem Heer der Pein kann ich nicht wehren
droht mich gänzlich zu verzehren, …

Drum weicht,
ihr totgeglaubten Sorgengeister,
zerfleischt
stattdess‘ doch meinen Seelenfrust,
der wohlgenährt um vieles feister
nach Fürstenart mit Herzenslust.

Schöpft aus dem Topf vom Alltagsbrei
schwelgt in üppiger Mästerei
zelebriert den Freudenschmaus mit Reigen
all‘ dies sei euer, sei euch zu eigen.

Nur eine Hoffart sollt‘ ihr meiden,
laßt meine Seel‘ in Frieden weiden
auf den saft’gen, grünen Heiden …

P.S.: Vergiß das oben Hingekritzelte, es beschreibt nicht annähernd meinen Zustand. Ich zapple in einem Meer von … , ja von was denn, … weiß der Geier !!!

 
 
1 
 Januar 
 
1998

abgelegt in
Reimgedichte | Vertonungen

 

Mein dumpfer Augenschein war lichter schon entflammt …
die rauhen Wimpernhaare geschmeidiger denn Königssamt.

Wo einstens Freudenfeuer,
drängt Trübsalsglut zu schwelen
und aus schillernder Prunkfassade
mit kunstgeschnitzter Maskerade
starrt totes Froschgeäuge steif
und quell aus meinen Augenhöhlen,
denen stets ein Rosenblick erblühte.

Des Erdenwandels kurzer Streif
wiegt schwer an Pfund auf zartgesponnenem Gemüte,
stillt nicht das innewohnende Sehnen,
und rein vom schändlichen Verlangen
besiegeln es die laut’ren Tränen
bächefließend über heißerglühte Wangen.

Weltleidergriffen
ins Herz geschliffen
dröhnen mit bleigenährter Trauerschwere
die ewighallenden Jammerchöre.

Vielleicht erlausch‘ ich in der Steppe gähnender Leere
schauernd voller Unbehagen
den bebenden Donner anrückender Streiteswagen?

Vielleicht erspäh‘ ich sich türmende Feindesheere
mit bangem Gemüt und angstgeschürt
wo bloße Einöde mir entgegen stiert?