Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

1 
 Januar 
 
1995

abgelegt in
Reimgedichte

 

[1995?]
Einen Gruß meinem Gewitterwölkchen

Verzeih,
dass haschend nach dem Schreibgeräte
verschüchtert zu dem Federkiele ich gegriffen,
anstatt in kühner Ritterrede
mit Wortjuwelen kunstvoll geschliffen
die Botschaft, vorbei an kant’gen Felsenriffen
in den Herzenshafen Dir zu schiffen …

Doch künde mir:
Wie sollt‘ ich’s sonst denn halten,
gegeiselt von hemmenden Gewalten?

Fürwahr, jeder strahlende Sonnenblick,
Deines Antlitzes blumiges Geschmück,
bringt meiner Verzagtheit Gletscherfelsen,
tröpfchenweise erlösend zum Schmelzen.

Doch zuweilen verfinstert sich Dein Augenglanz,
durch aufziehender Wolken grauen Gewands,
und dieses drohende Wolkenmeer
erscheint mir wie ein Feindesheer,
schwärzlicher Engelsgestalten,
am Himmelsgewölb, dem zorngeballten.

Entschwunden ist das funkelnde Blinken,
Deiner Augen sanftes Loderwerk,
lässt tapf’ren Heldenmut mir schändlich sinken
degradieret mich zum stummen Zwerg.

Die Lippen beben, lassen mich erschüttern,
furchteinflößend ahnend wittern,
dass dem zitterndem Herzen entsprungene Gedanken
beflügelt durch der Seele Hauch,
belebt zum Mund empor sich ranken,
doch vergehen wie Schall und Rauch.

Denn hilflos sie sich schnell verfangen,
in der Scheuheit krallender Pranken,
sogleich gerät der Redefluß ins Wanken,
und ich Ärmster muß arg bangen.

Die Sprache, sie stockt,
die Zung‘ ist gelähmt,
mir’s nicht frohlockt,
dass sie sich jeglichen Lautes grämt.

Drum Federhalter, husch‘ übers Papier,
sollst‘ nicht verweilen,
fass‘ die Gefühle in liebliche Zeilen,
und beichte meiner Augenzier,
wie es ist um mich bestellt
in trostloser Gedankenwelt:

Deiner Augen flutender Schein,
sät ins Herz mir zweifelnde Pein!

Nun, trotz aller Furcht, will ich es wagen,
und dich ganz unverblümet fragen,
ob Deines Blickes lieblicher Natur,
desöfteren sich mit meinem schneidet,
als ob er graset, auf mir sich weidet,
meinem stillen Wesen zollt Bravour?

Ist’s ein zarter Wink, vielleicht ein Liebesschwur,
oder ist von wahrer Liebe keine Spur?
Drum, bitt‘ ich Dich, mir’s zu künden,
wie ist diese Geste zu ergründen?

Die Zeit, sie eilet,
der Zweifel verweilet
im Herzen mir.

Dein Mund, er schweiget,
die Antwort verweilet,
ich fast die Hoffnung nun verlier‘.

Drum laß die Feder schwingen,
einen linden Brief gelingen,
die Antwort sanft durchdringen,
sonst könnt‘ die Not mich gar verschlingen…

 
 
1 
 Januar 
 


 


Ursprünglicher Titel
Die hohe Kunst der männlichen Kriegsführung [1995]

In dieser vorliegenden Fassung habe ich mich damals sprachlich ausgetobt, auch wenn ich aus heutiger Sicht vieles kitschig erachte.
Da der Web-Blog aber Tagebuch-Charakter hat, möchte ich diesen Text auch hier belassen, da selbst miserable Tagebucheinträge niemals herausgerissen werden.
Sie signalisieren Entwicklungsstufen. Es gibt keine Fehler, sondern nur Indikatoren für den Entwicklungsstand (des Lernpotentials).

  Die liebschallende Kunst der schmeichelnden Rede  

Anno 1996

  

( Klappentext )



Dieses praxiserprobte „Kochbuch“ ist eine Fundgrube für abgemagerte, hungerleidende, männliche Singles, die mit der Küchenkunst in Sachen Liebe nicht so sehr vertraut sind und es satt haben, ihr „eigenes Süppchen“ zu kochen.

Es enthält reichhaltige, vollwertige und ausgewogene Erfolgsrezepte, die das eigene, unappetliche Ich schmackhaft würzen
und somit selbst für gaumenverwöhnte Frauen unwiderstehlich macht.

Der Ratgeber wendet sich zunächst der üppigen, weitgefächerten Feinschmeckerpalette zu und widmet sich anschließend
den unterschiedlichen Vorlieben dieser wählerischen Frauengruppierungen, um sich dann selbst als bisher schüchterner Traumtänzer auf dem silbernen Tablett wohlmundend zu servieren und sogleich im Sturm das in Wallung geratene, erhitzte, halbdurchgebratene Herz seiner Ausersehnten lüstern zu verspeisen – denn Liebe ist ja bekanntlich nehmen und geben.

Doch dieses wechselseitige Verzehren bedarf eines gezielten Aufwärmprogrammes zwecks Vorbeugung eintretener, zwischenmenschlicher
Verkrampfungen, das dem Leser in diesem Buch nach der bewährten step-by-step Methode nahegebracht werden soll.


  


Vorwort



Das mißglückte Seemanöver vereinsamter Matrosen

Die weiblichen Zartgemüter


Der Lernwütige



Der Unternehmungsmuffel



Der Musikus



Das Mauerblümchen



Der Mondschein-Schwärmer



Der Grünkern-Vertilger



Der Fossilius



Der Workaholiker



Der Ökoianer

Schlußwort


Die Kompostierung durchlebter Enttäuschungen



  Vorwort  


Wes Jünglingsherz ist sie nicht vertraut, jene mißliche Seelenlage :

Da treibt man schon jahrzehntelang auf seinem selbstverschnürten,
halb heruntergekommenen Floß unter größtem Kräfteverzehr
auf den schaukelnden Wogen des endlosen Meeres der Sehnsüchte und
sichtet vergebens nach auftauchendem weiblichen Land am Horizont.

Die niederschmetternden, versengenden Sonnenstrahlen
rösten gnadenlos die noch verbliebene Gehirnmasse und lassen einen
sanft ins Jenseits hinübergleiten….

Doch da steigen urplötzlich wohlbekannte Düfte
in das ausgedörrte Riechorgan und frischen den verzagten Geist wieder auf.

Und diese holden Möwenstimmen, die eifernd ihm
das Ohr erglimmen, sind gar nicht fern, mehr hauchend nah.

Gleich dieser grünenden Landschaftsmilde nimmer
ein erhaschtes Traumgebilde, die feuchten Augen nehmen’s gewahr.

Angespornt durch diesen Hoffnungsstrahl in der geistigen
Umnachtung, dem Windhauch seiner Gedankenflaute, rafft man
seine müden Glieder mittels Mobilisierung seiner
letzten Energiereserven wieder auf, hießt unter Aufopferung seines
einzigen Hemdes das Segel, um schließlich zielsicher
das erblickte Objekt anzusteuern.

Doch anstatt wider allen gesetzten Erwartungen ungeschoren
in den Hafen der Liebe einzulaufen,

….. zieht plötzlich ein graues
Wolkenmeer landeinwärts ganz geschwind, verfinstert den Blick zum
Herzensbegehr, die Blütenträume nun verwelket sind ……

erleidet man am Kap der Guten Hoffnung vorprogrammierten Schiffbruch,
klammert sich an den übriggebliebenen Rest seines zerschellten
Selbstbewußtsei….. äh….Floßes
und wird andererorts zermürbt an den Strand der nüchternen Realität
gespült.

Und diese tieftragische Begebenheit ist kein Einzelfall !

Die Ozeane sind geradezu überschwemmt von Treibhölzern
einst gestandener jünger Männer, die jeglicher Gefahr stirnbietend
trotzten, bevor ein Orkan weiblicher Intrige diese seetüchtigen Fregatten
zu jammervollen, kläglichen Wracks umrenovierte.

Doch diese witterungsbedingten Risikofaktoren lassen sich
mit einer maßgeschneiderten Ausrüstung auf ein minimales Restrisiko
drastisch reduzieren und zwar mit Hilfe des vorliegenden Ratgebers, der kompaßähnlich
orientierungslosen männlichen Seevagabunden den Weg zu einem jeglichen
Frauenherz aufzeigen möchte.

Dieser Ratgeber richtet sich in erster Linie an die Charakterisierung
unterschiedlicher weiblicher Inselgruppen, die in ihrem landschaftlichen
Gepräge eine weitgefächerte Bandbreite aufweisen und deshalb
in der Prospektion ( Erkundung ) verschiedener Vorgehensweisen bedürfen.

Andererseits weist dieser „Guide“ auch auf gewisse Gefahren
hin, wie z.B. gefährliche Riffe, Stromschnellen, Haigebiete usw.,
die hohe Anforderungen an die Navigation des eroberungswütigen Steuermanns
stellen und natürlich bei der Anvisierung des Festlandes von existenzieller
Bedeutung sind.

Daher gliedern sich die vorliegenden „Landkarten“ bei jedem Inseltyp
in 3 überschaubare Erkundungsetappen :

1. Katalogisierung des betreffenden Inseltyps anhand prägnanter
Erscheinungsformen

2. Warnung vor Eigentoren und anderen spezifischen Stolperfallen

3. Skizzierung einer „Schatzkarte“, d.h. eines typengerecht
individuell zugeschnittenen Briefes oder einer anderen angebrachten Seelenoffenbarung,
der einem todsicher den Königsweg zum Herzen seiner Angebeteten leuchtet,
um anschließend den Herzensthron unter Posaunenschall majestätisch zu besteigen


  Der Lernwütige  

Geistige Klimmzüge, marathonmäßiges Gehirnjogging, kreislaufstimulierende,
mentale Dehnungsübungen oder andere akrobatische Verrenkungen sind
für diesen intellektuellen überwiegend nachtaktiven Goliath das
tägliche Brot und fast so natürlich wie das lebenserhaltende
Atmen selbst.

Das harmonische, reibungslose Wechselspiel seiner beiden
gut gekühlten Gehirnhälften lassen ihn das geistige Potential
voll ausschöpfen und verleihen ihm einen Hauch von computergearteter
Geschwindigkeit, was sich in seinen turbulenten, rekursiven Denkprozessen
niederschlägt.

Seine dominierenden Eigenschaften

* legt höchsten Wert auf sein gepflegtes Äußeres,
da das äußerliche Gewand stets ein Spiegelbild der inneren Ordnung
darstellt und damit symbolisch seine seelisch ausgeglichene, charakterstarke Persönlichkeit
zum Ausdruck bringt

* die eiserne, gestählte Geistesgegenwärtigkeit
während des Unterrichts schmilzt selbst nicht bei heißglühenden
Blicken männlicher Beutefänger

* unterdrückt aus fairem Teamgeist seinen hochaktiven
Vulkanismus überströmender Lernbegierde, um durch übersprudelnde
Unterrichtsbeteiligung geistig unterbemittelte Klassenkameraden nicht im
Lavastrom der Geistesergüsse vor Neid erstarren zu lassen

* Bibliotheken sind für ihn kräftetankende
Musestätten, weil in diesen stillen, einsamen Hallen der lästige,
lärmende Besucherstrom auf eine auserlesene, intellektuell harmonierende Schar eingedämmt wird und so
im Kreise erlauchter, gleichgesinnter Geistesgrößen eine vereinigende
Seelenverwandtschaft erreicht wird

Selbst bei berauschenden, einladenden Frühlingsklängen,
die schwirrend in den Lüften hängen, kann diesen ehrgeizbefallenen,
hyperaktiven Leistungsgegeißelten nichts aus seiner Reserve locken,
denn dieser muß brav in seinem Studierzimmerchen hocken.

Er versenkt sich derorts meditativ in seine schweißgetränkten
Bücher, um sich brütenderweise unersättlich Wissen anzuhäufen,
das er später im harten Berufsalltag zu verwerten erhofft.

Diesem immerleuchtenden Glühwürmchen im 24-Stunden-Betrieb
mit innerlicher Unrast sollte man im umweltfreundlichen Schonwaschgang
beibringen, daß übereiferndes Karrierestreben eine Wucherung
ungesunden Ehrgeizes und damit erstes Symptom für den einhergehenden
Wertezerfall ist.

Trotzdem sollte man bei diesem bevorzugten Waschprogramm
keineswegs den Weichspüler vergessen, der harte, bleierne Vorwürfe
softig weich erscheinen läßt, wodurch natürlich auch der
seeliche Reinigungsgrad drastisch erhöht wird.

Selbst hartnäckige Flecken und Schattierungen im
Gemüte verlieren ihren Schrecken und weichen einer blütenweißen,
verblüffend unterkieferhängenden Sauberkeit.

Selbstverständlich bedarf ein jegliches Seelengewand
individuelle Handhabung bei der oben erwähnten Prozedur ( eine schweißtriefende,
gestankverbreitende bis in die tiefsten Poren schmutzdurchzogene Wollsocke
benötigt z.B. im Gegensatz zum seidenen, luftdurchläßigen
Schleier mehrere Waschanläufe, um den gleichen Reinigungs-Effekt zu
erzielen ).

Ein erfolgsversprechender Waschvorgang mit wohldosiertem
Waschmittel könnte folgende Umdrehungszahl mit sich bringen – in Form eines
im Unterricht zugesteckten Briefchens :

SOS an eine mich hörende Funkstation !

Momentan sitze ich in der Deutschstunde (die ultimativste
Form des menschlichen Wahnsinns): Absolut tödlich !

Während in den hinteren, billigen Plätzen sich
ein allgemeines Gemurmel (toleranter Geräuschpegel) breit macht, nimmt
Timo in der ersten Reihe eine nach vorne gebeugte Sitzhaltung ein, das
Haupt erschlaffend auf die Tischplatte gesenkt, jegliche Körperbewegung
scheuend …… : keineswegs Ausdruck höchster Konzentration.

Ein nichtsahnender Außenstehender könnte diese nicht gerade imposante, unästhetische Körpergebärde als
Schlaf interpretieren.

Doch kann man dieser Ansicht im Brustton der Überzeugung beipflichten ?

Nun, diese Frage muß ich mit einem eindeutigen „Jein“ beantworten, denn man sollte auch die äußeren Umstände erwägen.

Ich als Insider würde nämlich sagen, wenn ich
es sagen dürfte, und wenn ich es nicht sagen darf, sage ich es trotzdem,
weil ich mir einfach die Freiheit dazu nehme, daß die Unterrichtsstunde
alles andere ist als einströmende Wissensvermittlung gepaart mit pädagogischen
Werten, sondern eher einem Kriegsschauplatz gleicht.

Das unrastende Sprachorgan des Lehrers entlarvt sich als
Maschinengewehr, das unermüdlich uns wehrlose Schüler mit Fachausdrücken
befeuert – ganz zu schweigen von dem wütenden Fremdwörterbombardement.

Die Anordnung der Schultische sieht übrigens verdächtig
nach der Formation von Schützengräben aus, hinter denen sich
die ängstlichen Schüler instinktiv verschanzen.

Daher liegt doch auch die Vermutung nahe, daß mein
Kriegs…..äh…..Klassenkamerad aus der ersten Reihe – der Front
sozusagen – durchaus kein schläfriges Erscheinungsbild an den Tag legt, sondern vielmehr eine defensive, vom Selbsterhaltungstrieb
befohlene Körperstellung einnimmt.

Welcher Soldat streckt denn auch bei bleihaltiger Luft seinen Kopf in die Höhe und bietet sich als Zielscheibe an ?

Und da ich ebenso keineswegs Rambo spielen möchte, nehme ich eine ebenfalls passive Haltung zum Unterrichtsgeschehen ein –
aus Glaubens- und Gewissensgünden sozusagen (BGB § 4,33).

Ich bin ja schließlich überzeugter Pazifist.

Doch nun muß ich schließen, denn der Feind rückt unaufhaltsam näher

Ich hoffe inbrünstig, daß Dich diese Zeilen erreichen

Grüß‘ mir die Heimat !


  Der Unternehmungsmuffel  

Diese tageslichtscheue, konturenlose Erscheinungsform in der weiblichen Landschaft meidet bewußt
allzustarken Kontakt mit seinen gegenpoligen Artgenossen und verkrümelt
sich vorzugsweise in seinen vier Wänden abgeschottet von jeglichem
hektischen, menschlichen Treiben auf der Suche nach seinem verschollenen
Selbstwertgefühl.

Durch diesen erschreckenden Rückzug aus dem öffentlichen
Leben fällt es eifrigen Verhaltensforschern zunehmend schwer, diesen
Einsiedlerkrebs unter die Lupe zu zerren zwecks Erkundung bestehender Verhaltensmuster.

Daher sind vorliegenden Charakterzüge nur hypothetisch zu beäugen :

* schlägt heimische Wurzeln im eigenen vertrauten Stübchen,
sodaß selbst der allmorgentliche Gang zum Briefkasten zur Odyssee wird

* lebt in friedlicher Koexistenz mit Asseln, Ohrenkneifern,
behaarten Spinnen und anderen hausierenden, obdachgewährenden, vielfüßigen
Hausgesellen

* steht nicht nur auf dem gesellschaftlichen Abstellgleis
dank seines Schneckenhauses-way-of-life, sondern auch die berufliche Weichenstellung
ist aufgrund seiner No-Future-Perspektive sanierungsunfähig verrostet

Um dieser abenteuergesättigten, partyüberdrüssigen
Schlaftablette eine auflebende Dynamik einzutrichtern, genügen oft
schon zärtliche Worte der inbrünstigen Zuwendung, da in diesem
skurilen Typ Frau der ungestillte Unternehmungsgeist schlummert, den man
mit weckenden Streicheleinheiten aus dem Tiefschlaf reißt.

Denn diese eingeschlafenen One-Person-Partys in der eigenen,
vermieften Versenkung sind alles andere als lebenserfüllend
und haben einen müden Satisfaction-Grad, der unterhalb der Zimmertemperatur
angesiedelt ist.

Was dieser eingefleischte Eigenbrötler braucht, sind herausfordernde Luftveränderungen, die seine eingerosteten Gliedmaßen
wieder auf Vordermann bringen und ihn empfänglich für seine Umwelt machen.

Dieses notwendige Aufbauprogramm muß nicht unbedingt
in einen verschärften Survival-Abenteuerurlaub münden, bei dem
man sich bis auf die Rippen abgemagert mittels Kompaß nächtens
durch sumpfiges Waldgebiet peilt, um seine niederen Instinkte ( Nahrungsaufnahme
) zu stillen, sondern dieses empfohlene Fitneßtraining kann sich
durchaus auch in gemäßigte, sich steigernde Leibesübungen
ergießen, die lediglich der körperlichen Ertüchtigung Beitrag
zollen.

Die dabei sich auftürmenden Probleme physischer
Belastung können natürlich unter dem Vorwand der Nächstenliebe
zu eigenen Gunsten ( !!! ) gemeinschaftlich bewältigt werden, denn
geteiltes Leid ist ja bekanntlich nur halbes Leid.

Ein derartiges unwiderstehliches Einladungsschreiben für
diesen fanatischen Müßiggänger könnte folgenden Charakter
haben :

Hallöchen Rosti !!

Betreff : Sinnvolle Freizeitgestaltung gepaart
mit zukunftsträchtiger Erfahrungs-Bereicherung

Wir vom weltweit unbekannten INFÜFRFO ( Institut
für Freizeitforschung ) haben es uns zur leidvollen Lebensaufgabe
gesetzt, Sprößlingen wie Dir und Deinesgleichen attraktive Freizeitangebote
zu servieren, um in gewissen Dürreperioden unternehmungsariden Klimas
bedingt durch niederschlagsarme Vergnüglichkeit Deinen wüstenähnlichen
Aktivismus zu bewässern.

Denn nun, wo die kräftezehrende Schulzeit zum Wohlwollen
der geplagten Schülerschaft ausklingt, die Sommerpause einläutet und
erdrückende saisonalbedingte Sonnenstrahlen uns blümchenartig
ausdörren lassen, neigen viele biologische Lebensformen der Spezies Mensch
zu überspannten Unter-
nehmungen, die in höchstem Grade
gesundheitsschädigend sind und entwicklungshemmend auf das jeweilige
Individuum Einfluß nehmen.

Aus diesem (Unrats-)Pool kontrafördernder Aktivitäten
bizarren Freizeitverhaltens seien nur die überströmten, ausschweifenden
heidnischen Veranstaltungen zu fischen, die in unseren Breitengraden als
„Partys“ weitläufig Bekanntheit genießen, auf denen unter Drogenkonsum,
Alkoholausschank und ohrenabfaulender Blechdosenmusik angedudelte Exoten
mit urschreimäßigem Gebrüll sich so verhalten, als würden
sie sich megastark amüsieren, was sich angeblich in überschäumenden
Gefühlswallungen offenbaren soll.

Deshalb möchten wir vom INFÜFRFO als eiserne
Verfechter normgerechter, moralisch vertretbarer, elternkonformer freizeitlicher
Formgebung verirrten, orientierungslosen, abgedrifteten Schafen wieder
auf den Pfad einer erbaulichen, dynamischen Freizeitgestaltung führen
und bei Ermangelung kettensprengender Widerstandskräfte dem verlorenen
Lamm richtungsweisend den Weg leuchten.

Aus diesem besagten Grunde haben wir Dir, cremiges Sahnehäubchen,
einen duftenden, blühenden, bunten Blumenstrauß reichhaltiger
Belustigungen gepflückt – individuell auf Deine Interessen zugeschnitten
und Deinem geistigen Niveau angeglichen – in freudiger Erwartung, daß
wir damit ein wenig Licht in Dein klägliches Schattendarsein werfen
und der schillernde, hoffnungsverheißende Regenbogen berauschender
Sinnlichkeit sich über Deinem grauen Alltag spannt.

Der kalkulierte Eigenanteil für die Beiwohnung des
beigefügten Seelenschmauses von lese und staune DM 10,– ist wirklich
mehr als geschenkt, sodaß wir lediglich noch das schriftliche Einverständnis
Deines Vaters begehren, um Dir mit diesem pikant, gewürztem Büfett
eine genußvolle, unvergeßliche Ferienzeit einzuhauchen und
Deinen faden Alltagsbrei Deinem Gusto entsprechend zu versüßen.

Mit freundlichen Grüßen


  Der Musicus  

Diese virtuose Gattung Mensch läßt sich aufgrund ihrer überschwenglichen Facettenbreite
unleicht in ein einheitliches Schema rücken, da sich im Laufe der Menschheitsgeschichte mannigfaltige Erscheinungsformen entwickelt haben,
die sich zunehmend vom klassischen Typus lösten, um anderen Entfaltungsmöglichkeiten nachzueifern.

Doch die chemischreine Urform zeichnet sich durch folgende charakteristische Wesenszüge aus :

* unermüdliches Bestreben innerhalb einer Beziehung
die erste Geige zu spielen und dabei häufig ad. lib. den Bogen bis
zur äußersten Schmerzenssgrenze des Partners zu überspannen

* singt ein Loblied auf den harmonischen Dreiklang ( Vater, Mutter, 1 Kind ) als positiver Beitrag zur Überbevölkerung unseres blauen Planeten

* greift hin und wieder bei sittlichen Verirrungen des Partners zur moralischen Standpauke, um vorherrschende Wucherungen aufbegehrenden Verhaltens auszumerzen und die Beziehung wieder in einen disharmonischen Einklang zu dirigieren

* weigert sich prinzipiell bei kulturellen Veranstaltungen in das Horn der Allgemeinheit zu blasen und tanzt daher traditionell aus der Reihe, um im eingeübten Solopart sich vor der Hörerschaft zu produzieren

Jegliche Annäherungsversuche sind bei diesem kampfbetonten, undressierten Frauentyp unter höchster Vorsicht zu genießen,
da bei zu unachtsamer Tuchfühlung das zartbesaitete, leichtverstimmte Gemüt in aufbrausende Wallungen gerät und dem schwärmenden Gegenüber gehörig den Marsch bläst, sodaß zukünftige Anbandelungsversuche flöten gehen.

Das erstrebte Duett kann dann leicht in eine haarsträubende „Zither“-Partie transponieren.

Ein wohlgezügeltes Taktgefühl ist immer noch das beste Instrument für ein einklingendes Stelldichein, wobei man seinen seelischen, besitzergreifenden Regungen durchaus in einem selbstvorgetragenen Abendständchen als eingübter Minnesänger mit künstlerischer Note bekunden kann, was einen harmonischen Einklang der Gemüter garantiert.

Dabei sollte sich die leicht hinschmelzende Melodie allmählich zur tobenden Sturmwoge verwandeln, ebenso wie die sanft beflügelten
Liebesschwüre der ewigen, immergrünenden Treue die Schwingen des Windes sich entleihen und nun als vereinte Elemente (Wasser, Wind)
an des Herzens Felsbrandung der lauschenden, verzauberten Hörerin donnern mit unaufhör-
lichem Seufzen erflehenden Einlasses.

Der feierliche Auftakt dieses Musenspiels berauschter Herzen könnte den folgenden Ton haben :

Welke Blume


  Das Mauerblümchen  

Bei diesem sehr schreckhaften, geknickten Sonnengewächs
hat gefühlskaltes Pflücken einen vernichtenden Ausgang des Sprießlings
zur Folge, denn hier ist äußerstes Fingerspitzengefühl
oberstes Gebot.

Für den engagierten Gartenfreund mit dem grünen Daumen ist diese Sonderbehandlung
bare Selbstverständlichkeit und für den botanisch Unbflissenen
leuchtet sie auch nach den folgenden Wachstumsfaktoren ein.

Diese leicht verschüchterte Pflanzengattung

* gedeiht nicht an stinkenden Tümpeln überlaufender
Massenveranstaltungen

* begehrt direkte Sonnenbestrahlung , d.h. die Nestwärme eines fürsorglichen Partners sollte das Stimmungs-
thermometer nicht unter 4º
C der Vegetationszone sinken lassen, da ein wohltemperiertes Betriebsklima von elementarer Wichtigkeit ist

* bewahrt seine seelische Reinheit damit, daß es jegliche Veredelungsversuche mit aufdringlichen Wucherungs-
gewächsen trotzt

* hat eine Vorliebe für skurrile Exoten mit nasser Aussprache aufgrund des befeuchteten Nebeneffektes bei trockenem Gesprächsstoff theoretischer Abhandlungen

Man muß schon wie erwähnt mit mütterlichem
Feingefühl das zartgeflochtene, leicht poröse Seelenleben dieser
seltenen Biokultur abtasten, um nicht durch Knospenfrevel der natürlichen
Hochblüte Steine in den Weg zu werfen.

Hat man nämlich unter größter Vorsicht die vorhandenen Schwachstellen erkundet, gilt es nun, diese Rißstellen
… nein, nicht zu kitten, … sondern mit männlicher Präzision den Preßlufthammer anzusetzen, um unter Wegräumung der äußeren, harten Schale zum inneren, weichen Kern des Gemütes vorzudringen.

Denn nur, wenn dieser Schutzwall der äußeren Fassade, dieser architektonische, trügerische Schimmerglanz, niedergerissen
ist, läßt sich der Grundstein einer gemeinsamen Zukunft legen.

Diese Holzhammermethode klingt vielleicht für den einen oder anderen zerbrechlichen Leser nicht nur schmerzlich, sie ist
es auch, aber aus therapeutischer Sicht zwingend erforderlich.

Auf dieser Theorie faßt auch der folgende Brief Fuß, der zunächst systematisch das blendende Selbstbewußtsein
der Versuchsperson in Schutt und Asche legt, um dann unter Vortäuschung einer eigenen, selbsterlegenen Niederlage an die mütterlichen Instinkte mitleidwinselnd zu appelieren zum Zwecke einer geplanten Sympathiegewinnung :

Sei gegrüßt, mein Täubchen !!

Interpretation meines unkonventionellen, von der Norm
abweichenden Verhaltensmusters auf der Single-Party in Schwärmhausen

Von meiner psychischen Konstellation her beleuchtet bin
ich eigentlich ein Mann ( oder so was ähnliches ) mit gestähltem
Selbstbewußtsein, unbezwingbarer Willensstärke, sicherem mit
hinreißendem Charme gewürztem Auftretungsvermögen und einem
magnetenhaften Charisma, der jegliche Anflüge verbaler Bollwerke mit
rufschädigendem Charakter, vereinzelte lästernde Wortgeschmeiße
oder geringfügiges Aufkeimen höhnischen Gedankengespinstes meisterhaft
in den Boden stampft und stets aus diesen Verbalschlachten als triumphaler,
lorbeerkranzgekrönter Sieger hervorgeht.

Doch der gestrige, verflossene Tag belehrte mich eines Besseren und nahm mir entrüstend die Speerspitze, als Du und Deine
mitstreitende Geschlechtsgenossin gleich einem ausgehungerten, blutrünstigen, zähnefletschernden Wolfsrudel Euch erlabend von meinen Freveltaten in Schwärmhausen genährt habt ohne jegliche edle Rücksicht meines zartgesponnenen Gemütes, wodurch Ihr mich an den tiefsten Wurzeln meiner Existenz irreparabel verletzt habt.

Einerseits kränkt mich das erfolgslose Durchforsten der allerorts hochgepriesenen weiblichen Einfühlsamkeit in Euren emotionalverkrusteten, tiefgefrorenen Gehirnen, andererseits betrübt mich der klägliche Anblick meines an Euren verbalen Tiefschlägen zerschellten Sälbstbewustseins, dessen mühselig zusammengekehrter Scherbenhaufen sich nun einladend als Zielscheibe für
meine gerüsteten Widersacher anbietet.

Eigentlich liegt es nicht in meiner Gentleman-Manier, zartem Junggemüse wie Euresgleichen eine aufklärerische Röntgenaufnahme
meines angeknacksten Seelenlebens zu gönnen, was bestehende rufverseuchende Mißverständnisse entknoten und bei Euch trotz geistiger Unterbelichtung und immenser intellektueller Defizite einen wünschenswerten OSRAM-Effekt auslösen würde.

Doch die Triebfeder unbandiger Mildtätigkeit drängt mich geradezu, meine Prinzipien selbstlos auf dem Altar der Mitmenschlichkeit
zu opfern, um im Adamskostüm meiner entblößten Seele meine aufgedeckten Herzenstafeln als Zeugen meiner Untadeligkeit vorzuladen, die mein nicht gerade musterhaftes, unnachahmewürdiges, schändliches Verhalten damit entschuldigen, daß ich momentan in meiner psychischen Entwicklung bedingt durch die durchlebende „Sturm und Drang-Phase“ einem mentalen Tief unterliege.

Durch übermäßiges, exzessives Frönen sinnesberauschender Genußmittel versuche ich meinen Seelenfrust zu
ertränken, der durch diesen erprobten Verdrängungsmechanismus psysicher Ballaststoffe ein Herabsinken seelischer Konflikte unter
die Bewußtseinsgrenze herbeiführen soll.

Aber weil ich zu meiner qualvollen Betrübnis auf kein mitfühlendes Verständnis bei meinen Artgenossen stoße,
scheide ich nun als ein Gestrandeter meiner irdischen Odyssee aus diesem enttäuschenden Erdendasein mit den letzten, verhallenden Worten

oh, strömt, ihr gnadenreichen Perlentränen …


  Der Mondscheinschwärmer  

Dieses gefühlsbetont vor dem Aussterben bedrohte Exemplar bringt mit seiner warmherzigen, atemberaubenden Ausstrahlung selbst
die hartgesottesten Gletscher tröpfchenweise zum Schmelzen.

Sein charakterliches Gemälde wird in Kunstkreisen sehr hochgehalten und setzt sich aus den folgenden wohlgezogenen, meisterhaft
geführten Pinselstrichen zusammen.

Der Mondschein-Schwärmer …

* ist der schillerndste Stern am nächtlichen Frauenhimmel,
der alle anderen noch so funkelndsten Gestirne vernichtend erblassen läßt,
weil dieser feurig lordernde Smaragd um Längen diese kärglich glimmenden Laternenfunseln mit einer blendenden, in Worten nicht kleidbaren Aura überstrahlt

* ergötzt sich an einfühlsamen Balladen mit emotionalem Tiefgang, kerzenumflammtes, kaminfeuerknisterndes Abendessen bei klaren Vollmondnächten und anderen seelichen Streicheleinheiten

* ist die im Sand vergrabene Perlenmuschel, die schon seit Jahrtausenden darauf harrt, daß ein wagemutiger, schürfender Perlentaucher sie ans Licht führt

* verglüht förmlich bei poetisch ausgeschmücktem
Schwollwerk hochtrabender Formulierungen

Dieses stille Wässerchen ungetrübter Sinnlichkeit
spendet nicht jedem dürstenden, ermattenden Pilger die heißerhoffte
Erquickung, sondern ist lediglich für geistig Harmonierende der erlabende
Quell.

Ein geiermäßiger Sturzflug auf dieses erfaßte
„Opfer“ führt ebenso unweigerlich zur Bruchlandung wie banal abgedroschene
Phrasen gespieckt mit aufgewärmten Sparwitzen.

Vielmehr sollte man eifrig Silbentröpfchen sammeln
vom kristallklarem Morgentau beseelter Rede und seine schwärmerischen
Gedankenergüsse aus einer blütenweißen, unbefleckten Phantasie
musenhaft beschwingt in höhere, schwindelerregende Geistessphären
aufsteigen lassen, damit diese dann im gefühlvollen Gleitflug leicht
wie eine Schneeflocke auf dem Haupt seiner Herzensdame ausgleiten, welche
dann zu einer unzertrennbaren Einheit mit ihr verschmilzen.

Diese schmelzpunktabhängige Seelenlegierung schafft
einen fruchtbaren, wohlgedüngten Nährboden für eine aufkeimende
Beziehung, vorausgesetzt natürlich, die notwendige Wachstumstemperatur
klettert die Quecksilbersäule wärmeverheißend nach oben.

Daher bedarf es erlesener, vom jeweiligen Hauttyp abhängige
Sonnenworte, die wachstumsfördernd das Gemüt einheizen, um die
wünschenswerten klimatischen Verhältnisse herbei zuerflehen.

Dieses wärmespendende Bündel von Sonnenstrahlen
könnte den nachstehenden bescheidenen kindgerechten Wortlaut annehmen :
Wiesenpracht


  Der Grünkernvertilger  

Bedingt durch eine gravierende Deformation der Kieferstellung und einer damit einhergehenden Zurückbildung der Kaumuskulatur haben
es diese vereinsamten Kreaturen gekonnt verstanden, ihre Speisekarte an diese Umstände gebißgerecht anzupassen und mampfen daher nun leidenschaftlich leichtzerkaubare Zellulose-Gewächse quer durch den Gemüsegarten.

Mit dieser tiefeinschneidenden Veränderung ihres
Ernährungsplanes schwang auch eine aus den Fugen geratene Persönlichkeitswandelung
mit.

Dieser friedfertige, vegetarischgesinnte Pflanzengenießer,
von dem man sich schweibchenweise ein Stück abschneiden kann,

* hat sich gänzlich vom Sündenpfuhl des Fleischkonsums
abgewandt

* liebäugelt auch strikt nicht mit tierischen Produkten
und schränkt sein kulinarisches Blickfeld auf rein pflanzliche Kost
ein

* erwählt sich Reformhäuser als Pilgerstätte
der Nahrungsbeschaffung, um in wiederkehrenden, vorratsknappen Intervallen
diese aufzusuchen zwecks Auffüllung seines abgemagerten, rebellierenden
Kühlschrankes.
Diese zyklische Zeremonie ist in Insiderkreisen weitläufig unter dem Begriff „Aktion Eichhörnchen“ bekannt.

* schwärmt für die üppige Pflanzenvielfalt
des Tropischen Regenwaldes und versucht daher auf seinem Zimmer mit Hilfe
eines selbstausgeklügelten Chaossystems ein urwaldmäßiges Umfeld nachzuahmen zum Leidwesen seiner Hausgenossen, die sich häufig mühselig den Weg durch dieses undurchschaubare Dickicht türmender Unordnung ebnen müssen

* pflegt mit seinem treuen Hund eine friedliche Koexistenz, da selbst bei eintretenen kulinarischem Notstand die Nahrungsmittel nicht gegenseitig streitig gemacht werden aufgrund der unterschiedlichen Eßphilosophien.

Um diesen überzeugten, verbissenen Fleischverschmäher aus seiner uneinnehmbaren Festung eiserner Eßprinzipien aufs offene
Gelände zu locken, genügen keineswegs primitive Balzlaute mit einer winkenden, saftigen Mohrrübe in der einen Hand und einem rabarbargroßem, kühlungzufächelndem Salatblatt in der anderen.

Erfolgsverprechender bietet sich hier die Methode der Seelenharmonisierung an, die darauf beruht, nach außen einen umgestülpten
Sinneswandel zu signalisieren, z.B. durch ein aufflammendes, reges Interesse an pflanzlicher Kost, um dann unter diesem Deckmantel eines neugeborenen Ernährungs-
bewußtseins die Gunst des Grünkern-Vertilgers zu erwerben.

Daß bei diesem vorgetäuschten „Umwandlungsprozeß“ gewisse Probleme auftreten können, leuchtet wohl jedem Durchschnittsgebildeten ein.

Aber genau hier kann man seiner Verehrten seinen vegetarischen Eifer demonstrieren, indem man sie als sachverständigen Ratgeber heranzieht und so aus der Hürde ein Sprungbrett macht, das einen raketenmäßigen Auftrieb verleiht, um dann bei ihr kometenhaft mit voller Wucht einzuschlagen.

In diesen dabei entstehenden Krater, das seeliche Vakuum, läßt sich dann problemlos das eigene Abbild einbetten – zwecks
Endlagerung , versteht sich !

Das „Kochrezept“ für dieses Liebesmahl könnte folgende Zutaten enthalten :

Hallöchen, mein angeknappertes Salatblättchen !

Eigentlich, ja eigentlich, wollte mein verwöhnter Gaumen nur Bekanntschaft mit einem dieser herzhaften Früchtemüslis
machen, dessen Verzehr in einem unsagbaren Hochgenuß gegipfelt wäre, wenn …

Nun ja, schon beim Öffnen der schweißversiegelten Verpackung überkam mich eine unaussprechliche Vorfreude, unkontrollierte
Gefühlswallungen, eine Neugierde höchsten Ausmaßes – kurzum : ich war gespannt wie mein Hosengummi.

Nachdem ich mich nun nach einigeen Sekunden emotionaler Zerstreutheit und wohliger Behaglichkeit wieder gefangen hatte, wagte ich
nun die „Öffnung des Sarkophags“ – und das im übertragenen Sinne.

Der heißbegehrte Inhalt erweckte tatsächlich aufgrund seiner zerbröselnden Eigenart den Anschein, als hätte
er schon Menschengenerationen überdauert.

Nur bei der „Einbalsamierung des Reliktes“ war der Hersteller säumig gewesen.

Der Riegel machte nämlich einen ziemlich lebendigen Eindruck auf mich bedingt durch die sehr bewegungsfreudigen Maden.

Du darfst mich jetzt bitte nicht falsch verstehen, ich habe nichts gegen Maden.

Ich bin sogar ein ausgesprochener Tierfreund und frohlockt es sehr, wenn dieses kleine, fette, schleimige, glitschige Gewürm
herzliche Gemeinschaft mit seinen Artgenossen pflegt, sofern sie sich allerdings nicht meinen Pausensnack zur Begegnungsstätte allgemeiner Vergnüglichkeit auserkoren haben.

Sicherlich, Biologen oder andere Naturbegeisterte mögen dieses Phänomen vielleicht als ein amüsantes Schauspiel begrüßen, aber für mich – ein nüchterner Endverbraucher der Nahrungskette – war dieser Vorfall nicht gerade geistig befruchtend, sondern rief eher dämpfende Gefühle der Trauer hervor und brannte sich unauslöschbar in meinem Gemüte ein.

Oder zeigst Du nicht leidendes Mitgefühl, wenn Dein Imbiß immer mehr an Substanz verliert, ganz zu schweigen von dem Bild unappetitlichen Aussehens, das mit dem Gesagten einhergeht ?

Nun ja, wie auch immer, was offenbarte sich da meinen Augen ?

Sollte dieses Knusperstückchen etwa eine neue Müsli-Innovation sein …[kratz…kratz…kratz] … ja, der erste Riegel mit Fleischeinlage ?

Die Zutatenliste auf der Verpackung hüllte sich allerdings in tiefes Schweigen.

Oder sind diese lebhaften Tierchen vielleicht die berüchtigten Mitesser, vor denen immer die Clearasil-Werbung warnt ?

Ich blieb in Unwissenheit und verharrte so im Zustand geistiger Umnachtung, was des Rätsels Lösung anbetrifft.

Wollen die mich vielleicht ins Grab bringen ?

Was wäre gewesen, wenn die Maden durch Nahrungsaufnahme in meinen Darm gelangt wären.

Die Bedienung des REFORMHAUSES, bei der ich den Riegel für DM 1,90 ( welch‘ ein Wucher, einen Strick hätte ich wesentlich
billiger bekommen ) tat dieses Vorfall als eine Normalität ab.

Für mich ist das eine bodenlose Frechheit, mit der Gesundheit anderer zu spielen und daraus noch seinen finanziellen Nutzen
zu ziehen.

“ Entreiße mich aus diesem Alptraum !!! “

Ansonsten erforsche ich kulinarisch neue Ufer und pflichte künftig aus tiefster Überzeugung dem SNICKERS-Werbeslogan
bei :

SNICKERS – da weiß man, was man hat !


  Der Fossilius  

Diese prähistorische Spezies Mensch ist ein Relikt aus grauer Vorzeit, dessen unnachahmbares, weltbildzementiertes Wesen in eine handgefertigte
Unikat-Gußform floß und nach dem Aushärten folgende Konturen aufwies :

* geizt aufgrund seines versteinerten Aggregatzustandes
mit anmutvollen Körpergebärden

* pflegt eifernd als altes Eisen seine verstaubten, altertümlichen
Ansichten und paßt sich in seinen ausrangierten Denkmechanismen fruchtlos den zeitgemäßen Gepflogenheiten an

* huldigt einem schlichten Modebewußtsein, d.h. teurer Glitzerfummel ist ihm verpönt, da Körperbekleidung jeglicher Art stets zweckorientiert der Wärme-Isolierung dienlich sein sollte

* beschränkt seinen eh schon kargen Wortschatz aus rein praktischen Gründen auf ein Sparflammen-Minimum

* ist durch seine eiszeitliche, unverfrorene Gefühlskälte schlichtweg der personifizierte Anachronismus und steht deshalb unter restaurationsbedürftigem Denkmalschutz

Will man diesen eingemotteten Ötzi aus seiner vermieften Höhle scheuchen, um seinem gelähmten Aktivismus mammutstarkes
Leben für gemeinsame Unternehmungen einzuhauchen, muß zunächst das eigene Outfit einem zeitlichen Wandel unterzogen werden, denn bei Überstülpung des heutigen Zeitgeistes fühlt er sich ebenso existenziell bedroht wie bei schmerzhaften, stationären Einrenkungsversuchen seiner ausgekugelten, verschobenen Ansichten.

Entweder man erscheint in museumsreifer Tracht mit selbstgemeißelten, nieverblühenden Steinrosen zum ersten Rendezvous oder man wirft sich ins galante, motten-
bearbeitete Bettlersgewand, das man für ’n Appel und ’n Ei beim Fifth-Hand-Shop erworben hat, um klopfend an der Herzenstür seiner Flamme unter unversiegbarem Tränenfluß Einlaß zu begehren.

Die Annäherungsversuche, in welcher Form sie auch
auftreten, sollten auf jeden Fall primitiv gestaltet und dem geistlichen
Horizont seiner Auserwählten angepaßt sein.

Hat man dann schließlich den harmonischen Einklang
der Gemüter wegbereitend geebnet, so sollte man dem räumlichen
Umfeld für den ersten verschmelzenden Küssetausch keinen allzu
prunkvollen Anstrich verleihen, sondern eher auf schlichte Raumausschmückung
zurückgreifen.

Die grauen, naturbelassenen Wände eines ausgedienten
Steinbruchs vermitteln hier nicht nur einen steinzeitlichen Touch mit gedämpfter,
behaglicher, spärlicher Beleuchtung, vielmehr spenden sie dem Fossilius
eine heimische, musenbehaftete Idylle.

Dort im feuchtkühlen, verlassenen Gewölbe läßt
es sich nicht nur prächtig mit den Wölfen heulen, nein, man kann
sich darüberhinaus auch selbst als Solo-Sänger betätigen,
denn hier werden frei vorgetragende, herzzerreißende Oden
dank der glänzenden, widerhallenden Akustik zu einem Symphoniekonzert
der Extraklasse, was die Angehimmelte leidenschaftlich dahinschmelzen läßt

Wintergewand

( schafft einen vertrauten Bezug zur letzten Eiszeit )


  Der Workaholicer  


Dieses sprühende Feuerwerk mit ungebändigtem Tatendrang ist unübertrefflich der wohl hektischste Zeitgenosse, die
gestreßte Aussaat unserer Leistungsgesellschaft, die kontinuierlich auf der Überholspur sein zeitdruckgebeuteltes Berufsleben fristet
und damit eine konzentriertere Abart der Karrierefrau darstellt.

Das interpretationsbedürftige Verhaltensmuster nimmt nachstehende verzerrende Formen an :

* unverwüstlicher Arbeitsvasalle, der selbst von der
Geißel des Kapitalismus sich nicht in die Knie zwingen läßt

* ungezügelter Aktivismus, der bei immunen, bewegungsspärlichen
Müßiggängern auf Ansteckung hofft

* rekordverdächtige Schreibtischtätigkeiten : schreibt simultan 4 Briefe für den Chef, lackiert sich ganz nebenbei die krallenartigen, abgewetzten Fingernägel bei entgegennehmenden Telefonaten.

Diese energiegeballte Ameise klammert sich immer noch krampfhaft an die Illusion, daß eine ohrenbetäubende, nervtötende,
verschmutzte Fabrikhalle ein freizeitpark-
orientierter, angebotsreicher Abenteuerspielplatz für unausgereifte Erwachsene mit erhöhtem
Nachholbedarf an kindlichen Spielen ist, die es in ihrer tiefsten Kindheit versäumt hatten, ihren erforschenden Spieltrieb zu sättigen

Dieser arbeitswütige Geselle schwebt nicht nur in märchenhaften Sphären, sondern leidet auch in seiner selbsterschaffenen,
glitzernden Scheinwelt unter immensem Realitätsverlust, der über kurz oder lang sein schimmerndes Weltbild vernichtend vom Sockel stößt mit unvorhersehbarer, fataler Tragweite.

Daher gilt es hier prophylaktisch, ihm den antriebsverleihenden Wind aus seinen großflächigen, prallen Segeln zu nehmen, die
unter dem Einsatz einer wirksamen Konditionsbremse leistungsdämpfend erschlaffen.

Sicherlich ist es ein schwerwiegender Lernprozeß für den Workaholiker sich arbeitsmäßig in Abstinenz zu
üben und einmal den Leerlauf unter größter Überwindung einzulegen, aber sein ausgefranstes, verschliessene vegetative Nervensystem wird es ihm dankend belohnen.

Ein ausgetüfteltes Anti-Work-Programm scheint deswegen im vorliegendem Fall am ehesten Früchte zu tragen, das die unumstößlichen Säulen verbissener Ansichten rissebildend erbeben läßt und dieses tragende Gedankengebäude gigantischen Ausmaßes niederzureißt.

Ein unverblümter Erlebnisbericht eines ausgelaugten, körperlich entkräftigten Fabrikarbeiters eines Wellpappenwerkes könnte zum Beilstiel die günstigen seismographischen Vorraussetzungen für das heilsame Erdbeben schaffen.

Denn nur das ungeschminkte Aufzeigen der demaskierten, harten Berufsrealität läßt diesen robusten Arbeitsknecht
ideologisch entgleisen und der dabei stattfindende Sinneswandel läßt sein bisher ruhendes Interesse am anderen Geschlecht dornröschenartig erwachen.

Den verwucherten, üppig verwachsenen Weg zu seinem schlummernden Prinzeßchen könnte man durch folgenden verschärften Brief freilegen.

Ich und mein Freund, die Wellpappe

Hier, in dieser staubtrockenen, vom vervasallenden, stimmungstrübenden Geist des Kapitalismus überschatteten Arbeitsstätte versiegen unter der niederschmetternden Hitze selbst reißende Freudenströme unwiederbringlich im rissigen Boden dieser toten, sinnentleerten Einöde.

Ausgepowerte, stöhnende Beduinen dieser trostlosen Wüstenlandschaft rudern widerstandslos gleich gehorsamer Galeerenruderer
dem Zeitakt der unrastenden Maschinen folgend und bekommen auftretende Kräfteschwünde mit verbalen Peitschenhieben von megaphonlauten Kameltreibern schmerzhaft quittiert, was bei leichtgeknickten, labilen Trockengewächsen seelische, tiefgefurchte Wunden hinterläßt und zu einer widerwilligen, haßerfüllten Arbeitseinstellung zeitlebens vernarbt.

Trotz alledem haben es wenige robuste Vasallen verstanden, sich diesem wüstenähnlichen, unfruchtbaren Betriebsklima musterhaft
anzupassen.

Als ehrgeizangestachelte, dickhäutige Kakteen zieren diese widerstandsstarken Abweichlinge nicht nur die konturenlose, ausgestorbene
Lagerlandschaft, sondern regen auch dank ihren langzeitgespeicherten, motivierenden Säften (Depotwirkung) die Betriebssamkeit zum Nutznießen des allgemeinen Arbeitervolkes an.

Der blühenden Oase einst erquicklicher, abwechslungsreicher Unterhaltsamkeit wich einem wortkargen, eintönigen Verständigungssystem, das sich auf wenige fingerdeutende Arbeitsanweisungen mit donnernder Lautbegleitung beschränkt.

Sporadisches, überschäumendes Einzelkämpfertum, pendelartige Stimmungsschwankungen gepaart mit unkollegialer Ellbogengesinnung sind hierorts triste Alltagserscheinungen und würgen mit dieser atmosphärischen Verpestung das in mitleidenschaftgezogene Leistungsvermögen, sodaß sich eine geradezu lähmende, zähflüssige Arbeitsverrichtung
schadhaft eingenistet hat.

Daher ist es auch keineswegs verwunderlich, daß sich unter diesen wüstenähnlichen, ariden, furchteinflößenden
Verhältnissen nicht ein Fünkchen an blassem Arbeitsdunst kundtut, sondern jeglicher befeuchtete Tateneifer an der glühenden Sonne dieses übertemperierten Betriebsklimas demotivierend verdampft und als resignierendes Stöhnen empor steigt.

Wenn sich aber allmählich der kräftezehrende Arbeitstag dem entgegengefiebertem Feierabend senkt, dann offenbart sich
täglich neu ein sehr vergnügliches, frühlingserwachendes Naturschauspiel.

Die scheinbar eingegangenen, dürstenden Pflänzchen werden durch die anbrechende, freudeschöpfende Freizeit erlabend betäut und dieser heilende Balsam für die gematterten Seelen ermöglicht nun diesen wiederbelebten, blühenden Gewächsen, ihren privaten Lustbarkeiten zu frönen.


  Der Ökoiander  


Dieser birkenstock-bereifte, moosgerahmte, hygieneverhaßte Abkömmling kulturellen Gedankenguts mit einem gestörten Verhältnis zu jeglichen Modeerscheinungen verließ aufgrund der geistigen Verwitterung seiner gesellschaftlichen Wertvorstellungen die traditionellen geordneten Bahnen althergebrachter Lebensgestaltung unter Loslösung seiner familiärer Bande, um in menschenunberührten Gefilden zeitlebens in stiller Einsamkeit zu verharren.

Sein fortschrittfeindliches, charakterliches Panorama ist eine begehrte Augenkost für jeden gleichgesinnten, dem Luxus abgewandten
Zivilisationsverächter.

Der Ökoianer

* sprengt sein gesellschaftliches Korsett, um in Neueinkleidung eines atmungsaktiven Sackgewandes in den unverfälschten Genuß ursprünglicher Körperbedeckung zu gelangen

* angespornt durch eine „BACK-TO-THE-NATURE-Vision“ flüchtet dieser Abgedriftete aus asphaltgepflasterten Betondschungeln in waldbodenweiche Geiflde, um sich dort nach Pfadfinder-Manier seine Lebensfährte zu ertasten und inhaliert derorts ungefiltert seine gesellschafts abgekapselte „Marlboro-Freiheit“ in vollen Zügen

* fühlt sich in seiner „sozialen Degradierung“ als ökologischer Märtyrer bestätigt, der auf dem diskussions-
entfachten Scheiterhaufen heißer Debatten sich schon öfters zugunsten umweltfreundlicheren Wirtschaftens die Zunge verbrannt hat

Das abgefahrene Persönlichkeitsprofil dieses um Menschengenerationen
überholten Auslaufmodells wehrt sich grundlegens gegen eine mentale
Rundum-Erneuerung und steuert somit aufgrund mangelnder geistiger Bodenhaftung
über kurz oder lang einem vernichtenden Totalschaden entgegen.

Und selbst beim Wohnkomfort jagt dieses Catweasle-Double einer tiefen Bescheidenheit nach :



Der grauen Fassade verblaßter Verputz,
teilweis‘ abbröselnd und behaftet mit Schmutz,
schaut gar zu kärglich drein.

Verstaubte Nischen und knarrende Türen,
Kältebezwingung durch stetes Feuerschüren,
bestätigt einem den äußeren Schein.

Zwar sind die modrigen Betten
holdesame Ruhebetten,
doch versponnene Toiletten,
sind nicht gepflegt seit Tag und Jahr
gleich dem restlichen Mobiliar.

Das Mahl ist akzeptabel, delikatös,

der Dessert, weniger pompös,

und die kerzenumflammte Atmosphäre

in abendlichen Stunden

wird von ihm als ergötzlich empfunden.


Um ohne Umschweife auf den grünen Punkt zu kommen :

Jener festgefahrene, motivationsbeladene Öko-Jünger bedarf keineswegs eine Generalüberholung seines halbdurchgerosteten
Fahrwerks korridierter Ansichten, bevor dieses vollends absehbaren Durchbruch erleidet.

Oh nein, das sei ferne !

Dieser dem lebensmüden Wahnsinn Verfallenen liebt
förmlich den Nervenkitzel beim Erproben der Belastbarkeit seiner ideologischen
Karosserie im Verkehrsstrom konträrer Meinungen unter Ausnutzung gewonnener Grenzwert-
erfahrungen.

Deshalb sollte man ihm hier den ideologischen Gleickklang unterbreiten :

Salve, Du famo(o)ses Grüngewächs, alles Humus ?

Eigentlich offenbart die gesellschaftliche Gartenlandschaft eine reichhaltige, üppige Pflanzenvielfalt.

In den feinabgegrenzten, sorgsam gepflegten Beeten mehr oder weniger geräumigen Familienzellen gedeihen unter wohldosierter
Bewässerung die wundersamsten Sonderkulturen mannigfaltiger Art.

Nicht nur zartes, pflegebedürftiges Junggemüse findet hier normgerechte, ökonomische Entfaltungsmöglichkeiten,
nein, auch überreife, halbangefressene Salatköpfe mit einem Schuß in der Knolle, die sich schwarzennegermäßig vor einer wilden Horde ausgeflippter Mädels produzieren müssen und es immer noch nicht gepeilt haben, daß sie schon längst ein klarer Fall für den Komposthaufen sind.

Neben diesen letztgenannten, atmosphäreverseuchenden Schmarotzergewächsen wuchern sorgengekrümmte Gurken ein klägliches Schattendasein, die auf ein mitfühlendes Gegenüber hoffen und damit, im Falle eines geglückten Veredelungsversuches, ihr in mollgeschriebenes Lebenslied in eine souveräne, lebenseinhauchende Dur-Tonart trans-ponieren
möchten.

Darüberhinaus wird diese vergnügliche Musenstätte bemutternd von festverwurzelten, lebenserfahrenen, standhaften Buchen gesäumt, die mit ihrem Blätterwerk dieses lebhafte Gehege kühlend beschatten und somit vor allzu lästiger Sonneneinstrahlung fürsorglich bewahren.

Ebenso wird diese lebenspulsierende Gartenlandschaft von leichtverschüchterten, tageslichtscheuen Kartoffeln geziert, die allerdings
ein isoliertes, maulwurfähnliches Darsein unter der kalten, fröstelnden Erdoberfläche fristen, anstatt über Tage eine wärmespendende Gesprächsatmosphäre mit nachbarschaftlichen Gewächsen aufzubauen, um im regen Gedankenaustausch ihre schattigen, unterbelichteten Ansichten ins rechte Licht zu rücken.

Und zu dieser Underground-Spezies zählen erschreckende 90% der ökologisch desinteressierten Staatsbürgerschaft.

Das sind Bürger, die es nicht gelernt haben über den Gartenzaun zu schauen und umweltzerstörende Problematiken ins
Auge zu fassen.

Bürger, die klimaverändernden, treibhausfördernden Prozessen mit einem gleichgültigen, unsachverständigen Achselzucken quittieren.

Und gerade dort möchte Dr. Manfred Pflaume in einer aufrüttelnden Veranstaltung den Spaten ansetzen, um vergrabene ethische,
ökologische Werte freizuschaufeln und diese dann nach durchlüftender Überzeugungsarbeit in unser aller Gemüte einzubetten.

Dr. Pflaume vom Wuppertaler Institut stiefelt hier mit ökologischen Meilenschritten und einem glänzenden Vorbild für
ein „zukunftsfähiges, ökologisch-verträgliches Deutschland“ voran, denn wohlbedacht :

„Das Junggemüse von heute ist der Gemüseeintopf von morgen !“

Dr. Pflaume, als alter Bär im Wald, brummt da aus Erfahrung. Und so, wie er es manchmal in den Wald hineinschreit, hallt es leider eben oft nicht wieder heraus.

Daher sollte man dieser Trockenperiode ausgedörrten Interessens und ökologischer Unaufgeschlossenheit den Todesstoß
versetzen und mit einer bis dato ausgebliebenen, heißersehnten, regengußartigen Euphorie unsere Kulturlandschaft wohlwollend befeuchten lassen.

Nun, Du bildungshungriges Schattengewächs, alles vegetable ?

Ja dann, bis zum Donnerstag, den 24. Oktober um 20 Uhr auf der Freiluftveranstaltung, Parzelle B 12-4 direkt neben dem
Komposthaufen.

Selbstverfreilich kannst Du fremde Pflanzengattungen aus dem Nachbargrundstück einladen.

Die Veranstaltung ist zwar nicht von existenzieller Bedeutung, aber teilnahmewürdig, damit auch Du einst mit glänzenden Augen Deinen umweltverträglichen Wandel bekunden kannst.


  Schlusswort  


Wird man nun aber trotz erschöpfender Darbietung
seiner eroberungsbedachten Liebeskünste von seinem Schwarm nicht als
„Röslein auf der Heiden“ gepflückt, darf man als trauergekrümmtes
„Vergißmichselbst“ keineswegs den leidgefüllten Blumenkelch
hängen lassen, weil man anstatt im Erfolg bräunend sich zu sonnen
nun weiterhin als unerkanntes Pflänzchen im Schatten sein eintöniges
Singledarsein sprießen muß.

Sollte man nun wie anfänglich erwähnt bei wellengang-
starkem
Sturmtoben unvermeidbaren Schiffbruch erlitten und sich dadurch eine chronische
seelische Heiserkeit eingefangen haben, schenkt hier die folgende rezeptfreie
Medizin baldige Gesundung.

Der betrübte Eigenbrötler braucht sich also
nicht durch ein derartiges Krankeitsheitsbild unterbuttern zu lassen, sondern
kann seinem angegriffenen Gemütsleben stählerne Widerstandskräfte
verleihen, wodurch sogar jede weibliche linke Bazille ihren Schrecken verliert.

Die einzusetzenden Antikörper gegen diese „weiblichen“
Krankheitserreger richten sich logischerweise nach dem Zerstörungsgrad.

Daher sollte man im Vorfeld zunächst eine Katalogisierung
dieser einschleusenden Fremdkörper aufstellen, um gezielt den Hebel
anzusetzen.

Eine übersichtliche Grobeinteilung aus diesem unüberschaubarem,
erstickendem Gestrüpp der seelischen Krankheitserreger könnte
folgendermaßen vorgenommen werden.

1.) schmeichelnde Komplimente, die anfangs als leichtverdaulichen
Ohrenschmaus verzehrt wurden, sich aber im nachhinein als ironische Heuchelei
entlarvten und nun nach ernüchterndem Gefühlsrausch als ungenießbar sich
herausstellen

Entschlackungs-Programm :

Nach würgendem Ausspeien dieser Schimmelkost durch seelenaufwühlende Brechmittel gutgelüftet auf dem üppigen Misthof verscherzter Annäherungsversuche kompostieren, um mit diesem düngenden, erfahrungsbereichernden Humus seinem ausgelaugten Beet mißglückter Pirschgänge künftig einen lukrativen Ertrag zu sichern

2.) schmerzhafte, persönliche Ehrverletzungen unter
Benutzung einer kraftausdrucksbetonten Gossensprache, die sich nach einer tiefeintauchenden Versenkung im Bewußtsein unlöslich verankern und dort dank ihrer Langzeitwirkung im schleichenden Prozeß sich tief ins Gedächtnis eingraben

Entsorgung :
Bei diesem atomaren Ballast mit hoher Halbwertzeit versagt das bewährte duale Müllentsorgungssystem aufgrund der lebensfreudeverseuchenden, zynischstrahlenden Eigenart.

Vielmehr sollte man diesen seelischen Unrat zwecks Dekontaminierung in den Tiefen des Unterbewußtseins fachmännisch entlagern
und jegliches auftauchende Zutagetreten mit beschwerenden Therapiestunden auf der Psychiatercouch entgegentreten, damit dieser wiederum unter die Bewußtseinsgrenze absinkt.

Doch sollten alle krampfhaften Versuche einer freude-
spendenden Freundschaftsschließung in einer herzzerstückelnden Sackgasse münden
und sämtliche therapeutische Restaurationen gänzlich versagen, dann möchte ich hier schließend
mit den Gestrauchelten ein Klagelied aus einer Brust anstimmen, das weit
über duftende Wiesen und kühle Wälder getragen wird und
vielleicht, wenn die Zeit erfüllt ist, bei einer verirrten Seele auf
Widerhall stößt

all‘ die Träume sind entschwunden …

 
 
1 
 Januar 
 


 

Was ist die Liebe
mit ihrem himmlischen Triebe ???

Wie ein Sproß, der im Herzen in mir aufgeht
erbärmlich um nach Erfüllung fleht,

Ich kann mich ihrer nicht verwehren,
soll sie mich denn nun ganz verzehren ???

Da ich so schwach, bin ihrer ich nicht mächtig,
mein‘ Lebenskraft ist ja so schmächtig.

Ob hier auf Erden ich Ruhe fände,
ich leg’s herr Jesu in deine Hände !!!

verzehrt die Kraft, raubt mir die Zeit
fügt zu dem lähmt den Schaffensdrang, manch‘ oh welch‘ Leid.

Ich möchte wirken, atmen frei,
doch der Liebe Tyrannerei [Tyrannei?]
knechtet mich, legt und leget mich in Eisen
ich armer Jüngling muss verdreißen.

Drum kämpf‘ ich dagegen aus Leibeskraft
zu sprengen die Ketten der Leidenschaft,
doch all‘ mein Hasten ohne Rasten
mein Widerstreben ist vergeben,
ich kann nicht widersteh’n der Liebe Macht,
die mich in diese Sklaverei gebracht.
Ich bin ein Sklave meiner Gedankenwelt,
aus derer doch die Liebe quellt.
Der Herzensbrunn fließt über gar
bewässert die Seel‘ so wunderbar.
wie ist es denn um mich bestellt ???