Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

18 
 Juni 
 
2017


 

Pompejanisches Fresko

 
Musik
Frédéric Chopin [1]Nocturne Op. 9, No. 1
Tünchend verhüllet der edlen Kunst
schwungvoller Pinsel
ergötzend mit lieblichem prangendem Reize
des Lebens erschauerndes Bild.
 
Doch blättert in Bälde
vom Lichte der Wahrheit bedränget
der farbliche Schleier
und rühret am fühlenden Herzen.
 
Vom Seufzton erschüttert
entblättert von Neuem
das Schreckbild dämonischer Fratzen,
die lechzend nach Weheklang lüstern.
→ zu Mnemosynes Geleit
Eherne Welt
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Fußnoten[+]

 
 
29 
 August 
 
2009

Schlagwörter

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Neben bisher produzierter leidiger Gebrauchslyrik, “Liebeslyrik” (wie ich diesen inflationären Begriff verabscheue), vereinzelt kleineren Theaterstücken, Schachgedichten usw. möchte ich mich nunmehr einem anderen Genre hinwenden und den Pfad der Fantasy-Literatur beschreiten.
 
Wieso aber gerade das Action-Online-Rollenspiel Diablo 2 als Hintergrund einer Erzählung?
Hierfür sprechen diverse Gründe:
 

1. organisatorischer Aspekt
Unabhängig vom Genre setzt zunächst generell ein Wettbewerb (hier ein Story-Contest) einen fixen Abgabetermin (“Deadline”) und zwingt so zur Selbstdisziplin (Zeitplanung).

 

2. motivationaler Aspekt
Die für ein Rollenspiel typische Community beschert (hoffentlich) eine garantierte Leserschaft.
Somit ist eine Textproduktion kein monologisches Niederschreiben von Gedanken ohne Widerhall, sondern ein lebendiger Dialog im Sinne eines “fiktiven Zuhörers”.

 

3. identifikatorischer Aspekt
Ein Rollenspiel gestattet die Möglichkeit, in die Rolle eines Charakters (Helden) zu schlüpfen.
Dadurch entsteht ein Höchstmaß an Authentizität.
Da ich mich für den Helden Sigon entschieden habe, sind mir durch die vorgegebenen 5 Setgegenstände gewisse Grenzen gesetzt (auch Phantasie braucht Bahnen, in die sie gelenkt werden muss), andererseits ist der Waffen- und Schmuckslot frei, der mir noch gewisse Freiräume lässt.

 

4. sprachästhetischer Aspekt
Neben dem Hack-and-Slay-Prinzip der sehr einfach gehaltenen Spielmechanik (Monster töten und niederfallende Gegenstände einsacken) offenbart sich trotz dieses “Gewaltpotentiales” durchaus eine Tendenz zu Wortkreationen, die sich dem Regelwerk der Poetik bedienen.
Ob es sich um Ortsnamen handelt oder um die Bezeichnung einzigartiger Gegenstände, ja auch sogenannte Runenwörter, oft lehnt man sich an den Daktylus mit der Silbenbetonungsabfolge betont-unbetont-unbetont, wie z.B. Dunkelwald.

Besonders hervorzuheben wäre hier:

Ortsnamen      Lut Gholein, Hallen der Toten, ferne Oase , vergessene Stadt, Kerker des Hasses, Festung des Wahnsinns, Stadt der Verdammten, Arreats Hocheb(e)ne, Hallen der Schmerzen, gefrorene Tundra

 

Gegenstände      Hand des gesegneten Lichts,Arreats Antlitz, Schnitters Tribut, Tyraels Macht

 

Runenwörter      Odem der Sterbenden, Hand der Gerechtigkeit, Heiliger Donner, Ketten der Ehre

 

5. formaler Aspekt
Ebenso besteht das Spiel aus fünft Akten wie eben das griechische Drama auch.
Daher möchte ich gerne das Gerüst des griechischen Drama für meine Erzählstruktur heranziehen und so die Handlung vorantreiben.

Aufbau des griechischen Dramas
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Kompositionsmodell des griechischen Dramas
nach Gustav Freytag

Quelle: www.techsam.de


 

1. Akt (Diablo) – Lager der Jägerinnen

In der Poetik des Aristoteles
Der 1. Akt enthält die Exposition. Der Zuschauer wird in die zeitlichen und örtlichen Verhältnisse eingeführt, er lernt die Vorgeschichte und die für die Handlung wesentlichen Personen kennen. Ebenso wird seine Aufmerksamkeit wird auf den Keim des Konfliktes und der Spannung gelenkt.

 

2. Akt (Diablo) – Die Wüstenstadt Lut Gholein

In der Poetik des Aristoteles
Im 2. Akt erfolgt das erregende Moment, die Schürzung des Knotens. Die Handlungsfäden werden verknüpft und verschlungen: Interessen stoßen aufeinander, Intrigen werden gesponnen, die Entwicklung des Geschehens beschleunigt sich in eine bestimmte Richtung, die Spannung auf den weiteren Verlauf der Handlung und auf das Ende (Finalspannung) steigt.

 

3. Akt (Diablo) – Die Docks von Kurast

In der Poetik des Aristoteles
Im 3. Akt erreicht die Entwicklung des Konfliktes ihren Höhepunkt, der Held steht in der entscheidenden Auseinandersetzung; der Umschlag, die dramatische Wende zu Sieg oder Niederlage, zu Absturz oder Erhöhung, Peripetie genannt, erfolgt.

 

4. Akt (Diablo) – Die Festung des Wahnsinns

In der Poetik des Aristoteles
Im 4. Akt fällt die Handlung auf das Ende zu (fallende Handlung). Dennoch wird die Spannung noch einmal gesteigert, indem die Entwicklung im so genannten retardierenden Moment verzögert wird. Der Held scheint doch noch gerettet zu werden (Tragödie), bzw. sein Sieg wird noch einmal in Frage gestellt (Schauspiel).

 

5. Akt (Diablo) – Die Barbarenfestung Harrogath

In der Poetik des Aristoteles
Der 5. Akt bringt dann die Lösung des Konfliktes, sei es durch die Katastrophe, den Untergang des Helden (Tragödie), sei es durch seinen Sieg und seine Verklärung (Schauspiel).

 

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8 
 August 
 
2009


 

Ich grüß’ Euch mit dem Palmenzweige!

Mein angekündigtes Manuskript hatte noch etliche Korrekturen vonnöten und ich zögerte darum bis heute, es Euch vorzulegen. Verzeiht mein Säumen!

Unterdessen sinne ich auch schon seit einiger Zeit um eine Verquickung des Themas meiner wissenschaftlichen Hausarbeit (“Handlungsorientierter Unterricht”) mit den Denkansätzen Eures Bewegungstheaters. Auch die Eurythmie bietet in dieser Hinsicht äußerst fruchtbaren Boden.

So vielbescholten die Bibel auch sein mag, wie oft sie vom pietistischen Pathos auch gepriesen wurde: ein Gedankenod steht für mich unverückbar auf meinem Herzens-Panier :”Wisst Ihr nicht, dass eurer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist?” (1. Korrinther 3, 16).

Vielleicht sind es auch mehrere Götter, die in uns wohnen oder -besser gesagt- die in unseren Sinnesorganen wohnen (ähnlich der sensumotorischen Intelligenz nach Piaget), beheimatet und verORTet sind und sich in ihnen verkünden (möchten).
Verkündigen folgt durch Ausdruck, durch körperlichen Ausdruck.
Jeder Sinneskanal beherbegt einen eigenen Gott, einen eigenen Ausdruck.
Den Begriff Gott möchte ich hier nicht weiter spezifizieren. Er kann ein Naturphänomen sein, eine Idee oder Teil eines höheren Vernunftprinzips.
Der körperliche Ausdruck kann viuseller, akustischer, taktil-kinästhetischer (…) Natur sein.
Die jeweilige “Reflexzone” korrespondiert -sinnbildlich mit dem Homunculus gesprochen- mit einem mentalen Gegenstand, eine geistige Repräsentation eines Gottes, der im Geiste erfasst wird.

Mit diesem körperlichen Ausdruck (Bewegungstheater) ließen sich symbolisch formulierte Unterrichtsinhalte choreographisch “enaktiv” (Jerome Bruner) nachbilden (“(Geistes-)Bildung” kommt von Bild), innerhalb einer Zeitachse ähnlich wie in der Musik die Noten im Aufeinanderfolgen unterschiedlichen Spiellängen folgen.
Es ähnelt vielleicht der Gleichgewichtsübung im Glasperlenspiel von Hermann Hesse.
Inhalte lassen sich allegorisch in Bewegungen abbilden.

Bewegungen sind daher gleichsam eine tänzerische geradezu elegische Anrufung einer Gottheit durch das betreffende Sinnesorgan im Sinne des Pantheismus.

Bewegungen dienen einer poly- und synästhetischen Gottesverherrlichung.

Da der eigene Körper kulturunspezifisch ist, sei in diesen Bewegungsmustern eine Universalität anzustreben (auf der Folie der Archetypenlehre nach Jung).

Es gäbe diesbezüglich noch vieles zu berichten.

Mein ursprünglich gedachtetes Manuskript folgt in Bälde.

Mit freundlichem Federschwung
Ralph Schumacher

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