Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

8 
 Juli 
 
2018

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DICHTUNG Rainer Maria Rilke
LESUNG Oskar Werner
BEREITSTELLUNG LYRIK & MUSIK



Ich sehe den Bäumen die Stürme an,
die aus laugewordenen Tagen
an meine ängstlichen Fenster schlagen,
und höre die Fernen Dinge sagen,
die ich nicht ohne Freund ertragen,
nicht ohne Schwester lieben kann.

Da geht der Sturm, ein Umgestalter,
geht durch den Wald und durch die Zeit,
und alles ist wie ohne Alter:
die Landschaft, wie ein Vers im Psalter,
ist Ernst und Wucht und Ewigkeit.

Wie ist das klein, womit wir ringen,
was mit uns ringt, wie ist das groß;
ließen wir, ähnlicher den Dingen,
uns so vom großen Sturm bezwingen, –
wir würden weit und namenlos.

Was wir besiegen, ist das Kleine,
und der Erfolg selbst macht uns klein.
Das Ewige und Ungemeine
will nicht von uns gebogen sein.
Das ist der Engel, der den Ringern
des Alten Testaments erschien:
wenn seiner Widersacher Sehnen
im Kampfe sich metallen dehnen,
fühlt er sie unter seinen Fingern
wie Saiten tiefer Melodien.

Wen dieser Engel überwand,
welcher so oft auf Kampf verzichtet,
der geht gerecht und aufgerichtet
und groß aus jener harten Hand,
die sich, wie formend, an ihn schmiegte.
Die Siege laden ihn nicht ein.
Sein Wachstum ist: der Tiefbesiegte
von immer Größerem zu sein.

 
 
30 
 Oktober 
 
2016

abgelegt in
Gedankenschau

 

rache_ist_suess

Diese prähistorischen Rachegelüste entstammen dem biblischen, christlichen Gedankengut und sind mit der Ideenwelt eines souveränen, selbstreflexiven, fortgeschrittenen Geistes unvereinbar.
Denn mit dem alttestamentlichem Dreschflegel ist keiner Partei gedient, weder der verletzten noch der verletzenden.

Externe Abstrafung darf nie die Antwort sein, sondern interne Verhaltensmodifikation, die am ehesten herbeigeführt wird, indem der Verletzende in ähnliche Bedingungsfelder des einst Verletzten gebracht wird (Perspektivwechsel), er somit seine Handlungskonzepte empathisch überdenken kann und er sich (vielleicht?) konzeptionell neu organisiert.

Fehler sind Entwicklungschancen, Optimierungsmöglichkeiten eines laufenden Systems.

 
 
5 
 Oktober 
 
2012

abgelegt in
Bibelstellen | Christentum

 

Die Geschichte von Hiob behandelt die Frage, wie es sein kann, dass der gerechte Gott duldet, dass guten Menschen Böses widerfährt. Sie versucht zu beantworten, weshalb trotz Gottes Allmacht und Güte auch ein gerechter Mensch leiden kann. Sie wehrt sich gegen die fromme und einfache Annahme, dass das Leiden eine Strafe Gottes sei.

(Quelle: Wikipedia)

Es begab sich aber eines Tages, da die Gottessöhne kamen und vor den Herrn traten, kam auch der Satan unter ihnen. Der Herr aber sprach zu dem Satan: Wo kommst du her? Der Satan antwortete dem Herrn und sprach: Ich habe die Erde hin und her durchzogen. Der Herr sprach zum Satan: Hast du Acht gehabt auf meinen Knecht Hiob? Denn es ist seinesgleichen nicht auf Erden, fromm und rechtschaffen, gottes­fürchtig und meidet das Böse. Der Satan antwortete dem Herrn und sprach: Meinst du, dass Hiob Gott umsonst fürchtet? Hast du doch ihn, sein Haus und alles, was er hat, ringsumher beschützt. Du hast das Werk seiner Hände gesegnet, und sein Besitz hat sich ausgebreitet im Lande. Aber strecke deine Hand aus und taste alles an, was er hat: was gilt’s, er wird dir ins Angesicht absagen!

Der Herr sprach zum Satan: Siehe, alles, was er hat, sei in deiner Hand; nur an ihn selbst lege deine Hand nicht. Da ging der Satan hinaus von dem Herrn.

An dem Tage aber, da seine Söhne und Töchter aßen und Wein tranken im Hause ihres Bruders, des Erstgeborenen, kam ein Bote zu Hiob und sprach: Die Rinder pflügten, und die Eselinnen gingen neben ihnen auf der Weide, da fielen die aus Saba ein und nahmen sie weg und erschlugen die Knechte mit der Schärfe des Schwerts, und ich allein bin entronnen, dass ich dir’s ansagte. Als der noch redete, kam ein anderer und sprach: Feuer Gottes fiel vom Himmel und traf Schafe und Knechte und verzehrte sie, und ich allein bin entronnen, dass ich dir’s ansagte. Als der noch redete, kam einer und sprach: Die Chaldäer machten drei Abteilungen und fielen über die Kamele her und nahmen sie weg und erschlugen die Knechte mit der Schärfe des Schwerts, und ich allein bin entronnen, dass ich dir’s ansagte. Als der noch redete, kam einer und sprach: Deine Söhne und Töchter aßen und tranken im Hause ihres Bruders, des Erstgeborenen, und siehe, da kam ein großer Wind von der Wüste her und stieß an die vier Ecken des Hauses; da fiel es auf die jungen Leute, dass sie starben, und ich allein bin entronnen, dass ich dir’s ansagte.

Da stand Hiob auf und zerriss sein Kleid und schor sein Haupt und fiel auf die Erde und neigte sich tief und sprach: Ich bin nackt von meiner Mutter Leibe gekommen, nackt werde ich wieder dahinfahren. Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen; der Name des Herrn sei gelobt!

 

Übersetzung Martin Luther
Lesung Ben Becker
Bereitstellung 59Berger

 
 
17 
 Februar 
 
2011

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Die Frohe Botschaft der Sonderpädagogik

Die Kluft
zwischen Geist und Fleischwerdung
zwischen Theorie und Praxis
zwischen Konzeption und Umsetzung

 

In Anlehnung an das Thomas-Evangelium, Logion 113:

Logion 113
Seine Jünger sprachen zu ihm:
„Das Königreich, an welchem Tage wird es erscheinen?“
„Nicht im Erwarten wird es kommen!
Sie werden nicht sagen: Siehe, hier! Oder: Dort!
Vielmehr ist das Königreich des Vaters ausgebreitet über die Erde
und die Menschen sehen es nicht.“

 
Einst gebarest,
Einst auch entzündetet ihr,

ewiger Tröster Du,
erwürd’ge Väter der Heilpädagogik,

in der Weltnacht Dunkel ein Himmelsgestirn
in der Geistesnacht Dunkel am Firmament der Wissenschaft einen Hoffnungsschimmer.

Wundernder Aufschau dem Volk
wundernder Aufschau studentischem Volk,

den Gelehrten Herold deiner Niederkunft.
den Professoren Zeichen nahenden Paradigmenwechsels.

So verkündete damals leuchtendes Sternengeleit
So offenbarte sich damals in schimmernder Lichtgestalt auf extraterrainen Gedankenbahnen

dein irdisch Erscheinen
ein Konzept pädagogischer Allmacht,

des Geistes Fleischwerdung,
der Weisheit letzter Schluss,

und erfüllte der Alten still flammende Hoffnung,
und nährte uns’rer geistigen Urväter still flammende Hoffnung,

die aus Jesajas prophetischem Wort seit jeher sich speiste
speiste der Lehramtsanwärter kühner Visionen.

So erhob sich im Kreis seiner Jünger der Menschensohn und sprach:
So erhob sich alsbald im Kreise
des neuen Lehrerkollegiums die alte Kohorte und sprach:

„Wahrlich, ich sage euch,
„Wahrlich, Novize, wir raten dir,

kein weitres Mal
kein weiteres Mal

stellt das Königreich Gottes
trübt ein Neuling mit hehren Gedankenmodellen

sich einem menschlichen Aug‘
den Blick

durch Himmelsgebaren euch dar
für den Schulalltag uns, besingt mit Engelszungen der Mode Tand,

und nimmer gewahrt
nie gewahrt

eines Deuters forschender Blick
dein Blick, der ungeübte,

die erneute Stätte göttlicher Wiederkunft.
den paradiesischen Grund didaktischer Glückseligkeit.

Gebt drum Obacht
Wir geben Obacht

vor den Lehren der Weisen
vor den Lehren der Weisen

und schmäht ihrer Weissagung Kunst.
und schmähen ihrer Evaluationen repräsentativer Größe.

Denn das Reich der Himmel,
Denn das Königreich erfolgreichen Handelns im Alltagsgetriebe

es thront nicht in Wolkenpalästen
wohnt nicht dem flüchtigen Schall akademischen Geistes inne

umsonst irret der suchende Blick
umsonst irrt sein geschärfter Blick

im Sternengewirr des unendlichen Raums.
im Theoriengewirr des unendlichen Raums.

Seht, Gottes Regentschaft ist ausgebreitet
Denn das wahre Handeln ist ausgeströmt

über der Erde Grund.
in der Praktiker Herzen.

Jedem wohnet das Göttliche inne,
Jedem Lehrer wohnt die Intuition doch inne,

ist Heimstatt
ist Heimstatt

dem schaffenden Geist,
dem rechtschaffenden Geist,

ist Tempel
ist Tempel,

des ewigen Baumeisters,
den glühenden Zielen,

Gottes wahres Heiligtum,
der Pädagogik wahres Refugium,

Opferaltar des tätigen Worts
Opferaltar des tätigen Worts

und Offenbarung
und Offenbarung

göttlichen Willens zugleich.“
pädagogischen Willens zugleich.“

 
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7 
 Februar 
 
2011

abgelegt in
Diverses | Esperanto | Fremdsprachen

 


La sankta biblio

 
 
15 
 Februar 
 
2008


 





 
Wieso ich für meinen Blog das Theme „Painted Desert“ gewählt habe?

Lawrence von Arabien, ein Brite und glühender Freund der Araber, wurde einmal die Frage gestellt, was er an der Wüste so interessant fände.
Seine Antwort war simple: »Weil sie sauber ist!«

Und gerade darin sehe ich auch das Besondere an diesem doch so reizarmen und kargen Landstrich, weil er »sauber« ist, weil er »rein« ist von all dem oft wirren Alltagslärme, vom geschäftigen Getriebe der Welt.

Weil es in dieser Stille gestattet ist, in Besinnung zu sich selbst zu kommen und jeglicher kultureller Errungenschaft, jedem Aufgebot an Menschengetümmel entschlagen ist.

Der Wüste wohnt meditativer Charakter inne, ein Ort der Transzendenz, der inneren Einkehr.

Nicht umsonst zog es die Propheten des Alten Testamentes in diese Einöde, um sich für den an sie ergangenen Sendungsauftrag vorzubereiten.
Selbst Jesus durchschritt vor seinem öffentlichen Wirken die Wüste und rüstete sich geistig.

Die Wüste als Schmelztigel besitzt Läuterungscharakter, entschlackt von Alltagsrückstanden, lässt Kräfte sammeln, sich neu ausrichten.

 




 
Wie das Volk Israel, das durch Selbstanmaßung Gott lästerte, 40 Jahre durch die Wüste ziehen musste, um einen Prozess der Reinigung zu erfahren, so finde auch ich mich auf meinem „Wüsten-Blog“ dem Prozess ständiger Reinigung unterworfen.

Täglich neu will ich ihn entschlacken, meinen Schreibstil von allem Derben, von allem Nichtigen und sinnlos dahin schwafelndem Redeschwall.
Möchte mich sammeln, besinnen, neu ausrichten.