Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

20 
 August 
 
2026


 

Thomas-Evangelium | Logion 113 –
Das Königreich Gottes

Lektüre im Studienzentrum Weimar:

Die verborgenen 114 Jesusworte (Logien)
– freie Nachdichtung –

▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬

Seine Jünger sprachen zu ihm:
“Das Königreich, an welchem Tage wird es kommen?”

“Nicht im Erwarten wird es kommen.
Sie werden nicht sagen: Siehe, hier! oder: siehe dort!
Vielmehr ist das Königreich des Vaters ausgebreitet über die Erde,
und die Menschen sehen es nicht.”

________

Einst gebarest, ewiger Tröster Du, in der Weltnacht
Dunkel den Himmelstern. Wundernder Aufschau dem Volk, den Gelehrten
Herold deiner Niederkunft. So verkündete damals
am Firmament ein Gestirn dein irdisch Erscheinen, des Geistes
Fleischwerdung, und erfüllte der Alten still flammende Hoffnung,
die aus Jesajas prophetischem Wort seit jeher sich nährte.

So erhob sich im Kreis seiner Jünger der Menschensohn und sprach:
„Wahrlich, ich sage euch, kein weit’res Mal stellt das Königreich Gottes
sich einem menschlichen Aug‘ durch Himmelsgebaren nur dar und
nimmer gewahrt eines Deuters forschender Blick die erneute
Stätte göttlicher Wiederkunft. Gebt drum Obacht vor der Weisen
Lehre und schmäht ihrer Weissagung Kunst!

Denn das Reich aller Himmel
thront nicht in Wolkenpalästen, umsonst irret suchend der Blick im
Sternengewirr des unendlichen Raums. Denn Gottes Regentschaft
ist nunmehr ausgebreitet über der Erde Grund Weite,
ist bereits ausgegossen in der Völker Schar Herzen.
Jedem wohnet das Göttliche inne, ist irdische Heimstatt
heiligen Geists, des ewigen Baumeisters Tempelstadt, gotter-
wähltes Heiligtum, Stätte des täglichen Opfers im Werk, der
Hingabe und Offenbarung göttlichen Wirkens zugleich.”

▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬

Musik:
Wolfgang Amadeus Mozart – Ave Verum
https://archive.org/details/ave_verum

#thomasevangelium #gotteskönigreich #gottesreich #göttliches

 
 
2 
 Mai 
 
2021


 

Muss ich jetzt „7 Tage“ als sprachliches Bild oder als reale Größe verstehen?
Mit dieser Frage befasse ich mich schon seit 20 Jahren.

Gute Frage! Die Zusätze, „es wurde Abend und es wurde Morgen“, ähneln unserem Tageszyklus. Könnte sich also um eine buchstäbliche Woche handeln🤔

Ich danke Dir für Deine hilfreiche Antwort!
1 Tag ist vor Gott wie tausend Jahre und der Lebensabend eines Menschen bringt es ja auch auf ein Menschenleben. Letztlich sollte man sich nicht an diesen Kleinigkeiten vielleicht aufhalten, sondern es innerhalb der literarischen Gattung als Erzählmittel verstehen.

 
 
11 
 September 
 
2018

abgelegt in
Christentum | Gedankenschau

 

Ich glaube mit Goethe an Gott-Natur, doch weiß ich nicht, ob Gott-Natur sich in seiner grenzenlosen Allmächtigkeit zwischen zwei Buchdeckel begrenzen lassen möchte, egal wie dieses Buch auch heißen möge.
Zumindest hat ihn keiner gefragt.

Ich werde weiterhin darüber nachdenken…

 
 
13 
 Dezember 
 
2017


 

Nur, dass die Sagen des Altertums ein klein wenig älter sind als das alte Testament 😉
Wer dann wohl von wem abgeschrieben hat ?!

Es wurde nicht kopiert, sondern nur weitergereicht die menschliche Erfahrung und angepasst, eingebettet in die jeweilige Kultur, zu allen Zeiten schon…

 
 
17 
 April 
 
2017

abgelegt in
Gedankenschau | Religion

 

Wie ich es mit der Religion halte?

Saladin lässt Nathan zu sich rufen und legt ihm die Frage vor, welche der drei monotheistischen Religionen er für die wahre halte. Nathan erkennt sofort die ihm gestellte Falle: Erklärt er seine Religion zur „einzig wahren“, muss Saladin das als Majestätsbeleidigung auffassen, schmeichelt er hingegen dem (muslimischen) Sultan, muss er sich fragen lassen, warum er noch Jude sei. Um einer klaren Antwort auszuweichen („Nicht die Kinder bloß, speist man mit Märchen ab“[6]), antwortet er mit einem Gleichnis: Ein Mann besitzt ein wertvolles Familienerbstück, einen Ring, der die Eigenschaft hat, seinen Träger „vor Gott und den Menschen angenehm“ zu machen, wenn der Besitzer ihn „in dieser Zuversicht“ trägt. Dieser Ring wurde über viele Generationen vom Vater an jenen Sohn vererbt, den er am meisten liebte. Doch eines Tages tritt der Fall ein, dass ein Vater drei Söhne hat und keinen von ihnen bevorzugen will. Deshalb lässt er sich von einem Künstler exakte Duplikate des Ringes herstellen, vererbt jedem seiner Söhne einen der Ringe und versichert jedem, sein Ring sei der echte.

Nach dem Tode des Vaters ziehen die Söhne vor Gericht, um klären zu lassen, welcher von den drei Ringen der echte sei. Der Richter aber ist außerstande, dies zu ermitteln. So erinnert er die drei Männer daran, dass der echte Ring die Eigenschaft habe, den Träger bei allen anderen Menschen beliebt zu machen; wenn aber dieser Effekt bei keinem der drei eingetreten sei, dann könne das wohl nur heißen, dass der echte Ring verloren gegangen sei. (Auf die Frage, wann dies geschehen sein könnte, geht der Richter nicht explizit ein; auch der Ring des Vaters kann schon unecht gewesen sein). Der Richter gibt den Söhnen den Rat, jeder von ihnen solle daran glauben, dass sein Ring der echte sei. Ihr Vater habe alle drei gleich gern gehabt und es deshalb nicht ertragen können, einen von ihnen zu begünstigen und die beiden anderen zu kränken, so wie es die Tradition eigentlich erfordert hätte. Wenn einer der Ringe der echte sei, dann werde sich dies in der Zukunft an der ihm nachgesagten Wirkung zeigen. Jeder Ringträger solle sich also bemühen, diese Wirkung für sich herbeizuführen.

Die Ringparabel (aus: „Nathan der Weise)

Dieses „Bemühen um ein menschen- und gottgefälliges Verhalten“ als Markenzeichen der „wahren Religion“ suche ich nicht im Dogma, im Lehrbuch der jeweiligen Religion (Tora, Koran, Bibel), sondern in der praktischen Umsetzung und stellle mir lediglich die Frage(n):

„Welcher Umgang wird mit den schwächsten Gliedern gepflegt und anhaltend kultiviert, ja sogar angepriesen?“

[1]
Zu diesen „schwächsten Gliedern“ zähle ich einerseits die Lebensformen unterhalb der eigenen Nahrungskette, nämlich Pflanzenwelt und Tierreich.
Wird Raubbau der Natur, Zerstörung von Ökosystemen geduldet?
Werden Tiere in irgendeiner Form gequält und/oder ausgebeutet?

[2]
Andererseits schaue ich IMMER auf die Stellung der Frau.
Ist jene integrativer, gleichbereichtigter Bestandteil der Lebensgemeinschaft oder nur Produktionsfaktor (Gebärmaschine, kostengünstigere Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt bei ungleicher Entlohnung) und Erfüllungsgehilfin einer patriarchalisch gestimmten (Männer-)Gesellschaft.

Fällt bei lediglich einer der beiden Fragen die Antwort unbefriedigend aus, so spreche ich der jeweiligen Religion ihre „Glaub-Würdigkeit“ ab und betrachte sie als Menschenwerk einer tyrannisierenden Priesterschaft zwecks Herdenbildung und Manipulation (Nietzsche), mehr noch: als Blasphemie (Gotteslästerung) eines instrumentalisierten (Juden-, Muslim-, Christen-)Gottes.

Und der Zorn Gottes (wer auch immer dies als Prinzip sein möge) wird nicht ausbleiben…

 
 
16 
 September 
 
2016

abgelegt in
Gedankenschau
Schlagwörter

0

 

meerwegflasche