Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

29 
 April 
 
2018


 

DICHTUNG Ovid
LESUNG Peter Simonischeck
BEREITSTELLUNG Lyrik & Musik


Anmerkung zum Werk:

Der 3000 Jahre alten Geschichte nach ist Narziss der schöne Sohn des Flussgottes Kephissos und der Nymphe Leiriope. Kephissos ließ Leiriope schwanger zurück. Nach der Geburt ihres Sohnes suchte die junge Mutter den Wahrsager Teiresias auf, um ihn zu fragen, ob dem Knaben ein langes Leben beschieden sei. “ So lange, bis er sich selbst kennenlernt“ – das war die Antwort. Leiriope konnte diese Worte nicht deuten und schenkte ihnen keine weitere Beachtung.

Aufgrund seiner Schönheit wurde Narziss von Männern wie Frauen umworben, die er allesamt verschmähte und grob abwies. Er zeigte sich unberührbar und hartherzig, ließ niemanden an sich heran und widerstand jeder Annäherung. Besonders verliebt hatte sich die Bergnymphe Echo in den schönen Narziss. Als sie ihm ihre Liebe gestand, wies er sie schroff zurück. Echo versteckte sich daraufhin in den Wäldern, lebte einsam, wurde menschenscheu und nahm keine Nahrung mehr zu sich bis sie schließlich verstarb.

Als Narziss eines Tages an einer klaren Quelle seinen Durst stillen wollte, beugte er sich über das Wasser und erblickte darin das Bild eines wunderschönen Jünglings. Er war entzückt von diesem Anblick, konnte aber nicht erkennen, dass er es selbst war und verliebte sich in das Bild. Bei dem Versuch, sich dem geliebten Gesicht im Wasser zu nähern, sich mit seinem Ebenbild zu vereinen, beugte er sich voller Liebesschmerz immer tiefer und tiefer über das Wasser bis er in den See stürzte und ertrank.

In seinem dritten Buch beginnt Ovid mit dem Orakel des Tiresias über Narcissus, welches besagt: „Narcissus wird alt werden, wenn er sich nicht kennt.“ Da der schöne Jüngling in fünf Jahren nur drei Jahre älter wird, begehren ihn viele Männer und Frauen. Allerdings wohnt ein hartherziger Hochmut in seiner zarten Gestalt. Echo, welche das Schicksal hatte nur Gehörtes wiederholen zu können, verliebt sich auch in Narcissus. Ihre Beeinträchtigung beruht auf einer Bestrafung der Juno, da diese jedes Mal, als sie kurz davor war die Nymphen in JuppitersArmen zu ertappen, von der geschwätzigen Echo in ein Gespräch verwickelt wurde. Echo erblickt den Hirsche jagenden Narcissus und ihr Herz entbrennt in Liebe. Als Narcissus sich einmal im Wald verirrt, ruft er um Hilfe und die Nymphe antwortet immer mit seinen letzten Worten. Schließlich fällt sie ihm um den Hals. Er aber lässt nicht zu, dass jemand Macht über ihn hat, lehnt ihre Liebe ab und flieht. Aus Liebeskummer zieht sich Echo in den Wald zurück, verbirgt ihr Gesicht und Laub und lebt in einsamen Höhlen. Einzig und allein ihre Stimme bleibt erhalten.

„…Doch die Liebe bleibt und wächst noch aus Schmerz über die Zurückweisung. Sorgen gönnen ihr keinen Schlaf und zehren den Leib jämmerlich aus; Magerkeit läßt die Haut schrumpfen, in die Luft entschwindet aller Saft des Körpers, nur Stimme und Gebein sind übrig. Die Stimme bleibt, das Gebein soll sich in Stein verwandelt haben. Seitdem ist sie in Wäldern verborgen und läßt sich auf keinem Berg blicken. Alle können sie hören. In ihr lebt nur der Klang.“

Die Metamorphose des Narcissus beschreibt Ovid besonders genau. Er lässt sich an einer Quelle nieder, um den Durst vom Jagen zu stillen. Als er das Spiegelbild seiner Schönheit erblickt, hält er die Wellen für einen Körper und begehrt sich selbst.

„…Nichts ahnend begehrt er sich selbst, empfindet und erregt Wohlgefallen, wirbt und wird umworben, entzündet Liebesglut und wird zugleich von ihr verzehrt. Wie oft gab er dem trügerischen Quell vergebliche Küsse! Wie oft tauchte er, um den Hals, den er sah, zu erhaschen, die Arme mitten ins Wasser und konnte sich nicht ergreifen! Er weiß nicht, was er sieht; doch was er sieht, setzt ihn in Flammen.“

Schließlich bemerkt Narcissus, dass er sich in sein eigenes Abbild verliebt hat und realisiert die Ausweglosigkeit, in der er sich befindet, und damit verbunden seinen baldigen Tod. Er fleht sein Spiegelbild an, doch nicht wegzugehen, schlägt sich selbst auf die Brust und schmilzt anschließend vor Liebe dahin. Zahlreiche Nymphen und auch Echo beklagen seinen Abgang – an der Stelle seines Todes ist kein Leib mehr, nur mehr eine gelbe Blume, eine Narzisse, zu finden. Die Narzisse ist einerseits ein Symbol für die Überwindung des Todes und der Wiedergeburt, andererseits steht sie aber auch, hier in Bezug auf Ovids Metamorphose, für Selbstliebe und Eitelkeit.

Quelle: Lyrik & Musik

 
 
16 
 Februar 
 
2018


 

DICHTUNG Friedrich Nietzsche
LESUNG Axel Grube
BEREITSTELLUNG MuhammedAli1980


 

Welche Sprache wird ein solcher Geist reden, wenn er mit sich allein redet? Die Sprache des Dithyrambus. Ich bin der Erfinder des Dithyrambus. Man höre, wie Zarathustra vor Sonnenaufgang (II 414 ff.) mit sich redet: ein solches smaragdenes Glück, eine solche göttliche Zärtlichkeit hatte noch keine Zunge vor mir. Auch die tiefste Schwermut eines solchen Dionysos wird noch Dithyrambus; ich nehme, zum Zeichen, das Nachtlied die unsterbliche Klage, durch die Überfülle von Licht und Macht, durch seine Sonnen-Natur, verurteilt zu sein, nicht zu lieben.

Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen. Und auch meine Seele ist ein springender Brunnen.

Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden.

Ein Ungestilltes, Unstillbares ist in mir, das will laut werden. Eine Begierde nach Liebe ist in mir, die redet selber die Sprache der Liebe.

Licht bin ich: ach daß ich Nacht wäre! Aber dies ist meine Einsamkeit, daß ich von Licht umgürtet bin.

Ach, daß ich dunkel wäre und nächtig! Wie wollte ich an den Brüsten des Lichts saugen!

Und euch selber wollte ich noch segnen, ihr kleinen Funkelsterne und Leuchtwürmer droben! und selig sein ob eurer Lichtgeschenke.

Aber ich lebe in meinem eignen Lichte, ich trinke die Flammen in mich zurück, die aus mir brechen.

Ich kenne das Glück des Nehmenden nicht; und oft träumte mir davon, daß Stehlen noch seliger sein müsse als Nehmen.

Das ist meine Armut, daß meine Hand niemals ausruht vom Schenken; das ist mein Neid, daß ich wartende Augen sehe und die erhellten Nächte der Sehnsucht.

O Unseligkeit aller Schenkenden! O Verfinsterung meiner Sonne! O Begierde nach Begehren! O Heißhunger in der Sättigung!

Sie nehmen von mir: aber rühre ich noch an ihre Seele? Eine Kluft ist zwischen Nehmen und Geben; und die kleinste Kluft ist am letzten zu überbrücken.

Ein Hunger wächst aus meiner Schönheit: wehe tun möchte ich denen, welchen ich leuchte, berauben möchte ich meine Beschenkten also hungere ich nach Bosheit.

Die Hand zurückziehend, wenn sich schon ihr die Hand entgegenstreckt: dem Wasserfall gleich, der noch im Sturze zögert also hungere ich nach Bosheit.

Solche Rache sinnt meine Fülle aus, solche Tücke quillt aus meiner Einsamkeit.

Mein Glück im Schenken erstarb im Schenken, meine Tugend wurde ihrer selber müde an ihrem Überflusse!

Wer immer schenkt, dessen Gefahr ist, daß er die Scham verliere; wer immer austeilt, dessen Hand und Herz hat Schwielen vor lauter Austeilen.

Mein Auge quillt nicht mehr über vor der Scham der Bittenden; meine Hand wurde zu hart für das Zittern gefüllter Hände.

Wohin kam die Träne meinem Auge und der Flaum meinem Herzen? O Einsamkeit aller Schenkenden! O Schweigsamkeit aller Leuchtenden!

Viel Sonnen kreisen im öden Räume: zu allem, was dunkel ist, reden sie mit ihrem Lichte mir schweigen sie.

O dies ist die Feindschaft des Lichts gegen Leuchtendes: erbarmungslos wandelt es seine Bahnen.

Unbillig gegen Leuchtendes im tiefsten Herzen, kalt gegen Sonnen also wandelt jede Sonne.

Einem Sturme gleich wandeln die Sonnen ihre Bahnen. Ihrem unerbittlichen Willen folgen sie, das ist ihre Kälte.

O ihr erst seid es, ihr Dunklen, ihr Nächtigen, die ihr Wärme schafft aus Leuchtendem! O ihr erst trinkt euch Milch und Labsal aus des Lichtes Eutern!

Ach, Eis ist um mich, meine Hand verbrennt sich an Eisigem! Ach, Durst ist in mir, der schmachtet nach eurem Durste.

Nacht ist es: ach, daß ich Licht sein muß! Und Durst nach Nächtigem! Und Einsamkeit!

Nacht ist es: nun bricht wie ein Born aus mir mein Verlangen nach Rede verlangt mich.

Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen. Und auch meine Seele ist ein springender Brunnen.

Nacht ist es: nun erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden.

 
 
16 
 April 
 
2017

abgelegt in
Musik | Schlager

 

Heinz Köm

Wir sind alle kleine Sünderlein,
’s war immer so, ’s war immer so.
Der Herrgott wird es uns bestimmt verzeih’n,
’s war immer, immer so.
Denn warum sollten wir auf Erden
schon lauter kleine Englein werden?
Wir sind alle kleine Sünderlein,
’s war immer so, ’s war immer so.
Englein können wir im Himmel sein,,
’s war immer so, immer so.

Wir dreh’n uns nach hübschen Mädeln um,
’s war immer so, ’s war immer so.
Und die Mädeln wissen schon warum,
’s war immer, immer so.
Denn wenn wir nit zueinander streben,
dann kann’s ja keine neuen geben!
Drum dreh’n wir uns nach den Mädeln um,
’s war immer so, ’s war immer so.
Und die Mädeln wissen schon warum,
’s war immer, immer so.

Uns quält oft ein großes Durstgefühl,
’s war immer so, ’s war immer so.
Und dann sind wir immer sehr labil,
’s war immer, immer so.
Erst woll’n wir nur ein Gläschen naschen,
doch dann gibt’s nur noch leere Flaschen . . .
Wir sind halt alle kleine Sünderlein,
’s war immer so, ’s war immer so.
Doch der Herrgott wird’s bestimmt verzeih’n,
’s war immer, immer so.