| 6 Januar 2019 | |
| DICHTUNG | Khalil Gibran | |
| LESUNG | Sebastian Koch | |
| MUSIK-REALISATION | Andreas Lucas | |
| BEREITSTELLUNG | LYRIK & MUSIK |
„Ihr möchtet die Zeit messen,
die doch ohne Maß ist und unermeßlich.
Ihr möchtet euer Handeln und selbst
den Lauf eures Geistes nach Stunden
und Jahreszeiten ordnen.
Aus der Zeit möchtet ihr einen Fluß machen,
von dessen Ufer aus ihr, in Muße,
dessen Strömen betrachten könnt.
Doch das Zeitlose in euch ist sich der Zeitlosigkeit des Lebens bewußt.
Und wer weiß, dass das Gestern nichts
als die Erinnerung des Heute und das
Morgen das, was das Heute erträumt.
Und was in euch singt und gewahrt,
wohnt nach wie vor in den Grenzen jenes
ersten Moments, der die Sterne im
Weltraum verstreute.
Wer von euch spürt etwa nicht, daß
seine Fähigkeit zu lieben unbegrenzt ist?
Und dennoch, wer empfindet nicht, daß
eben diese Liebe, wenn auch unbegrenzt,
doch restlos im Zentrum seines Wesens
enthalten ist und sich nicht von Liebes-
gedanken zu Liebesgedanken
bewegt – noch von Liebeshandlung zu Liebeshandlung?
Und ist etwa Zeit nicht ganz so wie die
Liebe – ungeteilt und raumlos?
Aber – wenn ihr schon die Zeit in
Gedanken nach Jahreszeiten bemessen
müßt, dann möge jede einzelne Jahres-
zeit alle übrigen Jahreszeiten umfasssen.
Und – das Heute umarme das Vergangene
mit Erinnern und das Künftige mit
Sehnsucht!“
| 10 Mai 2018 | |
Ich schaute heute in geraffter Form eine Dokumentation über Romy Schneider.
Eine starke Frau mit einer traurigen, wechselhaften Lebensgeschichte, nicht zuletzt auch der tragische Verlust ihres jungen Sohnes, die Flucht in Alkohol und in den Medikamentenmissbrauch.
Ständig war sie auf der Suche nach einem Heimathafen ihres Herzens, um anzulegen.
Irgendwie ist alles so traurig…
[ Bemerkung zum Text ] [1] Ich distanziere mich explit zu Bezügen aus meinem privaten Umfeld,
die rein zufällig wären.
Die Übersetzung entstammt lyrictranslate.
* * *
La chanson d’Hélène
Helenes Lied
Ce soir nous sommes septembre et j’ai fermé ma chambre.
Heute Abend haben wir September und ich habe mein Zimmer verschlossen.
Le soleil n’y entrera plus
Die Sonne wird nicht mehr hereinscheinen.
Tu ne m’aimes plus.
Du liebst mich nicht mehr.
Là-haut un oiseau passe comme une dédicace dans le ciel.
Da oben fliegt ein Vogel vorbei, wie eine Widmung am Himmel.
Parlé:
Je t’aimais tant Hélène.
Ich liebte Dich so sehr, Helene.
Il faut se quitter.
Man muss sich verlassen.
Les avions partiront sans nous.
Die Flugzeuge werden ohne uns abfliegen.
Je ne sais plus t’aimer Hélène.
Ich kann Dich nicht mehr lieben, Helene.
Avant dans la maison j’aimais quand nous vivions comme un dessin d’enfant.
Früher liebte ich es, wenn wir im Haus wie in einer Kinderzeichnung lebten.
Tu ne m’aimes plus
Du liebst mich nicht mehr.
Je regarde le soir tomber dans les miroirs.
Ich schaue zu, wie der Abend in den Spiegeln anbricht.
C’est la vie.
So ist das Leben.
Parlé:
C’est mieux ainsi Hélène.
Es ist besser so, Helene.
C’était l’amour sans amitié Il va falloir changer de mémoire.
Wir liebten uns ohne Freundschaft, man muss die Erinnerung ändern.
Je ne t’écrirai plus Hélène.
Ich werde Dir nicht mehr schreiben, Helene.
L’histoire n’est plus à suivre et j’ai fermé le livre.
Diese Geschichte hat keine Zukunft mehr und ich werde das Kapitel abschließen.
Le soleil n’y entrera plus.
Die Sonne wird nicht mehr hereinscheinen.
Tu ne m’aimes plus.
Du liebst mich nicht mehr.
Fußnoten
| 31 Oktober 2017 | |
| DICHTUNG | Rainer Maria Rilke | |
| LESUNG | Patricia Kaas | |
| BEREITSTELLUNG | LYRIK & MUSIK |
| Ce soir mon coeur fait chanter des anges qui se souviennent… Une voix, presque mienne, par trop de silence tentée, monte et se décide à ne plus revenir; tendre et intrépide, à quoi va-t-elle s’unir? | Heute abend macht mein Herz Engel singen, die sich erinnern… Eine Stimme, fast meine, durch zuviel Stille versucht, steigt auf und entschließt sich, nicht mehr wiederzukehren; zart und unerschrocken, womit wird sie sich vereinen? |
| 28 Juli 2017 | |
Orpheus‘ Trost
Im tanzenden gleisen Morgenlichte
des munteren Lebenstaumels
schimmert silberner Inschrift
kühl der Marmor:
Heil der schönen Trösterseele,
dein wahrer Glanz verblasset nie!
Dein Erdenstreif umging den Pfad
der unbeschwerten Sinneslust,
beschritt getreu den Dornenweg,
den schmalen Steig der Tugendlast.
Allzu früh im Jugendgarten
flammte dir der Toteninsel
Fackelruf! Ein köstlich Los ward
dir zuteil, der Götter Liebling,
die treu die Ihren im Schoße empfangen.
Wohlan, Teure, Morpheus‘ Lager rufet dich,
hebe dich getrost in Charons sich’ren Kahn!
* * *
Eines Wanderers forschendes Auge
streifet über die flüsternden Lettern
und wieget bedächtig das Herz.
Der stählerne Blick, er zerbricht
und schmilzt bestürmt zur Tränensaat.
Die heilige Erde,
benetzt von dem salzigen Kleinod,
sie atmet und haucht der Verstorbenen Geist
mit rankem Bemüh’n in das Ohr:
„Siehe,
wie rings umher auf lichtgeschwellter Heide
der reichen Apfelbäume Blütenschar
an Helios‘ Liebesstreiche sich erlabt,
dass jedes weilend Auge sich
mit trunk’nem Sinn daran erfreuet.
Auch dieses Schmuckgewande welkt,
entweicht und muss entweichen höher’m Glücke,
das waltende Zepter dazureichen
der eigentlichen Segensfrucht.
Wenn des Samens fahle Hülle nicht erstirbt,
vermag der Spross aus ewigem Schattenreiche
nimmer sich erheben.
Es ziert der Venus wahre Gunst,
wenn flücht’ger Dunst der nieder’n Kunst
entflieht und Schönes Schöneres gebiert.“
→ Eherne Welt
Fußnoten
| 11 Juli 2017 | |
Oh, Weimar, Du gabst das Gefühl mir einst, dass ich „angkommen“ bin, gebotest dem Weltlärm Einhalt und zogest mich treu an Deine Brust!
Entfliehe nimmer meinem mattgewordenen Sinn…
| 17 Juni 2017 | |
Oh, wär mein junges Leben doch ein Traum. Und würd auch mein Geist nicht wach bis dass der Strahl der Ewigkeit den Morgen brächte. Obwohl der Traum von schlimmen Kummer war, er war doch besser als die Wirklichkeit des wachen Lebens für den, dessen Herz gleich von Geburt an auf der Erde sein muss – Ein Chaos aus der tiefsten Leidenschaft.
Doch sollte es so sein, der Traum geht ewig; wie Träume in der Kindheit zu mir waren; sollte es so sein, es wäre Narrheit noch auf eine höhere Macht zu hoffen. Denn als die Sonne hell im Sommer schien, hab ich von Licht und Lieblichkeit geträumt. Doch hab ich mein Herz verloren in einem Land der Phantasie, getrennt von meinem Heim, und die Bewohner waren Geschöpfe meiner eigenen Gedanken.
Es war einmal – an diese wilde Stunde werde ich mich stets erinnern – eine Kraft. Ein Zauber hatte mich gebunden. Wind kam kalt des Nachts und ließ; sein eigenes Bild auf meinem Geist zurück. Der Mond hat kühl auf meinen Schlaf hinab geschienen, oder waren’s Sterne? Was auch immer, der Traum war wie der Nachtwind – lass ihn gehen.
Ich war einst glücklich, wenn auch nur im Traum, doch ich war glücklich. Und ich liebe Träume. Die lebensfüllende Lebendigkeit wie in dem nebligen Widerstreit von Wahn und Wachen, die dem Träumerauge unendlich schöne Dinge bringt, von Paradies und Liebe – alles gehört uns, weit mehr als Hoffnung je versprechen konnte.









































