Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

13 
 November 
 
2017


 

Der gefesselte Prometheus

 
Musik
Wolfgang Amadeus Mozart [1]Klavierkonzert Nr. 20, KV 466 – Quelle: www.archive.org


Eos‘ Erwachen

Feuertrunkener Pokal,
gieß‘ deiner Glut Fülle
über die nachtträufen Wipfel
dunkleren Schluchzens mein!

Hochloh bestürmet der Brand
sodann deine Himmel.
→ zu Mnemosynes Geleit
Pygmalions Werkstatt

Fußnoten   [ + ]

 
 
13 
 August 
 
2017


 

Ganymed [1]Xenophon sieht im entrückten Ganymed den Beweis dafür, dass nicht die physischen, sondern die geistigen Vorzüge die Liebe der Götter gewinnen. Auf römischen Sarkophagen findet man ihn als Symbol für die Erhebung der menschlichen Seele über das Irdische.
 
Musik
Benedetto Marcello[2]Adagio

[ Bemerkung zum Text ] [3]Ich distanziere mich explit zu Bezügen aus meinem privaten Umfeld, die rein zufällig wären und der Text darüberhinaus dem Jahre 2012(?) entstammt. Lediglich die Verortung im Gedichtezyklus „Mnemosynes Geleit“ war angedacht.

* * *

Zuspruch zu erlesener Stunde

Nachttau umflorte Eos,
sei doch
deines Siegs dir gewiss, [4]des Triumphs dir gewiss
denn nicht umsonst
füllte sich feuertrunken dein Morgenkelch,
goss mir neu ermunterten Glanz
aufs aschfahle Haupt!

Sandte selbst
dem Segenshaupt dein,
sinngeläutert
Wonnefluss milde entgegen.

Reichten einander die Schale
vom Dämmerquell still entflammender Liebe,
bis Helios seine Rosse spannte.
→ zu Mnemosynes Geleit
Pygmalions Werkstatt

Fußnoten   [ + ]

 
 
25 
 November 
 
2016

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aus: Buch der Lieder


 

Hoffnung und Liebe! Alles zertrümmert!
Und ich selber, gleich einer Leiche,
Die grollend ausgeworfen das Meer,
Lieg ich am Strande,
Am öden, kahlen Strande,
Vor mir woget die Wasserwüste,
Hinter mir liegt nur Kummer und Elend,
Und über mich hin ziehen die Wolken,
Die formlos grauen Töchter der Luft,
Die aus dem Meer, in Nebeleimern,
Das Wasser schöpfen,
Und es mühsam schleppen und schleppen,
Und es wieder verschütten ins Meer,
Ein trübes, langweilges Geschäft,
Und nutzlos, wie mein eignes Leben.
Die Wogen murmeln, die Möwen schrillen,
Alte Erinnerungen wehen mich an,
Vergessene Träume, erloschene Bilder,
Qualvoll süße, tauchen hervor!

Es lebt ein Weib im Norden,
Ein schönes Weib, königlich schön.
Die schlanke Zypressengestalt
Umschließt ein lüstern weißes Gewand;
Die dunkle Lockenfülle,
Wie eine selige Nacht,
Von dem flechtengekrönten Haupte sich ergießend,
Ringelt sich träumerisch süß
Um das süße, blasse Antlitz;
Und aus dem süßen, blassen Antlitz,
Groß und gewaltig, strahlt ein Auge,
Wie eine schwarze Sonne.

O, du schwarze Sonne, wie oft,
Entzückend oft, trank ich aus dir
die wilden Begeistrungsflammen,
Und stand und taumelte, feuerberauscht –
Dann schwebte ein taubenmildes Lächeln
Um die hochgeschürzten, stolzen Lippen,
Und die hochgeschürzten, stolzen Lippen
Hauchten Worte, süß wie Mondlicht,
Und zart wie der Duft der Rose –
Und meine Seele erhob sich
Und flog, wie ein Aar, hinauf in den Himmel!

Schweigt, ihr Wogen und Möwen!
Vorüber ist Alles, Glück und Hoffnung,
Hoffnung und Liebe! Ich liege am Boden,
Ein öder, schiffbrüchiger Mann,
Und drücke mein glühendes Antlitz
In den feuchten Sand.

 

Textdichter Heinrich Heine
Rezitation Claus Maria Brandauer
Bereitstellung 59Berger