| 28 August 2017 |
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Eine Rezension von Uwe Bekemann
Und er hat es wieder getan! In bester Loriot-Manier hat Manfred Herbold den Schachspielern auf den Mund, die Finger und ins Gehirn geschaut, um sie dann scharf gezeichnet, humorvoll, oft spitzzüngig und manchmal auch entlarvend so zu porträtieren, dass wir alle den einen oder anderen Zeitgenossen wiedererkennen, manchmal uns selbst sogar wie in einem Spiegel.

Nach seinem Erstlingswerk „Der Schachtherapeut“ im Jahre 2009 erschienen, hat er nun einen Folgeband mit dem Titel „Der Schachtherapeut – Reloaded“ (Band 2) auf die Menschheit losgelassen. Manfred Herbold lässt uns mit seinen Beschreibungen den Schachspieler als solchen mit fast allen unseren Sinnen virtuell wahrnehmen; man kann ihn quasi sehen, hören, manchmal leider auch riechen und auch ertasten. Allein schmecken lässt er ihn uns nicht, und das ist auch gut so.
Als Schachtherapeut nimmt er sich der Sorgen und Nöte seiner Patienten an, versucht deren Seele oder Psyche wieder in die Reihe zu bringen. Ob sie immer wieder suizidale Eröffnungen spielen, den Patzer des Jahrhunderts auf das Brett gezaubert haben oder einfach nur spielen können, wenn ihr Plüschtier neben dem Brett hockt – der Schachtherapeut hilft. Nur bei seinem schwierigsten Patienten, Herrn Lobrehd, da wird er sich die Zähne ausbeißen. Dieser Herr ist allerdings niemand anders als der Herr Autor selbst, dessen Name sich hier hinter einem Ananym versteckt.
„Der Schachtherapeut – Reloaded“ ist eine Mischung aus vielen bunten Geschichten und Geschichtchen, amüsant, lustig oder auch brüllend komisch, und Schach. Es gibt kommentierte Partien aus dem Amateurschach und dem Meisterspiel, Fragmente, Studien, Kunstpartien unter einem bestimmten Themendach und sehr viel mehr. Zu dem „Sehr-viel-mehr“ zählt beispielsweise auch ein Strauß großartiger Illustrationen von Frank Stiefel, die an sich schon überaus sehenswert sind und zudem noch in eine Symbiose mit dem jeweiligen Gegenstand der Beschreibung treten.

Herbold trägt den Titel eines Candidate Master (CM), ist ein überaus fleißiger und erfahrener Turnierspieler und in seinem „Zivilberuf“ Lehrer, was ein sicheres Indiz dafür ist, dass er lesen und schreiben kann. Mit „Der Schachtherapeut – Reloaded“ beweist er erneut, dass er nicht nur schreiben kann, sondern ein ausgezeichneter Schreiber in Sachen Schachunterhaltung ist.
In einem zweiten wichtigen Teil des Buches wird er von mehreren Schachenthusiasten unterstützt, die Gastbeiträge beigesteuert haben. Für die bunte Mischung zeigen sich u. a. Franz Jittenmeier, Kopf hinter dem Internetportal Schach-Ticker (Award-Gewinner 2015), Rainer Schlenker, legendärer „Reiter“ des früheren Magazins RANDSPRINGER und Erfinder so amüsanter Begriffe wie „lange Peitsche“ im Schach, sowie der „Glarean“-Herausgeber Walter Eigenmann verantwortlich, um nur drei aus diesem Reigen zu nennen.
Der dritte und zugleich letzte Teil des Werkes, überschrieben mit „Extras“, enthält tatsächlich Extras, also in der Regel kurze Beiträge, für die es keinen inhaltlich gemeinsamen Nenner gibt. Hier finden sich kommentierte Partien, Überlegungen zu einem Eröffnungsthema, kurze Textbeiträge und so das „übliche Formelle“ wie ein Partienverzeichnis.
Wenn ein Buch mit mehreren Vorworten („Vorwörtern“) aufwartet und die Verfasser GM Matthias Wahls, GM Ralf Appel und Ulrich Höfer (Saarländische Schachkultur e. V.) heißen, dann scheint es viel zu versprechen. Ich habe mich davon überzeugt, dass es nicht bei diesem Versprechen bleibt, sondern es den Leser ausgezeichnet unterhält.
Manfred Herbold stemmt das Projekt beinahe ganz alleine. So ist das Buch vorwiegend über seine Webseite www.schachtherapeut.de bestellbar. (Email: mherbold@gmx.net / Tel.: 06351-125374)
In der Vorbereitung meiner Rezension hat er mir einen kleinen erfreulichen Ausblick gegeben. Es sind auch schon Band 3 „Der Schachtherapeut – Revolutions“ und Band 4 (zusammen mit GM Michael Hoffmann) „Der Schachtherapeut – 60 Shades of Chess – Mein Schachtestament“ in Planung und Arbeit.
„Der Schachtherapeut – Reloaded“ ist als Hardcover, mit Fadenheftung, auf 135 gr. Qualitätspapier ausgezeichnet verarbeitet. Das Buch kostet 19,80 Euro (der Versand als Büchersendung erfolgt kostenfrei). Band 1 ist übrigens in einer überarbeiteten Auflage ebenfalls erhältlich (Preis: 16,80 Euro, versandkostenfrei).
Fazit: „Der Schachtherapeut – Reloaded“ ist ein sehr zu empfehlender Vertreter aus dem Hause Schachunterhaltung. Es macht einfach Spaß, darin zu lesen, und sorgt für gute Laune. So ist es auch ein echter Kandidat für ein Geschenk an einen Schachfreund oder aber an sich selbst.
Quelle: Chess-International
| 24 Oktober 2015 |
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| DICHTUNG | Friedrich Schiller | |
| LESUNG | Jürgen Goslar | |
| BEREITSTELLUNG | wortlover |
Es reden und träumen die Menschen viel
Von bessern künftigen Tagen,
Nach einem glücklichen goldenen Ziel
Sieht man sie rennen und jagen;
Die Welt wird alt und wird wieder jung,
Doch der Mensch hofft immer Verbesserung.
Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein,
Sie umflattert den fröhlichen Knaben,
Den Jüngling locket ihr Zauberschein,
Sie wird mit dem Greis nicht begraben.
Denn beschließt er im Grabe den müden Lauf,
Noch am Grabe pflanzt er – die Hoffnung auf.
Es ist kein leerer schmeichelnder Wahn,
Erzeugt im Gehirne des Toren,
Im Herzen kündigt es laut sich an.
Zu was Besserm sind wir geboren!
Und was die innere Stimme spricht,
Das täuscht die hoffende Seele nicht.
| 12 Januar 2012 |
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Es reden und träumen die Menschen viel
Von bessern künftigen Tagen,
Nach einem glücklichen goldenen Ziel
Sieht man die rennen und jagen,
Die Welt wird alt und wird wieder jung,
Doch der Mensch hofft immer Verbesserung!
Die Hoffnung fuehrt ihn ins Leben ein,
Sie umflattert den fröhlichen Knaben,
Den Jüngling locket ihr Zauberschein,
Sie wird mit dem Greis nicht begraben,
Denn beschließt er im Grabe den müden Lauf,
Noch am Grabe pflanzt er – die Hoffnung auf.
Es ist kein leerer schmeichelnder Wahn,
Erzeugt im Gehirne des Toren.
Im Herzen kündet es laut sich an,
Zu was Besserm sind wir geboren!
Und was die innere Stimme spricht,
Das täuscht die hoffende Seele nicht.
| Textdichter | Friedrich Schiller | |
| Lesung | Gedichtvortrag |
| 31 Dezember 2011 |
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Ob nun Gott dem Adam den Geist einblies oder Athene des Prometheus‘ Tonwerk die Weisheit einhauchte?
Letztlich führte beides zur Aufblähung des Großhirnes, was die Evolutionstheoretiker mit dem Schädelwachstum unserer Vorahnen eindrücklich bewiesen haben.
Unterschiedliche Sichtweisen (wissenschaftlich oder mythologisch ausgeschmückt) für ein und den selben Sachverhalt.
Das eine schließt das andere nicht aus, sondern ergänzt sich.
Ping-Pong auf hohem Niveau: Satz und Sieg für die Vernunft!
| 23 Mai 2011 |
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Ewig tobt schon der Streit der Geschlechter! Denn wer von den beiden
darf sich des edleren Geistes gewahren? Der Frauen Partei, die
viele Aufgaben zeitgleich bewältigt, als wahres Multitalent? Hmmm…
Hätte im alten Ägypten die Frau Pyramiden gebauet:
Tausendfältig zerstreuet, es wäre ein Turmbau zu Babel.
Oder der Männer recht einfach gestricktes Nervengeknäul, das
nur einer Tat sich in einem Moment still ergibt und mit heil’gem
Ernst der Beharrlichkeit nach der Vollendung des einen hinstrebet?
Welch Graus! Die Schar vieler Kinder, sie zerret am Nervenkostüme.
Tut Ench Amun, was auch Nofre täte? Ich wag’s zu bezweifeln!
Jedes Geschlecht, es hat seinen Vorzug als auch seine Leiden.
Zu verschieden die Geister, zu groß der Gedankenkosmos, der
streng im Weltengewirr sich eigner Gesetze behauptet.
| 19 September 2009 |
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Rezitierte Gedichte
Auf den Mund (0:09)
Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau (1616 – 1679)
Mund! der die Seelen kann durch Lust zusammen hetzen.
Mund! der viel süsser ist als starker Himmelswein.
Mund! der du Alikant des Lebens schenkest ein.
Mund! den ich vorziehn muss der Inden reichen Schätzen.
Mund! dessen Balsam uns kann stärken und verletzen.
Mund! der vergnügter blüht als aller Rosen Schein.
Mund! welchem kein Rubin kann gleich und ähnlich sein.
Mund! den die Gratien mit ihren Quellen netzen;
Mund! ach Korallenmund mein einziges Ergötzen!
Mund! laß mich einen Kuß auf deinen Purpur setzen.
Die Wollust (2:12)
Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau (1616 – 1679)
Die Wollust bleibet doch der Zucker dieser Zeit,
was kann uns mehr denn sie den Lebenslauf versüßen?
Sie lässet trinkbar Gold in unsre Kehle fließen
und öffnet uns den Schatz beperlter Liebligkeit.
In lauter Rosen kann sie Schnee und Eis verkehren
und durch das ganze Jahr die Frühlingszeit gewähren.
Es schaut uns die Natur als rechte Kinder an,
sie schenkt uns ungespart den Reichtum ihrer Brüste.
Sie öffnet einen Saal voll zimmetreicher Lüste,
wo aus des Menschen Wunsch Erfüllung quellen kann.
Sie legt als Mutter uns die Wollust in die Armen
und lässt durch Lieb und Wein den kalten Geist erwarmen.
Nur das Gesetze wil allzu tyrannisch sein,
es zeiget jederzeit ein widriges Gesichte.
Es macht des Menschen Lust und Freiheit ganz zunichte
und flöst vor süßen Most uns Wermuthtropfen ein.
Es untersteht sich uns die Augen zu verbinden
und alle Liebligkeit aus unser Hand zu winden.
Die Ros‘ entblösset nicht vergebens ihre Pracht,
jeßmin wil nicht umsonst uns in die Augen lachen.
Sie wollen unser Lust sich dienst- und zinsbar machen.
Der ist sein eigen Feind, der sich zu Plagen tracht.
Wer vor die Schwanenbrust ihm Dornen will erwählen,
dem muß es an Verstand und reinen Sinnen fehlen.
Was nutzet endlich uns doch Jugend, Kraft und Mut,
wenn man den Kern der Welt nicht reichlich will genüssen
Und dessen Zuckerstrom lässt unbeschifft verschießen.
Die Wollust bleibet doch der Menschen höchstes Gut
Wer hier zu Segel geht, dem wehet das Gelücke
und ist verschwenderisch mit seinem Liebesblicke.
Wer Epikuren [Epicuren] nicht vor seinen Lehrer hält,
der hat den Weltgeschmack und allen Witz verloren.
Es hat ihr die Natur als Stiefsohn ihn erkoren.
Er muß ein Unmensch sein und Scheusal dieser Welt,
der meisten Lehrer Wahn erregte Zwang und Schmerzen.
Was Epikur gelehrt, das kitzelt noch die Herzen.
Grabschrift eines Lasterhaften (5:15)
Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau (1616 – 1679)
Die Leber ist zu Wien! Das Glied zu Rom geblieben!
Das Herz in einer Schlacht! und das Gehirn an Lieben!
Doch dass der Leib nicht ganz verloren möchte sein
so legte man den Rest hier unter diesen Stein.
Grabschrift eines Schlafsüchtigen (5:44)
Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau (1616 – 1679)
Hier liegt ein fauler Leib, der aus dem Tage Nacht
und aus dem Leben Tod durch Schlafen hat gemacht.
Aus allzu großer Furcht, dass man ihn noch erwecket
so hat er sich hierher in dieser Gruft verstecket.
Grabschrift einer lustigen Jungfrau (6:12)
Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau (1616 – 1679)
Die euch für Schmuck und Gold entblößte Leib und Brust
machte der grimme Tod nun zu der Würmer Kost.
Ihr Buhler, lasset hier eure Tränenströme fließen,
So kann noch mancher Wurm zur Speis auch Trank genießen.
Grabschrift eines Mohren (6:44)
Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau (1616 – 1679)
Kein Europäer soll die schlechte Grabschrifft lesen
und lachen, dass ich schwarz und nackend bin gewesen.
Ich trug das Mutterkleid, du trägst die Haut der Kuh,
du bist mehr Vieh als ich, ich war mehr Mensch als du.
Gedanken bei Antretung des fünfzigsten Jahres (Auszug) (7:27)
Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau (1616 – 1679)
Mein Auge hat den alten Glanz verloren.
Ich bin nicht mehr, was ich vor diesem war.
Es klinget mir fast stündlich in den Ohren:
vergiss der Welt und denk auf deine Bar.
Und ich empfinde nun aus meines Lebens Jahren
Das fünfzig schwächer sind als fünfundzwanzig waren.
Du hast, mein Gott, mich in des Vaters Lenden
als rohen Zeug genädig angeschaut
und nachmals auch in den verdeckten Wänden
ohn alles Licht durch Allmacht aufgebaut.
Du hast als Steuermann und Leitstern mich geführet,
wo man der Wellen Sturm und Berge Schrecken spüret.
Du hast den Dorn in Rosen mir verkehret
und Kieselstein zu Kristallin gebracht.
Dein Segen hat den Unwert mir verzehret
und Schlackenwerk zu gleichem Erz gemacht.
Du hast als Nulle mich den Zahlen zu gesellet
der Welt Gepränge gilt nach dem es Gott gefället.
Ich bin zuschlecht vor dieses Dank zusagen
Es ist zu schlecht was ich dir bringen kann.
Nimm diesen doch, den du hast jung getragen
als Adlern jetzt auch in dem Alter an.
Ach, stütze Leib und Geist und lass bei grauen Haaren
nicht grüne Sündenlust sich meinem Herzen paaren.
Lass mich mein Amt mit Freudigkeit verwalten,
lass Trauersucht nicht stören meine Ruh.
Lass meinen Leib nicht wie das Eis erkalten
und lege mir noch etwas Kräfte zu.
Hilf, dass mich Siechtum nicht zu Last und Ekel mache,
der Morgen mich bewein, der Abend mich verlache.
Lass mich die Lust des Feindes nicht berücken
Die Wermut oft mit Zucker überlegt.
Verwirr ihn selbst im Garne seiner Tücken,
dass der Betrug nach seinem Meister schlägt.
Lass mich bei guter Sach ohn alles Schrecken stehen
Und unverdienten Hass zu meiner Lust vergehen.
Verjüng in mir des schwachen Geistes Gaben
Der ohne dich ohn alle Regung liegt.
Lass mit der Zeit mich diesen Nachklang haben:
Das Eigennutz mich niemals eingewiegt.
Dass mir des Nächsten Gut hat keinen Neid erwecket.
Sein Ach mich nicht erreicht, sein Weinen nicht beflecket.
Hilf, dass mein Geist zum Himmel sich geselle
und ohne Seid und Schminke heilig sei.
Bist du doch, Herr, der gute reine Quelle;
So mache mich von bösen Flecken frei.
Wie leichtlich lässt sich doch des Menschen Auge blenden!
Du weisst wie schwach es ist, es kommt aus deinen Händen.
Denn führe mich zu der erwählten Menge
und in das Licht durch eine kurze Nacht:
Ich suche nicht ein großes Leichgepränge
aus Eitelkeit und stolzer Pracht erdacht.
Ich will kein ander Wort um meinen Leichstein haben
Als dies: Der Kern ist weg, die Schalen sind vergraben.


































