Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

8 
 Juni 
 
2017

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5 
 März 
 
2017


 

Dichterarena

Nicht Pindar preis‘ ich, noch Ibykos, noch Alkaios,
das Pferdegespann antiker Dichtung…
Apoll nur, dem Lenker des Wagens, gilt Ruhm!

Denn erst wenn die Gottheit
den Zügel der sprachlichen Wendung wohl führt,
dem Versfuß sodann galoppierende Gräzie befehligt,
vollenden Dichter im Wettstreitgemenge die Laufbahn,
grünt ihnen der Lorbeer.

→ zu Mnemosynes Geleit
Hephaistos‘ Kunstschmiede
 
 
6 
 August 
 
2016


 

O welt! ich muß dich lassen,
Ich fahr‘ dahin mein‘ straßen
In’s ew’ge vaterland;
Mein’n geist will ich aufgeben,
Dazu mein leib und leben
Setzen in Gottes gnäd’ge hand.

Mein‘ zeit ist nun vollendet,
Der tod das leben endet,
Sterben ist mein gewinn;
Kein bleiben ist auf erden,
Das ew’ge muß mir werden:
Mit fried und freud‘ ich fahr‘ dahin.

Ob mich gleich hat betrogen
Die welt, von Gott gezogen
Durch schand‘ und büberei,
Will ich doch nicht verzagen,
Sondern mit glauben sagen,
Daß mir mein‘ sünd‘ vergeben sei.

Auf Gott steht men vertrauen,
Sein antlitz will ich schauen,
Wahrlich, durch Jesum Christ,
Der für mich ist gestorben,
Des Vaters huld erworben,
Mein mittler er auch worden ist.

Die sünd‘ mag mir nicht schaden,
Erlös’t bin ich aus gnaden,
Umsonst durch Christi blut.
Kein werk kommt mir zu frommen,
So will ich zu ihm kommen
Allein durch wahren glauben gut.

Ich bin ein unnütz knechte,
Mein thun ist viel zu schlechte,
Denn daß ich ihm bezahl‘
Damit das ew’ge leben,
Umsonst will er mir’s geben,
Und nicht nach mein’m verdienst und wahl.

Drauf will ich fröhlich sterben,
Das himmelreich ererben,
Wie er’s mir hat bereit’t.
Hier mag ich nicht mehr bleiben,
Der tod thut mich vertreiben,
Mein‘ seele sich vom leibe scheid’t.

Damit fahr‘ ich von hinnen,
O welt! thu‘ dich besinnen,
Denn du mußt auch hernach;
Thu‘ dich zu Gott bekehren,
Und von ihm gnad‘ begehren,
Im glauben sei du auch nicht schwach.

Die zeit ist schon vorhanden,
Hör‘ auf von sünd‘ und schanden,
Und richt‘ dich auf die bahn
Mit beten und mit wachen,
Sonst all‘ irdische sachen
Sollt du gutwillig fahren lan.

Das schenk‘ ich dir am ende:
Ade! zu Gott dich wende,
Zu ihm steht mein‘ begier.
Hüt‘ dich für pein und schmerzen,
Nimm mein’n abschied zu herzen,
Mein’s bleibens ist jetzt nicht mehr hier.

 

Dichter  Johann Hesse   |   Sprecher  Jürgen Fritsche