Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

23 
 Dezember 
 
1996


 

[an T.A. anläßlich ihres verlorengegangenen Gitarrenstöpsels am 23.12.96; original belassen, keine metrische Glättung]

Und wie, alles OSRAM, mein immerleuchtendes Glühwürmchen !!!

Laut deinem drängenden Geheiss,
mein 39-pferdestarkes Fahrgestüt
zu durchforsten, hab’ ich mit Bienenfleiss,
mich abgerackert, abgemüht,
um den entschwundenen Gegenstand,
Deiner Obhut davongerannt,
entlaufen deiner zarten Hand,
im Tageslichte aufzuspüren,
weil im nächtlichen Gewand,
des gestrigen Abends, von Finsternis übermannt,
jegliches Suchen keinen ersehnten Lohne fand.

Nun ja, wie auch immer,
zu meinem Bedauern kam es schlimmer:
Denn als ich siegesgewiss
mit geballter Stärke
kühn antrat das besagte Werke
trotzend jeglichem Hindernis
und die Autotür aufriss,
schlug der Dunst verfloss’ner Nachtfahrt
rauhe mir ins Angesicht
doch mit würziger Luft gepaart,
durch der Frauen Wölkchen lind verricht’.

Gleichfalls nehm’ [nahm] ich Botschaften gewahr,
auf angehauchter Scheibe,
rückend mir zu Leibe,
und Sinngehalt wird offenbar.

Desweiteren versuchte ich mit schweifendem Blicke,
mit höchster Sorgfalt und detektivischem Geschicke,
Deinem entfleuchten “Stöpsel” zu ertasten,
doch all’ mein Hasten, ohne Rasten,
das Gliederausrenken,
und dabei den Sitzbezug mit Geifer tränken,
ebenso – bedingt durch beklemmende Enge -,
das Verkrampfen etlicher Muskelstränge,
wurd’ nicht belohnt,
vielmehr nun Enttäuschung in mir thront:
Ich armer Tropf mit gesenktem Kopf
bekenne ohne Wortschwall, kurz und bündig:
Verzeih’, ich wurd’ Deiner Sache leider nicht fündig…

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21 
 Januar 
 
1996


 

[an B. S. 24.01.1996; original belassen, keine metrische Glättung, geschrieben vom 21. – 24.01.96]

Werter, hochgeschätzter B.!
Nach etlichen Tagen verhüllten Schweigens
möchte ich heute eigens
mit einem Briefchen dich beehr’n.
Dein beharrliches Bemüh’n, mich zu belehr’n,
zu besänftigen und Achtsamkeit Gelehrsamkeit zu lehr’n
trug keine reifen Früchte
doch sei getrost und nicht erbost,
denn einst beim Jüngsten Gerichte,
wird kein Sühneblut gefordert werden,
von dir, dem treulich’ Weggefährten.

Denn dein erlabendes Wort
wollt’ richtungsweisend zeigen
wie Friede mir zu eigen
doch warf ich’s achtlos über Bord.
Ermahnende Rede, die die Ohrmuschel erklimmt
damit reuvoll beugend das Kreuze sich krümmt
erstumpft an meines Herzens Härte
trotz Beichtgespräche bei Kaffeekränzchen
zuweilen auch oder in nächtlichen Audienzen
erwähl’ ich selbst mir die Lebensfährte
und trage auch dafür die Konsequenzen.

Bevor du versuchst, dies Tun zu ergründen
will ich dir’s offenherzig künden:

Der tröstliche Zuspruch vertrauter Brüder,
– der linde Ausdruck beseelter Gemüter –
zu straffen mir geschwächte Glieder,
selbst gepflückter Beifall von anmutigen Schwestern,
lindern nicht, und das sprech’ ich ohne Lästern,
den Schmerz, der mir im Herzen ruht.

Denn dieser stete Schwank von Ebb’ und Flut
im Alltagsleben als Schelm verpönt
des Sonnabends aber zum Fürsten gekrönt
ist mir zu kräftezehrend.
Und A.’ reifes Wort der “Frohen Botschaft”,
die zuweilen im Herzen Raum sich schafft
ist zwar belehrend,
doch aus der Reichtum Fülle, die meinereins begehrt
ist mir die geistlich Kost verwehrt.

Denn das Herz ist verstockt,
die Pforten verriegelt,
mir’s nicht frohlockt,
oh, könnt’ ich beflügelt
in die Lüfte mich entheben
zum Heilsquell unbeschwertet schweben,
damit ein Tröpfen der Gnade sodann
in dürstenden Herzenskelch mir rinnt
die Seele sogleich Genesung find’t
entlöst die Fesseln vom Bann.

Doch wo liegt diese holde Stätte?
mit der ich wohl Gefallen hätte?

Und da diese Frage mir unbeantwortet bleibt
und schürfend die Seele wundend reibt,
mitsamt den vielen Glaubensfragen,
die mich verzagen, die an mir nagen,
faß’ ich mich nun ans Herzelein,
und wandle in die Fern’ allein
muß Trost mir selbst nun spenden
wann wird mein Schicksal sich denn wenden?

Der Leidensweg, wohin er mag auch gehen,
muss ich mit Leidenstränen säen.

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