Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

1 
 April 
 
2025


 


Auszug aus „Cyrano de Bergerac“

Wie voll mein Herz von Zärtlichkeit gewesen,
hast Du’s geahnt ?
Nie mehr, aber auch nie mehr
wird mein trunkener Blick nie mehr
in seliger Lust
die Lüfte küssen, die Du Zauberin
mit lieblichen Gebärden sanft bewegt.

Wie Deine Hand sich an meine Stirne legt,
ich seh’s im Geiste und Grüße send‘ ich hin.
Mein ganzes Herz ist auch im Tode dein
und alle Glut, die liebend ich Dir zolle,
flammt noch in meiner Augen letztem Strahl.

 
 
6 
 April 
 
2020


 

DICHTUNG Ludwig Uhland
MUSIK Franz Schubert
LESUNG Eva Matthes


 

Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muß sich alles, alles wenden.

Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiß nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal:
Nun, armes Herz, vergiß der Qual!
Nun muß sich alles, alles wenden.

Ich erlaube mir seit dieser Woche, viele deutsche YouTube-Beiträge mit automatisiertem Untertitel ins Englische zu übersetzen, auch um mein Englisch aufzubessern.
Es ist zuweilen herrlich, wie sich der „Bedeutungshof“, die Bedeutungstiefe eines Wortes in einer anderen Sprache ändert bzw. weitet und wie Sprache auch die Wahrnehmung strukturiert und determiniert („Terminus“).

Das Wort „[alles wird sich] wenden“ wird in diesem Gedicht mit „change“ übersetzt/übertragen. Wunderbar, so sollte es auch sein …
Es geht nicht um das „Wenden“ eines Blattes im Buch der deutschen Chronik, wobei nach der Krise einfach nur „weiter-geblättert“ wird.
Es geht um fundamentale „Änderungen“, vielleicht dem Hinzufügen neuer Kapitel unseres Selbstverständnisses im Hinblick sozialer, medizinischer Berufe.
Es geht vielleicht auch um den „Zerriss“ ganzer überdauerter Kapitel.
Ein dickes Buch („Wälzer“) sollte sich immer auch selbst umwälzenden Gedanken stellen.

Ich wollte jetzt aber auch nicht als Oberlehrer auftreten, sondern diese Bedeutungsnuance einfach weitergeben, die sicherlich von mir subjektiv gefärbt ist.

 
 
29 
 August 
 
2018


 

DICHTUNG Friedrich Schiller
LESUNG Claudia Mischke
BEREITSTELLUNG wortlover



Eilende Wolken! Segler der Lüfte!
Wer mit euch wanderte, mit euch schiffte!
Grüßet mir freundlich mein Jugendland!
Ich bin gefangen, ich bin in Banden,
Ach, ich hab keinen andern Gesandten!
Frei in Lüften ist euren Bahn,
Ihr seid nicht dieser Königin untertan.
Dort legt ein Fischer den Nachen an!
Dieses elende Werkzeug könnte mich retten,
Brächte mich schnell zu befreundeten Städten.
Spärlich nährt es den dürftigen Mann.
Beladen wollt‘ ich es reich mit Schätzen,
Einen Zug sollt‘ er tun, wie er keinen getan,
Das Glück sollt‘ er finden in seinen Netzen,
Nähm er mich ein in den rettenden Kahn.

 
 
6 
 August 
 
2018

abgelegt in
Mythologie | Pantheismus

 

MUSIK Falkenstein
BEREITSTELLUNG Test Elektroservice



Die große Göttin

Sag, wer bist du, wunderbare
hohe heilige Götterfrau.
Die im Schmuck der goldnen Haare
wandelt durch den deutschen Gau?

Viele Namen hör ich nennen,
anders stets nach Ort und Frist.
Doch es ahnen, die dich kennen,
dass du stets die Selbe bist.

Magst du Flockenberge türmen,
Winterschutz der jungen Saat.
Mag in Herbst- und Frühlingsstürmen
durch die Lüfte gehn dein Pfad.

Oder ob der goldne Wagen
leicht dich trägt von Haus zu Haus.
Immer, wo dir Herzen schlagen,
streust du vollen Segen aus.

Bald als Berchta mit dem Rocken
gehst du um zur Winterzeit.
Und verwirrst die vollen Wocken
und belohnst die fleissige Meid.

Bald als Holda-Rockenmuhme
streifst du heimlich durchs Gefild.
Und es neigt sich Blatt und Blume,
und des Kornfelds Ãhre schwillt.

Wieder dann auf heiligen Hainen
fährst als Nerthus du durchs Land.
Und es kündet dein Erscheinen
Glück und Frieden jedem Stand.

Eisen schläft, die Waffen schweigen,
und gestorben ist das Weh.
Froh darfst du zum Bade steigen
im geheimnisvollen See.

Oft auch tief im Waldesschatten
hat man weinend dich erblickt.
Wie einst Freya ihrem Gatten
goldne Tränen nachgeschickt.

Bist du Freya, die den Frohen
Freude bringt trotz eigner Qual?
Bist du gar des höchsten Hohen,
bist du Wodans Lichtgemahl?

Lodert frommen Herdbrands Feuer
doch auch dir in heilger Glut.
Und wie jener ist dir teuer
junger Ehe köstlich Gut.

Oder muss ich tiefer dringen
bis zu Hel durch Gruft und Grab?
Steigst du, Leben zu erzwingen,
gar zur Totenwelt hinab?

Denn dort ruhen die Ungeborenen,
wartend, dass du sie befreist..
Wie du auch den Frühverlorenen
dort zurück die Pfade weist.

Und so knüpfen deine Hände
der Vollendung grossen Ring:
Tod und Leben, Anfang, Ende,
alles kommt auf deinen Wink.

Heilige Göttin, vielgestaltig
wandelst du auf deutschem Grund.
Und im Wirken mannigfaltig
wird uns deine Gottheit kund.

Wer du sein magst, Frigga, holde,
zählst du Hellias Reiche zu:
Mir, im Haar von lichtem Golde
bist Allmutter Erde du.

Sei gesegnet, Mutter Erde,
die uns alle rief zum Licht.
Die in Not uns und Beschwerde
Frucht und Blütenkränze flicht.

Sei gesegnet, Mutter Erde,
die uns wieder lind umfängt.
Bis das grosse Frühlings werde
einst des Helreichs Pforten sprengt.

 
 
1 
 Mai 
 
2018


 
Temple_of_Hephaestus - Tempel des Hephaistos
[1] Tempel des Hephaistos,
Got des gebändigten und läuternden Feuers

MUSIK
Wolfgang Amadeus Mozart [2]Klavierkonzert Nr. 20 in D minor, KV 466, Romanze

Die Wirkungsstätte des
Zenon von Kition
[3]Zenon lehrte, dass es Ziel des Menschen sein müsse, tugendhaft zu leben und nicht seinen Begierden nachzugeben (die Kathēkon-Lehre); den Wechselfällen des Lebens müsse man mit einer souverän-gelassenen, philosophischen, eben „stoischen“ Haltung ruhig begegnen.Das wichtigste Ideal seiner Philosophie ist die Apatheia, die er „die Abwesenheit von Affekten“ nannte. Sie ist nach Zenon am besten zu erreichen durch Indifferenz gegen Schmerz und Lust gleichermaßen. Durch Kontrolle der … Continue reading

 
Stiller
im milden Geisteswind
göttlicher Ahnung,
scheint unberührt
vom Wogen weltlichen Treibens [4] „der geschäftige Markt“ – Friedrich Schiller
dein erhabener Wolkenbau.

Im trauten Schatten
schmiegen Gerankes
roser Geistesblüte
ruhet der Grundfeste Sockel [5]Die Plinthe, eine untere quadratische Platte, verteilt die Last der Säule auf eine größere Grundfläche. Die Plinthe ist in seltenen Fällen mit Ornamenten oder Blattmotiven verziert.
marmorbleicher Schöne,
verjüngt in kühler [6]kühner Betrachtung
sich der lebensmatte Blick,
hochstrebend
zu weitem Bogenschwung
ionischer Säulen.

Und demutsvoll, nun still ergeben, [7]sich einfügen in den Naturkreislauf
glimmt der Sinnesfreuden Opferbrand [8]Affektkontrolle
in heiliger Feuerschale,
entsteigt der Myrte Wohlgeruch
wie heit’rer Lüfte Taubenflug
mit hoffnungsfroher Schau
zum allversöhnend Göttervater.

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Der Arkadengang stoischer Siegessäulen

Aus den Briefen Epiktets
an Lucius Flavius Arrianus
[9]Zusammenfassung aus: „Handbüchlein der Moral“
Verlage: Ad Fontes, Reclam, Anaconda

♙Säule 1
Worüber wir gebieten, worüber wir nicht gebieten
      Die Feuerschalen
      🔥 Unser Eigentum
      ♕ Vorzüge des Eigentums
      🔥 Verwirrung aus Verwechslung
      ♕ Keine Halbheit!
      ♕ Äußere Dinge – was gehen sie dich an?

♙Säule 2
Begehren und Meiden
      Die Feuerschalen
      ♕ Du hast dein Glück in der Hand
      ♕ Das Sicherste für den Anfang

♙Säule 3
Bedenke das eigentliche Wesen der Dinge
      Die Feuerschale
      ♕ Gemütsruhe

♙Säule 4
Ärger meiden, Haltung bewahren
      Die Feuerschale
      ♕ Wie man die Fassung bewahrt

♙Säule 5
Die Dinge und die Meinungen darüber sind nicht dasselbe
      Die Feuerschale
      ♕ Der Schrecklichste der Schrecken

♙Säule 6
Falscher und echter Stolz
      Die Feuerschale
      ♕ Törichter Stolz

♙Säule 7
Ruf des Steuermanns
      Die Feuerschale
      ♕ Aufs Sterben vorbereitet!

♙Säule 8
Nicht mein Wille
      Die Feuerschale
      🔥 Schwimme nicht gegen den Strom!

♙Säule 9
Kein Hindernis für dich
      Die Feuerschale
      ♕ Der Wille ist frei

♙Säule 10
Gegenkräfte in dir
      Die Feuerschale
      ♕ Versuchung und Widerstand

♙Säule 11
Es gibt keinen Verlust
      Die Feuerschale
      🔥 Der Weise verliert nichts

♙Säule 12
Gleichmut hat seinen Preis
      Die Feuerschalen
      ♕ Fort mit den Sorgen
      ♕ Was kostet Gemütsruhe?

♙Säule 13
Entweder – oder
      Die Feuerschale
      ♕ Sei ein Tor vor der Welt!

♙Säule 14
Falsches und richtiges Wollen
      Die Feuerschalen
      ♕ Begehre nichts Unmögliches!
      ♕ Herr oder Knecht

♙Säule 15
Warte, bis du an die Reihe kommst
      Die Feuerschale
      ♕ Selbstverleugnung

♙Säule 16
Mitleiden, aber mit Vorbehalt
      Die Feuerschale
      ♕ Spare das Mitleid!

♙Säule 17
Das Leben ein Schauspiel
      Die Feuerschale
      ♕ Lerne vom Schauspieler!

♙Säule 18
Über Vorzeichen
      Die Feuerschale
      ♕ Böses nimm auch für gut!

♙Säule 19
Der Weg zur Freiheit
      Die Feuerschalen
      ♕ Sicherer Sieg
      ♕ Geistesfreiheit

♙Säule 20
Beleidigungen treffen dich nicht
      Die Feuerschale
      ♕ Langsam zum Zorn!

♙Säule 21
Meditatio mortis
      Die Feuerschale
      🔥 Der Tod der Lüste

♙Säule 22
Trotze dem Spott
      Die Feuerschale
      ♕ Lass die Spötter spotten!

♙Säule 23
Bleibe deiner Maxime treu
      Die Feuerschale
      ♕ Schau nach innen!

♙Säule 24
Helfen ja, aber nicht um jeden Preis
      Die Feuerschale
      ♕ Tugend verloren – alles verloren!

♙Säule 25
Ehren haben ihren Preis
      Die Feuerschale
      ♕ Verkaufst du deine Freiheit für ein Linsengericht?

♙Säule 26
Duldsamkeit – auch wenn es dich trifft
      Die Feuerschale
      ♕ Der Wille der Natur

♙Säule 27
Vom Bösen
      Die Feuerschale
      ♕ Wem es gilt, den trifft’s

♙Säule 28
Liefere dich keinem andern aus
      Die Feuerschale
      🔥 Körper und Geist

♙Säule 29
Bedenke die Voraussetzungen und die Folgen
      Die Feuerschale
      ♕ Vorbedacht – Nachgetan!

♙Säule 30
Tue immer deine Pflicht
      Die Feuerschale
      ♕ Sitten- und Naturgesetz

♙Säule 31
Frömmigkeit
      Die Feuerschale
      ♕ Weisheit und Frömmigkeit

♙Säule 32
Mißbrauche das Orakel nicht
      Die Feuerschale
      ♕ Die Orakel und das Gewissen

♙Säule 33
Wichtige Lebensregeln
      Die Feuerschalen
      ♕ Vorbild und Nachfolge
      ♕ Schweigen, Reden und Lachen
      ♕ Vom Eid
      ♕ Böse Gesellschaft
      ♕ Einfacher Sinn
      ♕ Keuchheit
      ♕ Wie man dem Lästerer das Maul stopft
      ♕ Sei ein kühler Beobachter!
      ♕ Verschiedene Verhaltensregeln

♙Säule 34
Die Herausforderung sinnlicher Lust
      Die Feuerschale
      ♕ Der Wahn ist kurz, die Reu‘ ist lang

♙Säule 35
Tue Recht und fürchte niemanden
      Die Feuerschale
      ♕ Tue Recht, scheue niemanden!

♙Säule 36
Übe Zurückhaltung
      Die Feuerschale
      ♕ Tischregel

♙Säule 37
Überfordere dich nicht
      Die Feuerschale
      ♕ Schuster, bleib bei deinen Leisten!

♙Säule 38
Hüte dich vor seelischem Schaden
      Die Feuerschale
      ♕ Vorsichtig wandeln

♙Säule 39
Zügle deine Ansprüche
      Die Feuerschale
      ♕ Maß halten

♙Säule 40
Die Ehre der Frauen
      Die Feuerschale
      ♕ Der Schmuck der Frauenzimmer

♙Säule 41
Körper und Geist
      Die Feuerschale
      ♕ Der Unedle

♙Säule 42
Wem Beleidigungen schaden
      Die Feuerschale
      ♕ Wer hat den Schaden?

♙Säule 43
Jedes Ding hat zwei Henkel
      Die Feuerschale
      ♕ Zweierlei Handhaben

♙Säule 44
Fehlschlüsse
      Die Feuerschale
      ♕ Schlechte Logik – schlechte Moral

♙Säule 45
Urteile nicht voreilig
      Die Feuerschale
      ♕ Urteile nicht vorschnell!

♙Säule 46
Handeln statt reden
      Die Feuerschalen
      ♕ Anspruchslosigkeit
      🔥 Werke sind besser als Worte

♙Säule 47
Bilde dir nichts ein
      Die Feuerschale
      ♕ Wahre und falsche Askese

♙Säule 48
Kennzeichen eines Fortschreitenden
      Die Feuerschale
      ♕ Ein echter Jünger der Weisheit

♙Säule 49
Theorie und Praxis
      Die Feuerschale
      ♕ Sei Täter des Worts!

♙Säule 50
Von der Treue zur Philosophie
      Die Feuerschale
      ♕ Die Stimme der Weisheit ist die Stimme Gottes

♙Säule 51
Entscheide dich jetzt
      Die Feuerschale
      ♕ Wann wirst du weise werden?

♙Säule 52
Das Wichtigste: die Praxis
      Die Feuerschale
      ♕ Theorie und Praxis

♙Säule 53
Kernsätze
      Die Feuerschale
      ♕ Die Summe der Weisheit

→ zu Mnemosynes Geleit
→ Zenons Wandelhalle

Fußnoten[+]

 
 
6 
 April 
 
2018


 

DICHTUNG Eduard Mörike
LESUNG Katharina Thalbach



Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.

Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist’s!
Dich hab‘ ich vernommen!