Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

31 
 Mai 
 
2016


 

Weder der Götter Rachegesuch noch der Titanen Unmut ist zuweilen schmerzlicher als der Menschen Missverständnisse.

Die bevorzugte Spielwiese – oder soll ich sagen: Abenteuerspielplatz? – jener Missdeutungen ist mit zunehmender Etablierung das Internet: eine Gedankenbörse waghalsiger spekulativer Annahmen schlechthin.
Möge der digitalen Kommunikation quantitativ eine größere Informationsbandbreite eigen sein, hinsichtlich qualitativ eindeutiger und damit authentisch verwertbarer Signale ist sie der analogen weit unterlegen.

Der nüchterne AUSDRUCK „Flachbildschirm“ ist durchaus symptomatisch für die mangelnde emotionale Tiefenwirkung.

Der blanke Letter auf totem Schirm
belebet jeglich Illusion,
nährt Blütenträume gleichwie Schauerbilder.

Nur der holden Stimme untrügliches Licht
im Bündel trauter Gebärden
stiftet wissendes Heil.

Das menschliche Antlitz im Mimikspiel, die sprechbegleitenden sanft bewegungsfreudigen Gebärden, der linde Hauch subtiler Satzmelodie, all jenes scheint im Internetgewoge von einem (Mehr-/Meer-)Rauschen überlagert und kann nicht ver-mitteln, kann nicht Medium wahrer Absichten sein.
Die wilde, zuweilen aufpeitschende Gischt an der breiten Oberfläche kann den „goldenen Becher“ tiefgründiger BewegGRÜNDE (siehe auch: „Der Taucher“ (Youtube-Link) von Friedrich Schiller) nicht ans Tageslicht der Wahrheit fördern.

Trotz allem sollte dem Internet ein Herrschaftsbereich eingeräumt werden: das Reich der blanken Zahlen (Terminvereinbarungen, Überweisungen, historische Daten, … ).
Für In-halte (Meinungspositionen, (Lebens-)Konzepte) indessen ist das Internet un-tragbar.
Inhalte sollten in einem persönlichen Gespräch ausgetauscht werden.

 
 
27 
 Dezember 
 
2015

abgelegt in
Gedankenschau

 

 

Im Café. „Ich würde gerne, natürlich nur, wenn ich es dürfte und wenn ich es nicht darf, dann mache ich es trotzdem, weil ich mir jetzt einfach die Freiheit dazu nehme, einen Kaffee bestellen, wenn es denn möglich wäre“ … wäre das dann höflich??? Ich denke, es kommt immer darauf an, WIE man „EINEN KAFFEE!“ mit begleitender Gebärde sagt und selbst bei bestehender Mimik- und Gestikarmut sowie fehlender sprachlicher Schleifchenzier kann dies auch durchaus in respektvoller Manier geschehen, OHNE dabei arrogant zu wirken.

 
 
12 
 Juli 
 
2011

abgelegt in
Aphorismen | sonstige Prosa

 

Der blanke Buchstabe auf totem Pergament
belebet jegliche Illusion,
nährt Blütenträume gleichwie Schauerbilder.

Nur der holden Stimme untrügliches Licht
im Bündel trauter Gebärden
stiftet wissendes Heil.