Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

22 
 April 
 
2016


 

Ich finde, dass in diesem Gedicht die Möglichkeit erwogen wird, wieso ein Mensch hasst.
Meist ist es eben kein auflodernder Hass, sondern eher die aufstampfende Wut auf Fremdbestimmung, Einengung, „Gelebt-zu-Werden“ anstatt selbstbestimmt und selbstwirksam zu handeln.
Hin und wieder ist es auch heilsam, die eigenen, „führenden“ Zügel zu lösen, sich selbst zu „ver-führen“ im Sinne freier Gedankenlust.

Verhasst ist mir das Folgen und das Führen.
Gehorchen? Nein! Und aber nein – Regieren!
Wer sich nicht schrecklich ist, macht niemand Schrecken:
Und nur wer Schrecken macht, kann andre führen.
Verhasst ist mirs schon, selber mich zu führen!
Ich liebe es, gleich Wald- und Meerestieren,
mich für ein gutes Weilchen zu verlieren,
in holder Irrnis grüblerisch zu hocken,
von ferne her mich endlich heimzulocken,
mich selber zu mir selber – zu verführen.

Textdichter Friedrich Nietzsche
Rezitation Christian Brückner

 
 
25 
 Januar 
 
2016

abgelegt in
Gedankenschau

 


Vegankoch Attila Hildmann

Ich mache mir aktuell nicht mehr nur Sorgen, ich werde langsam sauer. Schaut man sich die letzten Wochen der Flüchtlingsdebatte an, wird eine weitere Spaltung der Gesellschaft sichtbar. Nach den Ereignissen von Köln gab es mehrere Berichte zu sexuellen Missbrauchsfällen und Vergewaltigungen auch in anderen Städten. Eine bestimmte Menschengruppe unter einen Generalverdacht zu stellen ist sicher falsch. Fakt ist aber, dass unser Sozialsystem mehrere Millionen Zuwanderer, die oft nicht unseren Bildungsstandard (siehe meine Auffassung von Bildung) haben, nicht verkraften kann. Wenn ich sehe, wie wenig Geld in diesem Land für alte Menschen, Kinder, besseres Schulessen, Unterstützung für sozial Schwache, Freizeitangebote und Spielplätze ist, dann müsste es jedem klar sein, dass ein ungehinderter Zustrom wirtschaftlich schwierig zu stemmen sein wird. Kein anderes Land lässt aktuell die Grenzen so ungehindert offen wie Deutschland. Ob es um Flüchtlinge geht oder nicht, so schützt man nicht die Sicherheit der eigenen Bevölkerung. Die meisten möchten den Kriegsflüchtlingen helfen, ich zähle mich auch dazu, aber dafür muss man erstmal sehen können, wer tatsächlich einer Ist und wer hier herkommt, um das Sozialsystem zu nutzen! Niemand von uns würde einfach seine Haustür offen lassen und jeden reinlassen, der rein möchte! Denkt man den Gedanken weiter, kann man die ganze Welt einladen, denn in vielen Ländern herrscht Krieg und Terror nur sehe ich nicht die Verantworung Deutschlands in all diesen Krisen. Ich verkaufe auch keine Panzer nach Syrien, ich schreibe Kochbücher. Das ist also kein valides Argument, immer zu sagen, die Deutschen würden Waffen liefern und seien selbst schuld an diesen Krisen. Die Mehrheit tut dies nicht, sondern geht einer geregelten Arbeit nach, die nichts mit Panzer- oder Drohnenherstellung zu tun hat. Die Sorge um die eigenen Sicherheit treibt aktuell viele Menschen auf die Straße, sie demonstrieren und schließen sich oft Parteien des rechten Spektrums an, mit denen sie sonst nichts zu tun haben würden. Und diese Menschen, die sonst die deutsche Mitte ausgemacht haben, werden von einigen unserer Politiker als „Pack“ bezeichnet, ihre Sorgen werden nicht wahrgenommen, ihre Ängste belächelt. Wenn Angela Merkel in einem Interview auf die Sorge vor islamistischem Terror den Tipp gibt, doch einfach mal stattdessen in die Kirche zu gehen, dann läuft hier etwas grundlegend falsch! Ich bin keiner Partei angehörig, denn keine der aktuell existierenden Parteien vertritt meine Meinung, nur eine Sache stößt mir mittlerweile besonders bitter auf, wenn ich die aktuelle Diskussion verfolge: dieses hemmungslose, diskreditierende, maßlose Benutzen des Wortes „Nazi“. Vielleicht habe ich mich auch durch die aktuellen Anlässe in letzter Zeit viel mit deutscher Geschichte befasst. Ich schaute Dokumentationen über das dritte Reich, über den Holocaust, über den Aufstieg Hitlers, die Machtergreifung und Aufrüstung, die Verführung der Massen durch seine Reden, bin immer noch geschockt über den abscheulichen Rassenwahn, ich sah die Bilder des Kriegsbeginns, Stalingrad, die Zerbombung Berlins und Dresdens, beschäftigte mich mit den Nürnberger Prozessen, erstarrte emotional beim Anblick der Bilder aus Dachau und las über Einzelschicksale wie dem von Anne Frank und vielen weiteren Opfern des Holocausts. Mein Onkel und meine Oma erlebten beide den Krieg, ich erinnere mich an viele Gespräche, in denen sie mir von einer Zeit des Wahns, der Gewalt, Armut und Entbehrung erzählten. „NAZIS“…das sind die Gestalten dieser Zeit, Massenmörder wie Hitler, Himmler, die Millionen Mitläufer oder der KZ-Arzt Mengele, der an Kindern, Schwangeren und anderen Häftlingen menschenverachtende Experimente durchführte! Es sind die Verführer des deutschen Volkes…es sind die Barbaren, die Millionen von Menschen auf ihrem Gewissen haben, wegen ihnen wurden weite Teile Deutschlands zerbombt und weltweit Krieg geführt, der Millionen Opfer forderte und zwar an ALLEN Fronten! Wenn nun Stimmen laut werden in der aktuellen Lage, die sich um ihre Zukunft aufgrund von unkontrollierter Zuwanderung und unsicheren Grenzen sorgen, weil sie geschockt sind von den Ereignissen in Köln und der laschen Reaktion der Regierenden, weil sie sich um die Zukunft ihrer Kinder sorgen, weil sie Angst davor haben, dass man Konflikte in dieses Land bringt oder ein bestimmtes Frauenbild, weil Sie Angst vor Anschlägen wie in Paris oder Istanbul haben, dann ist das zu allererst ANZUERKENNEN, statt wie diverse Promis in ihren Alles-ist-gut-Videos sie lächerlich zu machen (Schweiger, Joko, Klaas, Kalkofe – anstatt so viel zu Polemisieren und sich mit Flüchtlingen zu profilieren: wo sind denn eure Taten zur Verbesserung der Lage? Wo ist dein Flüchtlingsheim Schweiger?). Man kann sich trefflich über die Ansichten der Menschen streiten, die aktuell auf die Straße gehen und ich rede hier nicht von den Glatzen sondern von Rentnerin Gerda, die jeden Cent umdreht, der alleinerziehenden Mutter oder dem Langzeitarbeitslosen…man kann ihnen Angst vor Fremden unterstellen, vielleicht sogar eine beschränkte Sicht, aber was man nicht sagen darf um jedwede Diskussion im Keim zu ersticken, dass die überwiegende Mehrheit dieser Demonstrierenden NAZIS sind. Lest Geschichtsbücher, schaut Dokus, dann wisst ihr was Nazis sind und hört auf euch gegenseitig gegeneinander aufzuhetzen, anstatt die Sorgen der anderen Seite zu verstehen. Denn Menschen mit anderer Meinung sofort als Nazis zu beschimpfen nur weil sie nicht mit refugeeswelcome Plakaten an den Bahnhöfen standen und jetzt auch die Schwierigkeiten dieser Lage sehen ist das, was ihr anderen unterstellt: Meinungsfaschismus! Es ist lächerlich, verachtenswert und respektlos gegenüber all den Millionen Opfern des dritten Reichs!

 
 
10 
 Oktober 
 
2012


 

Nach dem Aufstand des 17. Juni
Ließ der Sekretär des Schriftstellerverbands
In der Stalinallee Flugblätter verteilen
Auf denen zu lesen war, daß das Volk
Das Vertrauen der Regierung verscherzt habe
Und es nur durch verdoppelte Arbeit
zurückerobern könne. Wäre es da
Nicht doch einfacher, die Regierung
Löste das Volk auf und
Wählte ein anderes?

 

Textdichter Bertolt Brecht
Rezitation Samuel Weiss
Bereitstellung wortlover