Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

8 
 September 
 
2018


 



MUSIK
Peter Tschaikowsky [1] Arabischer Tanz – aus: „Nussknacker-Suite“ | Quelle: Archive.org

Wie einem wohltät’gen Herrscher
der hohe Wille umsonnt
und ihm den Edelsinn bräunt,
so bräunet auch dir
– um die Hüfte lieblich gewunden –
ein seidenes Band
die weibliche Anmut.

Seidenmatt erschimmern die Schenkel,
korinthische Säulen deines Palastes,
himmelan strebend
und tragend des Schoßes Kostbarkeit.

corpine!
 
en stilina
en palmina
formego!
 
en stiluna
en palmuna
formete!
 
un sepalo
en sepalu
tenes!
 
en palme
colora terema
 
colori nivema
en palmo
 
colori orema
lumes!

 

 

→ zu Mnemosynes Geleit
Der Schreibgriffel des Blitzes

Fußnoten   [ + ]

 
 
19 
 November 
 
2017


 

Sonett II.

Wenn vierzig Winter einst dein Haupt umnachten
Und tief durchfurchen deiner Schönheit Feld,
Dann ist dein Jugendflor, wonach wir itzt so trachten,
Ein mürbes Kleid, das unbemerkt zerfällt.

Ein ödes Lob, ein allverzehrend Schmähn
Wär’s dann, dem Forscher nach den Reizen all,
Nach dem frühen Reichtum, zu gestehn
Er sei dahin mit deines Auges Fall.

Weit rühmlicher wies deine Schönheit sich,
Könnt’st du erwidern „dies mein schönes Kind
Tilgt meine Schuld, vertritt mein Alter mich,
Weil seine Reize Erben meiner sind“. –

Dies ist’s, wodurch ein Greis sich neu verjüngt
Und kaltem Blut die Wärme wiederbringt.

 
 
4 
 August 
 
2017

abgelegt in
Mnemosynes Geleit | Vorwelt

 

Morpheus und Iris [1]Pierre Narcisse Guérin, 1811

 
Musik
Robert Schumann [2]Kinderszenen, Op. 15 – Nr. 7 – Quelle: www.archive.org
Des Traums holde Phantome

Ist denn die Wirklichkeit nicht erdacht,
schlicht ersponnen,
eine Dichtung unseres Geistes,
die aus dem Reiz trüber Sinne sich nährt
und in kühnen Deutungen die Welt uns erschließt?

Zweifelsfrei ist die Traumwelt,
die Heimstatt hehrer Ideen,
ersonnen,
eine Elegie der Phantasie
und wahrhaft stolzes Rankgewächs,
das als Zartspross
aus des Alltags Niederwuchs
munter sich enttrotzte
zu reiferer Blüte.

Beide Sphären,
die der Wirklichkeit
als auch des Traumes,
sind daher gleichen Ursprungs,
dem der Dichtung.

Und wie ein Geschwisterpaar
reichen Erscheinung und Traumbild
sich treu die Hände,
vereinigen sich wie zwei Flüsse es tun:
Rauschend’ Verlangen
mit strömendem Eifer hinstrebend
und einend still sich ergeben
sodann ins unendliche Meer
menschlicher Deutung.

Traumwelt IST daher Wirklichkeit,
eins ins eins vermengt.

Nahe dich ihnen,
des Traums holden Phantomen,
den treu dich Empfangenden!

Schließe ihr Bild
in den Busen still ein
und bilde getreu
nach ihren Gesetzen
das Irdische!
→ zu Mnemosynes Geleit
Vorwort

Fußnoten   [ + ]