Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

23 
 Februar 
 
2026

abgelegt in
Tage in Weimar

 

Eine fiktive Schachpartie-Analyse von Friedrich Schiller und Johann Heinrich Voß.

Heinrich Voß, der Sohn des Dichters Johann Heinrich Voß, berichtete am 24. Februar 1805 – wenige Monate vor Schillers Tod – in einem Brief:
„Heute Nachmittag war Schiller unbeschreiblich wohl und kräftig, wiewohl es ihm noch mit dem Arbeiten nicht recht hat gehn wollen. Wir spielen jeden Tag Schach zusammen, und das macht ihm Freude; er meinte, auf diese Weise käme er wohl zuerst wieder in seine gewöhnliche Thätigkeit hinein.“

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Siehe, Bauer c6, wie das Glück deiner Adelung hold dir
winkt und lohnt die erduldete Schmach im Gefechte der Schlacht.
Walle, Vasall, und vollende den Lauf durch der Dame schützende Hand!

Schaudernd fristet indes auf h1 verwaist der schwarze Regent und
harret dem nahenden Matt, das ihn in Bälde ereilt.
Dame Schwarz, der Gefahr gegenwärtig, bietet dem König
flugs ein drohendes Schach, den Aufschub des Gatten Tod damit erhoffend.

Jene Majestät im weißen Gewande lächelt gelassen der
feindschen Gesinnung entgegen, wähnt sich vermeintlich im Schutz
durch des Bauern Geleit, der durch Aufmarsch ein weiteres Unheil abwendet.

Müßiger Kriegsherr des weißen Lagers,
hättest selbst den Fuß du gesetzt
auf friedliches Feld b4,
wo keine Gefahr länger dir bräute.

Denn Schock, schwere Not,
es dränget die schwarze Königsgemahlin
dem weißen König und seiner Gattin erneut,
mit tollkühner Gabel opfert selbstlos
die schwarze Dame sich nun.

Oh, welch köstlich Märtyrium!
Die weiße Dame muss nehmen,
dem Gebote des Schaches zu wehren
und wird durch die schwarze Macht
auf g3 verheerend gelenkt,
wo sie die rettende Flucht des Schwarzen daselbst
vereitelt und somit Remis nun erwirkt.

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