Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

22 
 Juli 
 
2012


 

DICHTUNG Ingeborg Bachmann
LESUNG Ingeborg Bachmann
BEREITSTELLUNG wortlover


 

Wir gehen, die Herzen im Staub,
und lange schon hart am Versagen.
Man hört uns nur nicht, ist zu taub,
um das Stöhnen im Staub zu beklagen.

Wir singen, den Ton in der Brust.
Dort ist er noch niemals entsprungen.
Nur manchmal hat einer gewusst
wir sind nicht zum Bleiben gezwungen.

Wir halten. Beenden den Trott.
Sonst ist auch das Ende verdorben.
Und richten die Augen auf Gott:
wir haben den Abschied erworben!

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28 
 Oktober 
 
1998

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Schauer
ummantelt mit düsterem Schein
meines Herzen’s duftenden Sonnengarten,
verwandelt die Pflänzchen in Stein,
die einst sprießlich zarten.

Rauher
Wind umspinnt ihn flatternd
mit totgebärender Kält’
und sinnt ergatternd
das Zepter dieses Leichenfeld’.

Die treuen Musengeister flohen,
die totgeglaubten Sorgengeister drohen,
das schmerzend’ Herz mir zu zerfleischen,

der stumme Schrei der Seel’ verhallt
mit matter Kehl’ und faustgeballt,
wehr’ ich dem innwendigen Höllenkreischen.

Denn dein wärmespendender Sonnenblick
deines Antlitzes blumiges Geschmück
bescheret mir, fürwahr, das höchste Erdenglück.

Doch ich erstarr’ im nachtumhangenen Totengrau
und deiner blühender Lippen süßer Morgentau
kos’ ich mit dürrem Mundessaum
und frevle dadurch diesem dargereichten Blütentraum.

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