Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

11 
 April 
 
2012


 

Was soll ich dir für Namen geben?
Mein trautes Herz! mein einz’ges Leben!
Mein Sonnenblick! mein Seelenstrahl!
Mein Hoffen, Sehnen und Verlangen!
Mein Wünschen, Glauben, Zweifeln, Bangen!
O meine süße Liebesqual!

Ich nenne dich mit allen Namen,
Die je von Liebeslippen kamen,
Ich grüße dich mit jedem Laut,
Den du mir je geküßt vom Munde,
Ich nenne dich im Herzengrunde,
Lieb, ewig teuer, Schwester, Braut!

 

Dichtung Friedrich Rückert
Lesung Max Volkert Martens
Bereitstellung wortlover

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31 
 März 
 
2012

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Lutz Görner lädt uns zu einer literarischen Reise ein

Tausend Dank an Lutz Görner für die Einstellung auf YouTube!
Eventuelle Kommentare zum Video-Clip bitte direkt auf YouTube!

 

 
Der Mensch (0:09)
Christian Matthias Claudius (1740 – 1815)

Empfangen und genähret
Vom Weibe wunderbar,
Kommt er und sieht und höret
Und nimmt des Trugs nicht wahr.
Gelüstet und begehret
Und bringt sein Tränlein dar.
Verachtet und verehret,
Hat Freude und Gefahr,
Glaubt, zweifelt, wähnt und lehret,
Hält nichts und alles wahr.
Erbauet und zerstöret
Und quält sich immerdar.
Schläft, wachet, wächst und zehret,
Trägt braun und graues Haar.
Und alles dieses währet,
Wenns hoch kommt, achtzig Jahr.
Dann legt er sich zu seinen Vätern nieder,
Und er kommt nimmer wieder.

 

 
Epigramm von Lessing über Klopstock (0:09)
Christian Matthias Claudius (1740 – 1815)

Wer wird nicht einen Klopstock loben?
Doch wird ihn jeder lesen? – Nein.
Wir möchten weniger erhoben
Und fleißiger gelesen sein.

 

 
Abendlied (4:24)
Christian Matthias Claudius (1740 – 1815)

Der Mond ist aufgegangen.
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar.
Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille
Und in der Dämmrung Hülle
So traulich und so hold.
Wie eine stille Kammer,
Wo ihr des Tages Jammer
Verschlafen und vergessen sollt.

Seht ihr den Mond dort stehen? –
Er ist nur halb zu sehen
Und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsre Augen sie nicht sehn.

Wir stolzen Menschenkinder
Sind doch nur arme Sünder
Und wissen gar nicht viel.
Wir spinnen Luftgespinste
Und treiben viele Künste
Und kommen weiter von dem Ziel.

So legt euch denn, ihr Brüder,
In Gottes Namen nieder.
Kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott, mit Strafen,
Und lass uns ruhig schlafen
Und unsern kranken Nachbar auch!

 

 
Täglich zu singen (6:11)
Christian Matthias Claudius (1740 – 1815)

Ich danke Gott und freue mich
Wies Kind am Weihnachttage,
Dass ich bin, bin! Und dass ich dich,
Schön menschlich Antlitz habe.

Dass ich die Sonne, Berg und Meer
Und Laub und Gras kann sehen,
Und abends unterm Sternenheer
Und lieben Monde gehen.

Und dass mir dann zumute ist,
Wie wenn wir Kinder kamen,
Und sahen, was der heilge Christ
Bescheret hatte, Amen!

Ich danke Gott mit Saitenspiel,
Dass ich kein König worden.
Ich wär geschmeichelt worden viel
und wär vielleicht verdorben.

Auch bet ich ihn von Herzen an,
Dass ich auf dieser Erde
Nicht bin ein großer, reicher Mann,
Und auch wohl keiner werde.

Denn Ehr und Reichtum treibt und bläht,
Hat mancherlei Gefahren.
Und vielen hats das Herz verdreht,
Die weiland wacker waren.

Und all das Geld und all das Gut
Gewährt zwar viele Sachen.
Gesundheit, Schlaf und guten Mut
Kann’s aber doch nicht machen.

Und die sind doch bei Ja und Nein
Ein rechter Lohn und Segen!
Drum will ich mich nicht groß kastei’n
Des vielen Geldes wegen.

Gott gebe mir nur jeden Tag,
So viel ich brauch zum Leben.
Er gibts dem Sperling auf dem Dach.
Wie sollt ers mir nicht geben!

 

 
Die Sternseherin Lise (8:10)
Christian Matthias Claudius (1740 – 1815)

Ich sehe oft um Mitternacht,
Wenn ich mein Werk getan,
Und niemand mehr im Hause wacht
Die Stern am Himmel an.

Sie gehn da, hin und her zerstreut,
Als Lämmer auf der Flur,
In Rudeln auch, und aufgereiht
Wie Perlen an der Schnur!

Und funkeln alle weit und breit
Und funkeln rein und schön.
Ich seh die große Herrlichkeit,
Und kann mich satt nicht sehn.

Dann saget unterm Himmelszelt
Mein Herz mir in der Brust:
Es gibt was bessers in der Welt
Als all ihr Schmerz und Lust.

Ich werf mich auf mein Lager hin,
Und liege lange wach.
Und suche es in meinem Sinn.
Und sehne mich danach.

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28 
 November 
 
2007


 

Ehret die Frauen!
Sie flechten und weben
Himmlische Rosen
ins irdische Leben.

Aus: “Würde der Frauen”

Denn ein gebrechlich Wesen ist das Weib.

Aus: “Maria Stuart”

Was ist das Leben ohne Liebesglanz?

Aus: “Wallenstein (Wallensteins Tod)”

Das ist es,
oder keine sonst auf Erden!

Aus: “Die Braut von Messina”

Selig durch die Liebe
Götter – durch die Liebe
Menschen Göttern gleich!
Liebe macht den Himmel
Himmlischer – die Erde
Zu dem Himmelreich.

Aus: “Triumph der Liebe”

Das ist der Liebe heilger Götterstrahl,
der in die Seele schlägt und trifft und zündet.

Wenn sich Verwandtes zum Verwandten findet,
da ist kein Widerstand und keine Wahl!

Es löst der Mensch nicht,
was der Himmel bindet.

Aus: “Die Braut von Messina”

Nicht zweifl’ ich mehr an dir,
denn du kannst lieben.

Aus: “Die Braut von Messina”

Die Liebe will ein freies Opfer sein.

Aus: “Wilhelm Tell”

Raum ist in der kleinsten Hütte
für ein glücklich liebend Paar.

Aus: “Der Jüngling am Bache”

O zarte Sehnsucht,
süßes Hoffen!
Der ersten Liebe goldne Zeit!
Das Auge sieht den Himmel offen,
es schwelgt das Herz in Seligkeit;
O, dass sie ewig grünen bliebe
die schöne Zeit der jungen Liebe!

Aus: “Das Lied von der Glocke”

Die Liebe muss hinter sich wie
vor sich die Ewigkeit sehen.

An Charlotte von Lengefeld (seit 1790 Schillers Ehefrau)
und ihre Schwester Karoline, 1789

Nur die Liebe legt die letzte Hand an die Seelen.

Aus: “Kabale und Liebe”

Liebe hat Tränen und kann Tränen verstehen; Herrschsucht hat eherne Augen; worin ewig nie die Empfindung perlt. Liebe hat nur ein Gut, tut Verzicht auf die ganze übrige Schöpfung. Herrschsucht hungert beim Raube der ganzen Natur. Herrschsucht zertrümmert die Welt in ein rasselndes Kettenhaus. Liebe träumt sich in jede Wüste Elysium.

Aus: “Die Verschwörung des Fiesco”

Drum prüfe, wer sich ewig bindet,
ob sich das Herz zum Herzen findet.

Aus: “Das Lied von der Glocke”

Wer sieht so scharf, so tief,
wer anders als der Falkenblick der Liebe?

Aus: “Don Carlos”

Das Schweigen ist der Gott der Glücklichen.
Die engsten Bande sind’s,
die zärtesten,
die das Geheimnis stiftet!

Aus: “Maria Stuart”

Wenn ich hasse, so nehme ich mir etwas; wenn ich liebe, so werde ich um das reicher, was ich liebe.
Verzeihung ist das Wiederfinden eines veräußerten Eigentums – Menschenhass ist verlängerter Selbstmord;
Egoismus die höchste Armut eines erschaffenen Wesens.

Aus: “Philosophische Briefe”

Die Würde hindert, dass die Liebe nicht zur Begierde wird.
Die Anmut verhütet, dass die Achtung nicht Furcht wird.

Aus: “Über Anmut und Würde”

Ein Augenblick, gelebt im Paradiese,
wird nicht zu teuer mit dem Tod gebüßt

Aus: “Don Carlos”

Gibt es ein schön’res als der Liebe Glück?

Aus: “Die Braut von Messina”

Treue Lieb hilft
alle Lasten heben.

Aus: “Die Jungfrau von Orleans”

Wenn jeder Mensch alle Menschen liebte,
so besäße jeder einzelne die Welt.

Aus: “Philosophische Briefe”

Der Zug des Herzens ist
des Schicksals Stimme.

Aus: “Wallenstein (Piccolomini)”

Männer richten nach Gründen;
des Weibes Urteil ist seine Liebe:
Wo es nicht liebt, hat schon gerichtet das Weib.

>Aus: “Epigramme und Votivtafeln”

Morgen können wir nicht mehr,
drum lasst uns heute leben!

Aus: “Das Siegesfest”

Wir, wir leben! Unser sind die Stunden,
und der Lebende hat recht.

Aus: “An die Freunde”

Wohl dem, der frei von Schuld und Fehle
bewahrt die kindlich reine Seele!

Aus: “Die Kraniche des Ibykus”

Es ist wenig, was man zur Seligkeit bedarf.

Aus: “Don Carlos”

Nicht an die Güter hänge dein Herz,
die das Leben vergänglich zieren!
Wer besitzt, der lerne verlieren,
wer im Glück ist, der lerne den Schmerz!

Aus: “Die Braut von Messina”

Des Menschen Wille,
das ist sein Glück.

Aus: “Wallenstein (Wallensteins Lager)”

Ein jeder Wechsel schreckt den Glücklichen,
wo kein Gewinn zu hoffen droht Verlust.

Aus: “Die Braut von Messina”

Der Mensch braucht wenig,
und an Leben reich ist die Natur.

Aus: “Die Jungfrau von Orleans”

Dein Glück ist heute gut gelaunet,
doch fürchte seinen Unbestand.

Aus: “Der Ring des Polykrates”

Glückselig nenne ich den, der, um zu genießen, nicht nötig hat, unrecht zu tun, und, um recht zu handeln, nicht nötig hat, zu entbehren.

Aus: “Über den Nutzen ästhetischer Sitten”

Man glaubt so selten an ein recht großes Glück.

An den Rudolfstädter Staatsbeamten Wilhelm Heinrich Karl von Gleichen-Rußwurm, 1803

Groß kann man sich im Glück,
erhaben nur im Unglück zeigen.

Aus: “Über das Erhabene”

Das Glück der Menschheit wird ebenso sehr durch Torheit als durch Verbrechen und Laster gestört.

Aus: “Die Schaubühne als eine moralische Anstalt betrachtet”

Die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn.

Aus: “Die Bürgschaft”

Dich wird die Welt nicht tadeln, sie wird’s loben.
Dass dir der Freund das meiste hat gegolten.

Aus: “Wallenstein (Wallensteins Tod)”

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