Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

1 
 Oktober 
 
2020


 

DICHTUNG Joseph von Eichendorff
LESUNG Mathias Wieman


 

Man setzt uns auf die Schwelle,
Wir wissen nicht, woher?
Da glüht der Morgen helle,
Hinaus verlangt uns sehr.

Der Erde Klang und Bilder,
Tiefblaue Frühlingslust,
Verlockend wild und wilder,
Bewegen da die Brust.

Bald wird es rings so schwüle,
Die Welt eratmet kaum,
Berg’, Schloß und Wälder kühle
Stehn lautlos wie im Traum,

Und ein geheimes Grausen
Beschleichet unsern Sinn:
Wir sehnen uns nach Hause
Und wissen nicht, wohin?

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2 
 November 
 
2019


 

DICHTUNG Friedrich Nietzsche
LESUNG gedichtvortrag
BEREITSTELLUNG gedichtvortrag



Noch einmal, eh ich weiter ziehe
und meine Blicke vorwärts sende,
heb’ ich vereinsamt meine Hände
zu dir empor, zu dem ich fliehe,
dem ich in tiefster Herzenstiefe
Altäre feierlich geweiht,
daß allezeit
mich deine Stimme wieder riefe.

Darauf erglüht tiefeingeschrieben
das Wort: dem unbekannten Gotte.
Sein bin ich, ob ich in der Frevler Rotte
auch bis zur Stunde bin geblieben:
sein bin ich – und ich fühl’ die Schlingen,
die mich im Kampf darniederziehn
und, mag ich fliehn,
mich doch zu seinem Dienste zwingen.

Ich will dich kennen, Unbekannter,
du tief in meine Seele Greifender,
mein Leben wie ein Sturm Durchschweifender
du Unfaßbarer, mir Verwandter!
Ich will dich kennen, selbst dir dienen.

Entstanden 1864

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19 
 Juni 
 
2019


 

Lesetext

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