Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

25 
 Dezember 
 
2017


 

Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt. Wir fällen sie und verwandeln sie in Papier, um unsere Leere darauf auszudrücken.

Khalil Gibran

Ob dies auch für Verzeichnisbäume gilt, gipfeln und streben doch diese zur höchsten Ebene, die zugleich das Wurzelverzeichnis bildet?

Es sind die Dateien/Daten [1]„Alles ist eine Datei“ (Unix-Philosophie) , die die Leere ausfüllen und Sinn verleihen wie Blätter und Früchte, das hölzerne Gerippe schmückend.

Quelle: WikiPedia

 
 
17 
 Dezember 
 
2017

abgelegt in
Mnemosynes Geleit | Vorwelt

 

Als nun, wer es auch war von den Göttern, das wirre Gemenge
so zerteilt und geschieden und dann zu Gliedern geordnet.

aus: „Die Metamorphosen“ von Ovid

Nur die (Ur-)Stoffe [1]Bausteine seh‘ ich getürmt, aus welchen das Leben
keimet, der rohe Basalt hofft auf die bildende Hand.
 
[…]
 
Und das Gleiche nur ist’s, was an das Gleiche sich reiht.
Zeichen seh‘ ich gebildet, der Wörter stolze Geschlechter
ziehn in geordnetem Pomp vornehm und prächtig daher.
Regel wird Alles, und Alles wird Zeichen [2]Original: Wahl, frei übersetzt: arbiträres Zeichen in einem Symbolsystem und Alles Bedeutung.

adaptiert von: „Der Spaziergang“ von Friedrich Schiller


Der Ver-zeich-nisbaum [3]Yggdrasil

Fußnoten[+]

 
 
30 
 August 
 
2017


 

Die göttliche Kelle [1]Bildquelle

 
Musik
Wolfgang Amadeus Mozart [2]Klavierkonzert Nr. 20, KV 466 – Quelle: www.archive.org

Widerstreit der Elemente

aus: „Die Metamorphosen“ [3]„Die Metamorphosen“ von Ovid

Kein Titan gewährte bislang seine Lichtkraft dem Weltall.
Phoebe [4]Die Titanin Phoebe.
Phoebe heißt im Griechischen so viel
wie „hell, rein“ bzw. „die Leuchtende“, „die Helle“.
– sie ließ noch nicht neue Hörner der Sichel erwachsen.
Erde – sie hing noch nicht in der Mitte umströmender Lüfte
ausgewogen mit ihren Gewichten. Nicht hielt ihre Arme
um die gewundenen Küsten geschlungen die Göttin der Wogen.

Ja, wenn es Erde schon gab und ein Meer und auch Luft an der Stelle
war doch die Erde nicht sicher und fest, die Woge unschwimmbar
Luft entbehrte des Lichts. Kein Stoff hielt seine Gestalt fest.
Jedes stand jedem andern im Weg, denn in ein und demselben
Körper lag schon das Kalte mit Warmem, das Feuchte mit Dürrem
Weiches mit Hartem im Streit und das Schwerelose mit Schwerem.

Welt der Ideen

# FUNKTIONEN
# Ausgabe
class Ergieße
  
  def Ergieße.gesamt (menge)
    require 'pp'  # pretty print
    pp menge
  end
  
end

# Die noch anfänglich leere Kelle der Schöpfung
kelle = []

# Die Ursuppe der Ideenwelt (Teilmenge)
elemente    = %w[ Erde  Wasser  Luft  Feuer  Apeiron ]
formen      = %w[  □  △  ○  ▢  ▱  ◠ ]
zahlen      = %w[ 4  2  5  9  1  8  3  6  7  0 ]
vokale      = %w[ u  E  i  O  u  I  U  A  o  a ] 
konsonanten = %w[ b  p  d  t  g  k  m  n ]
affixe      = %w[ bon  mal  sen ]
suffixe     = %w[ eg   et  ar  n  ium ]
richtungen  = %w[ Nord  West  Süd  Ost  Mitte ]
sinne       = %w[ sehen  hören  riechen  schmecken  tasten ]
reiz_taktil = %w[ feucht trocken  hart  weich  heiss  kalt ]
# ...       = %w[ (...)  (...)  (...)  (...)  (...) ]
# ...       = %w[ (...)  (...)  (...)  (...)  (...) ]

#
# ? ? ?
# aspekt    = %w[ sammelbegriff  aspekt1  aspekt2  aspekt3  aspekt4 ]


# Die Kelle schöpft aus der Ursuppe
kelle << elemente        # Schöpfung der Elemente
kelle << formen          # Schöpfung der Formen
kelle << zahlen          # Schöpfung der Zahlen 
kelle << vokale          # Schöpfung der Vokale
kelle << konsonanten     # Schöpfung der Konsonanten
kelle << affixe          # Schöpfung der Affixe
kelle << suffixe         # Schöpfung der Suffixe
kelle << richtungen      # Schöpfung der Richtungen
kelle << sinne           # Schöpfung der Sinne
kelle << reiz_taktil     # Schöpfung der taktilen Reize

Ergieße.gesamt kelle    # Ausströmung der Kelle

Welt der Erscheinung

[['Erde', 'Wasser', 'Luft', 'Feuer', 'Apeiron'],
 ['□', '△', '○', '▢', '▱', '◠'],
 ['4', '2', '5', '9', '1', '8', '3', '6', '7', '0'],
 ['u', 'E', 'i', 'O', 'u', 'I', 'U', 'A', 'o', 'a'],
 ['b', 'p', 'd', 't', 'g', 'k', 'm', 'n'],
 ['bon', 'mal', 'sen'],
 ['eg', 'et', 'ar', 'n', 'ium'],
 ['Nord', 'West', 'Süd', 'Ost', 'Mitte'],
 ['sehen', 'hören', 'riechen', 'schmecken', 'tasten'],
 ['feucht', 'trocken', 'hart', 'weich', 'heiß', 'kalt']]
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Vorwort

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29 
 August 
 
2017


 

Astrobild
Dieter Willasch [1]Foto: Dr. Dieter Willasch. Ausschnitt des Sternbilds Einhorn (Monoceros)
 
Musik
Richard Strauss [2]Also sprach Zarathustra, Op. 30 – Quelle: www.archive.org

Der Urquell

aus: „Die Metamorphosen“ [3]„Die Metamorphosen“ von Ovid

Ehe das Meer und das Land war und alles bedeckend der Himmel,
hatte Natur nur das eine Gesicht im kreisenden Weltall,
Chaos genannt: ein rohes, noch unverdautes Gemenge [4]Klumpen,
nichts als kunstlose Last, zusammengestaucht und zugleich wild
in sich entzweit: die Samen nicht richtig verbundener Dinge.

Welt der Ideen

#  FUNKTIONEN
#  System (Ausgabe)
#

class Bildschirm
  
  def Bildschirm.leeren
	system ('clear')
  end

  def Bildschirm.zeige (zeichen)
    print zeichen
  end

  def Bildschirm.neue_zeile
    puts ' '
  end
  
end

#  FUNKTIONEN
#  Zeichenverarbeitung
#

class Zeichen

  def Zeichen.zufall (zeichen_vorrat)
	zeichenanzahl = zeichen_vorrat.length
	return zeichen_vorrat [rand (zeichenanzahl)]
  end

  def Zeichen.durchmischen(string)
    string.split("").shuffle.join
  end

end

#
#  Hauptprogramm
#

Bildschirm.leeren

zeichen_vorrat = 'abcdefghijklmnopqrstuvwxyz' +
				 'ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ'

zeichen_gewimmel = Zeichen.durchmischen (zeichen_vorrat)

7.times do
  70.times do
    Bildschirm.zeige (Zeichen.zufall (zeichen_gewimmel))
  end
  Bildschirm.neue_zeile  
end

 
 
Welt der Erscheinung

zmZPbBZRgNwXMYWJTyHjIkEVtFTKHMHPnjaPttmAViRQhPhUCNQaeIEONzMXFVHbBGbWUq 
GBcnXSxhdARBLfGFiAgXBuHapPmAmfEzZgfMYDgfguebGrHHirWKNoPWTqQvAgUfIzxIxh 
KZEBItypJmmJepzdWnPiwTpXCjIhcGAHcPFHMbQvyOzSuUsHaeRVqRMZiPIMosXOlZgcBq 
RLqNoOkAlaxSSZcZYtSSXEiUzrIEWdSBakKsQAbXgMtrxZDbAQiQvMvyDpprCBovFrhULZ 
ylPautZmerGLBqgdjxzpucbFHHyNgPYiVRiZEHRoSfnFIAfRLKAGLmidlCchFRhZLOPlJs 
pcObJjvWRqAGwoZomsRVfkWrWrcfYvfqyyFFXhqQUkpmSyHVcmPdocynLazNrVuIigvWxS 
SkaPIoGJPufEzDBzUImofBWuRiWyFUKsYtzcMUpRdRCcjjEXAUhTuvjWaGJUWYZFpwwFXK
→ zu Mnemosynes Geleit
Vorwort

Fußnoten[+]

 
 
4 
 August 
 
2017

abgelegt in
Mnemosynes Geleit | Vorwelt

 

Morpheus und Iris [1]Pierre Narcisse Guérin, 1811

 
Musik
Robert Schumann [2]Kinderszenen, Op. 15 – Nr. 7 – Quelle: www.archive.org
Des Traums holde Phantome

Ist denn die Wirklichkeit nicht erdacht,
schlicht ersponnen,
eine Dichtung unseres Geistes,
die aus dem Reiz trüber Sinne sich nährt
und in kühnen Deutungen die Welt uns erschließt?

Zweifelsfrei ist die Traumwelt,
die Heimstatt hehrer Ideen,
ersonnen,
eine Elegie der Phantasie
und wahrhaft stolzes Rankgewächs,
das als Zartspross
aus des Alltags Niederwuchs
munter sich enttrotzte
zu reiferer Blüte.

Beide Sphären,
die der Wirklichkeit
als auch des Traumes,
sind daher gleichen Ursprungs,
dem der Dichtung.

Und wie ein Geschwisterpaar
reichen Erscheinung und Traumbild
sich treu die Hände,
vereinigen sich wie zwei Flüsse es tun:
Rauschend’ Verlangen
mit strömendem Eifer hinstrebend
und einend still sich ergeben
sodann ins unendliche Meer
menschlicher Deutung.

Traumwelt IST daher Wirklichkeit,
eins ins eins vermengt.

Nahe dich ihnen,
des Traums holden Phantomen,
den treu dich Empfangenden!

Schließe ihr Bild
in den Busen still ein
und bilde getreu
nach ihren Gesetzen
das Irdische!
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Vorwort

Fußnoten[+]

 
 
3 
 März 
 
2017


 

Die Titanentochter Mnemosyne [1]modifiziert mit dem Ruby-Juwel

DICHTUNG Hermann Hesse
LESUNG Dagmar Manzel
GESANG Knabenchor Hannover
BEREITSTELLUNG LYRIK & MUSIK


 
Traum gibt, was Tag verschloß;
Nachts, wenn der Wille erliegt,
Streben befreite Kräfte empor,
Göttlicher Ahnung folgend.
Wald rauscht und Strom, und durch der regen Seele
Nachtblauen Himmel Wetterleuchten weht.

In mir und außer mir
Ist ungeschieden, Welt und ich ist eins.
Wolke weht durch mein Herz,
Wald träumt meinen Traum,
Haus und Birnbaum erzählen mir
Die vergessene Sage gemeinsamer Kindheit.
Ströme hallen und Schluchten schatten in mir,
Mond ist und bleicher Stern mein vertrauter
Gespiele.

Aber die milde Nacht,
Die sich über mich mit sanftem Gewölke neigt,
Hat meiner Mutter Gesicht,
Küßt mich lächelnd in unerschöpflicher Liebe,
Schüttelt träumerisch wie in alter Zeit
Ihr geliebtes Haupt, und ihr Haar
Wallt durch die Welt, und es zittern
Blaß aufzuckend darin die tausend Sterne.

Hermann Hesse

→ zu Mnemosynes Geleit
Vorwort

Fußnoten[+]