Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

26 
 Dezember 
 
2019

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DICHTUNG William Shakespeare
LESUNG Matthias Hasse

Die Übersetzungen bzw. Übertragungen der Sonette von Shakespeare sind so vielfältig.
Bisher favorisierte ich jene von Gottlob Regis, aber jene erlauschte Version belehrte mich wohl eines Besseren.

Auch wenn der Vergleich vermutlich hingt, sind Shakespeares Sonette vielleicht der alltägliche Prüfstein/das Übungsfeld des Lyrikers, an dem der Geist sich erproben/ermuntern soll, wie auch der Ringer nur in der Arena seine Kräfte stählen kann zu höherem Vermögen.

Wie kann ich je denn wieder glücklich sein,
wenn Ruhe zu genießen mir verwehrt,
der Druck des Tags nicht nachts gelöst wird, nein,
die Nacht den Tag, der Tag die Nacht beschwert,

und beide, wenn auch Feinde sozusagen,
die Hand sich reichen, mich zu quälen, mir
der eine Mühsal schickt, die andre Klagen,
wie ich mich mühe, weit entfernt von dir?

Ich sag dem Tag zuliebe, du bist klar
und machst ihn hold, wenn Wolken ihn verdunkeln,
der schwarzen Nacht verspreche ich sogar,
du sprühest Gold, wenn Sterne nicht mehr funkeln.

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25 
 November 
 
2017


 

Sonett XII.

Zähl’ ich die Glocke, die die Zeiten mißt,
Seh’ ich den wackern Tag in Nacht verloren,
Und wie des Veilchens Lenz vorüber ist,
Wie sich mit Silber dunkle Haar’ umfloren;

Erblick’ ich hoher Wipfel dürres Laub,
Die erst ein Schattendach der Herde waren,
Geschürzt in Garben grünen Feldesraub
Weißbärtig, wie im Sarg, zur Scheuer fahren:

Dann kommt mir deine Schönheit in den Sinn,
Daß du der Zeiten Trümmer mußt vermehren;
Weil Reiz und Jugendschmuck sich selbst entfliehn,
Sich selbst so schnell als andre blühn, zerstören,

Und vor dem Sensenhieb der Zeit nichts wahrt
Als, ihm zum Trutz, Fortzeugung deiner Art.

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25 
 November 
 


 

Sonett XXIV.

Mein Auge war ein Maler, der dein Bild
In meines Herzens Grund gezeichnet tief.
Mein Lieb umzirkt es wie ein Rahmenschild,
Und Malers beste Kunst ist Perspektiv:

Denn durch den Maler durchsehn mußt du sein Geschick,
Wenn du dein armes Bild willst finden, wo es liegt:
In meines Busens Schrein bis diesen Augenblick,
Darein dein Auge sich als Fenster schmiegt.

Sieh nun wie gut dein Auge dient dem andern!
Meins malt dein Bild, dafür, in meiner Brust
Wird deins zum Fenster, wo die Sonnenstrahlen wandern,
Durchblickend dich belauschen drin mit Lust.

Nur daß das Aug’ entbehret eines Lichts:
Es malt nur was es sieht, vom Herzen weiß es nichts.

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