Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

9 
 November 
 
2019

abgelegt in
Philosophie | Platon

 

Video-Quelle: blogvombleiben.de


 

Bildquelle: Leif Czerny

Platons Höhlengleichnis

 
Sokrates beschreibt eine unterirdische, höhlenartige Behausung, von der aus ein rauer und steiler Gang nach oben zur Erdoberfläche führt. Der Gang ist ein Schacht, der in Höhe und Breite der Höhle entspricht. In der Höhle leben Menschen, die dort ihr ganzes Leben als Gefangene verbracht haben. Sie sind sitzend an Schenkeln und Nacken so festgebunden, dass sie immer nur nach vorn auf die Höhlenwand blicken und ihre Köpfe nicht drehen können. Daher können sie den Ausgang, der sich hinter ihren Rücken befindet, nie erblicken und von seiner Existenz nichts wissen. Auch sich selbst und die anderen Gefangenen können sie nicht sehen; das Einzige, was sie je zu Gesicht bekommen, ist die Wand, der sie zugedreht sind. Erhellt wird ihre Behausung von einem Feuer, das hinter ihnen weit oben in der Ferne brennt. Die Gefangenen sehen nur dieses Licht, das die Wand beleuchtet, nicht aber dessen Quelle. Auf der Wand sehen sie Schatten.

Zwischen dem Inneren des Gefängnisses und dem Feuer befindet sich eine kleine Mauer, die nicht so hoch ist, dass sie das Licht des Feuers abschirmt. Längs der Mauer tragen Menschen unterschiedliche Gegenstände hin und her, Nachbildungen menschlicher Gestalten und anderer Lebewesen aus Stein und aus Holz. Diese Gegenstände ragen über die Mauer hinaus, ihre Träger aber nicht. Manche Träger unterhalten sich miteinander, andere schweigen.

Da die bewegten Gegenstände auf die Höhlenwand, der die Gefangenen zugewendet sind, Schatten werfen, können die Höhlenbewohner die bewegten Formen schattenhaft wahrnehmen. Von den Trägern ahnen sie aber nichts. Wenn jemand spricht, hallt das Echo von der Höhlenwand so zurück, als ob die Schatten sprächen. Daher meinen die Gefangenen, die Schatten könnten sprechen. Sie betrachten die Schatten als Lebewesen und deuten alles, was geschieht, als deren Handlungen. Das, was sich auf der Wand abspielt, ist für sie die gesamte Wirklichkeit und schlechthin wahr. Sie entwickeln eine Wissenschaft von den Schatten und versuchen in deren Auftreten und Bewegungen Gesetzmäßigkeiten festzustellen und daraus Prognosen abzuleiten. Lob und Ehre spenden sie dem, der die besten Voraussagen macht.

Nun bittet Sokrates Glaukon sich vorzustellen, was geschähe, wenn einer der Gefangenen losgebunden und genötigt würde, aufzustehen, sich umzudrehen, zum Ausgang zu schauen und sich den Gegenständen selbst, deren Schatten er bisher beobachtet hat, zuzuwenden. Diese Person wäre schmerzhaft vom Licht geblendet und verwirrt. Sie hielte die nun in ihr Blickfeld gekommenen Dinge für weniger real als die ihr vertrauten Schatten. Daher hätte sie das Bedürfnis, wieder ihre gewohnte Position einzunehmen, denn sie wäre überzeugt, nur an der Höhlenwand sei die Wirklichkeit zu finden. Gegenteiligen Belehrungen eines wohlgesinnten Befreiers würde sie keinen Glauben schenken.

Wenn man den Befreiten nun mit Gewalt aus der Höhle schleppte und durch den unwegsamen und steilen Aufgang an die Oberfläche brächte, würde er sich dagegen sträuben und wäre noch verwirrter, denn er wäre vom Glanz des Sonnenlichts geblendet und könnte daher zunächst gar nichts sehen. Langsam müsste er sich an den Anblick des Neuen gewöhnen, wobei er erst Schatten, dann Spiegelbilder im Wasser und schließlich die Menschen und Dinge selbst erkennen könnte. Nach oben blickend würde er sich erst mit dem Nachthimmel vertraut machen wollen, später mit dem Tageslicht, und zuletzt würde er es wagen, die Sonne unmittelbar anzusehen und ihre Beschaffenheit wahrzunehmen. Dann könnte er auch begreifen, dass es die Sonne ist, deren Licht Schatten erzeugt. Nach diesen Erlebnissen und Einsichten hätte er keinerlei Bedürfnis mehr, in die Höhle zurückzukehren, sich mit der dortigen Schattenwissenschaft zu befassen und dafür von den Gefangenen belobigt zu werden.

Sollte er dennoch an seinen alten Platz zurückkehren, so müsste er sich erst wieder langsam an die Finsternis der Höhle gewöhnen. Daher würde er einige Zeit bei der dort üblichen Begutachtung der Schatten schlecht abschneiden. Daraus würden die Höhlenbewohner folgern, er habe sich oben die Augen verdorben. Sie würden ihn auslachen und meinen, es könne sich offenbar nicht lohnen, die Höhle auch nur versuchsweise zu verlassen. Wenn jemand versuchte, sie zu befreien und nach oben zu führen, würden sie ihn umbringen, wenn sie könnten.

Quelle: WikiPedia

 
 
9 
 November 
 


 

60-minütiger Vortrag an der Hochschule vor Studenten zum Kerngedanken von Sartre. Der Existenzialismus Sartres wird lebendig und verständlich anhand vieler Beispiele erklärt. Die bedeutendsten Zitate sind als Texttafeln gut lesbar eingeblendet. Der Dozent ist Autor der gleichnamigen Buchreihe: Große Denker in 60 Minuten, die inzwischen in mehreren Sprachen weltweit erschienen ist.

Kernthesen mit Dank an Dr. Walther Ziegler


    Freiheit und Entscheidung

  • Der Mensch ist nichts anderes als das, wozu er sich macht.
    Das ist das erste Prinzip des Existentialismus.
  • Die Freiheit ist vollkommen und unendlich […]. Die einzigen Grenzen, auf die die Freiheit stößt, sind diejenigen, die sie sich selbst auferlegt.
  • Der Mensch ist nichts anderes als sein Entwurf. Er existiert nur in dem Maße, indem er sich verwirklicht.
  • Wir verwerfen […] die Theorie des folgsamen Töpfertones ebenso wie die des Triebbündels
  • Der Mensch ist dazu verurteilt, frei zu sein. Verurteilt, weil er sich nicht selbst erschaffen hat, und dennoch frei, weil er, einmal in die Welt geworfen, für all das verantwortlich ist, was er tut.
  • Wir können uns als Fliehenden, Ungreifbaren, Zögernden usw. wählen, wir können uns sogar dazu erwählen, uns nicht zu wählen.
  • Der Mensch […] kann nicht umhin zu wählen: entweder bleibt er keusch, oder er heiratet, ohne Kinder zu bekommen, oder er heiratet und hat Kinder; was er auch tut, es ist ihm in jedem Fall unmöglich, nicht die totale Verantwortung angesichts dieses Problemes zu nehmen.
  • Ich allein kann jeden Augenblick über die Tragweite der Vergangenheit entscheiden […], indem ich mich auf meine Ziele hin entwerfe (jeder ist ein Projekt), nehme ich die Vergangenheit mit mir und entscheide über mein Handeln über ihre Bedeutung. Die Vergangenheit lässt sich nicht ändern, die Bedeutung schon.
    Wir können frei entscheiden, wie wir mit unserer Entscheidung umgehen. Die vergangenen Ereignisse sind wie Perlen einer Perlenkette, die wir aufreißen können und die Perlen neu anordnen können. Die Vergangenheit wird ständig neu umgewertet („Reframing“, siehe „Alexander der Große“).
  • Der Sinn der Vergangenheit kommt aus der Zukunft zu, denn die Kraft der Vergangenheit kommt allein durch die Kraft der Zukunft.
  • Man darf daher Trauma in der Kindheit nicht verantwortlich machen.
  • Wenn nichts mich zwingt, mein Leben zu bewahren, hindert mich nichts, mich in den Abgrund zu stürzen.
  • In der Stimmung der Angst, können wir das Nichts spüren.
  • Die Angst ist der Schwindel der (inneren) Freiheit.
  • Die Furcht hat immer einen konkreten Gegenstand (z.B. bissiger Hunde), die Angst nicht. Die Angst unterscheidet sich von der Furcht dadurch, dass die Furcht Furcht vor den Lebewesen in der Welt ist und die Angst Angst vor sich selbst.
  • In der Angst, ängstigt sich die Freiheit vor sich selbst, insofern sie […] von nichts beunruhigt oder behindert wird.
  • Die Freiheit ist eben das Nichts, das […] die menschliche Realität zwingt, sich zu machen, anstatt zu sein.
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    Von der Scham

  • Nehmen wir an ich sei aus Eifersucht aus Neugier oder lasterhafter Weise soweit gekommen, mein Ohr an die Tür zu legen oder durch ein Schlüsselloch zu spähen […]. Jetzt habe ich Schritte im Vorsaal gehört: man sieht mich. Was soll das heißen? Das soll heißen, dass ich in meinem Sein plötzlich von etwas betroffen werde und das in meinen Strukturen wesentliche Veränderungen auftreten […].
  • Die reine Scham ist nicht das Gefühl, dieses oder jenes tadelnswerte Objekt zu sein, sondern überhaupt ein Objekt zu sein, das heißt mich in jenem degradieren, abhängigen und starr gewordenen Objekt, dass ich für andere geworden bin, „wiederzuerkennen „.
  • Als Bewusstsein ist der andere für mich der, der mir mein Sein gestohlen hat, und zugleich der, der es bewirkt, dass es ein Sein “gibt“ Ende, welches mein Sein ist.
  • So konstituiert mich das Gesehenwerden als ein wehrloses Wesen für eine Freiheit, die nicht meine Freiheit ist Action […]. Ich bin in Gefahr […]. Und diese Gefahr ist kein unangenehmer Zufall, sondern die dauernde Struktur meines Für-Andere-Seins.
  • Wir haben ja betont, dass die Freiheit Anderer die Grundlage meines Seins ist. Aber gerade weil ich durch diese Freiheit Anderer existiere, […] bin ich in dieser fremden Freiheit in Gefahr; sie formt mein Sein [… ], sie verleiht und raubt mir Werte. Mein Vorhaben, mein Sein wiederzuerlangen, kann nur verwirklicht werden, wenn ich mich dieser Freiheit bemächtige und wenn ich sie darauf reduziere, eine meiner Freiheit unterworfene Freiheit zu sein, dass sie uns letztlich positiv antizipiert.
  • Der Seins-Zuspruch eines Diktators beruht auf Terror und Furcht.
  • Der wahre Seins-Zuspruch findet sich in der Liebe. In der Liebe gibt es einen gegenseitigen Seins-Zuspruch.
  • Die Verführung zielt darauf ab, beim anderen das Bewusstsein seiner Nichtigkeit angesichts des bezaubernden Objektes wachzurufen.
  • Jemand, der geliebt werden möchte, muss versuchen, sich zum bezaubernden Objekt in der Welt des Gegenübers zu machen.
  • Also wünscht der Liebende nicht, den Geliebten zu besitzen, wie man eine Sache besitzt; er sucht nach einem besonderen Typus der Aneignung. er will seine Freiheit als Freiheit besitzen.
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    Das 3-fache Scheitern der Liebe

  • Wir könnten den Zustand des absolut bezauberndsten Wesens nur auf einer Insel aufrecht erhalten, ohne Konkurrenz.
  • Es gelingt uns auch nicht, die Liebe des Anderen auf Dauer zu sichern. Jede zwanghafte, dauerhafte Anbindung eines anderen an sich selbst ist – wie beim Diktator – die „Hörigkeit“. Sie speist sich nicht aus der Freiheit des anderen heraus, sondern aus dem Zwang.
  • Da in der wahren Liebe der Andere nicht abhängig gemacht wird, bleibt er frei und wir können daher nie ganz sicher sein.
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    Schulsswort

  • Der Mensch ist nicht anderes als das, was er aus sich macht.
    Er ist unabhängig von Herkunft, von finanziellen Möglichkeiten, Erziehung, Lebenserfahrungen, … kurzum: von äußere und inneren Grenzen, als nur die, die er sich selbst in seinen Entscheidungen setzt.
 
 
9 
 November 
 

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