Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

13 
 Februar 
 
2008


 

Vom rechten Lohn der Opferfreude [1]Schwarz zieht und erlangt Vorteil
 
Großer Freude zuteil nach erkämpftem Vorstoß in Feindes
Land, der siebenten Reihe, wo Bauerngevölk still verharrt, das
ohnmächtig nun dem steinern Gebäu des massiven Turmes
schutzlos erlegen. Die brennenden Pfeile aus Schießschartens Rachen
drängen dem Landvolk, Entrinnen deucht unnütz. Schon legt sich des Weißen
Axt an die Stämme der stattlichen Reihe bäurischen Wuchses …

Rettung tut Not in äuß’rer Bedrängnis. Tatendrang fordert
ohne Verzug die Gefahr. Denn jegliches Säumen in Drangsal
jähes Ende gebieret. Drum gürte dich, Schwarzer, mit eilenden Kräften.

So ergeht nun der mahnende Ruf an das stolze Gespann der
apokalyptischen Reiter, paarig gesellt auf dem Schlachtfeld.

Hufscharrend, schwer die Lanze gesenkt, das Visier mit gestähletem Willen
rüstern verschlossen, wirft sich ein Ritter ins Kampfesgeschehn, im
Blutrausch opfernd sich selbst nun, des Feinds Barrikaden zu sprengen. (1. … Sg3+)
 
 

 
 
Damit dränget der freche Rappen dem feindlichen König
als auch dem Turme zugleich. Welch’ schreckliches Ungemach naht!
Erzwungen muss der Bauer, der rettende, nehmen, (2. hg)
sonst droht Qualität gar verlustig.
 
 

 
 
Entblößt weilt der Herrscher, des Schutzschilds beraubt, auf geöffneter Linie!

Wiederum schlägt jetzt der schwarze Bauer (2. … hg+) und -böses Erwachen-
es wird bis dahin in dämmernder Stille der Turm jäh geweckt und
Goliath gleich, höhnt der Philister mit drohendem Wurfspieß ein Schach ins
Lager des Weißen. Die Hoheit erschrickt und weichet zur Linken. (3. Kg1)
 
 

 
 
Seiner jetzigen Stärke gewiss und vom Teufel geritten,
folget mit Heißsporn das andere Ross ins süße Verderben. (3. … Sf2)
 
 

 
 

Weil durch den Turmzug auf h1 der Tod des Monarchen würde beschieden,
sieht sich der Weiße genötigt und nimmt mit dem Turme sogleich. Doch …(4. Tf2:)
 
 

 
 
… Schwarz, trotz der Springer entledigt, erkühnt sich, mit Schlachtruf den Turm auch
ohne schadhaftes Zögern zu opfern (4. … Th1+),
 
 

 
 
wodurch, keines Fluchtfelds gesichtig,
Weiß den Turm -übelst- schlagen muss (5. Kh1:), auf das Eckfeld gelenkt … und
Schwarz nunmehr, siegreich dem Bauern den Lorbeer errungen
nach Schlagen des Turmes (5. … gf),
 
 

 
freie Bahn zu der Dam’ sich ertrotzte.
 
https://www.youtube.com/watch?v=lSWnjVEUiy0
 

 

zum Nachspielen: FEN-Code 7r/ppR5/6k1/3p4/4n1np/4P3/PPP3PP/5R1K

Fußnoten[+]

 
 

7 Kommentare zu “Edles Pferdegespann”

  1. Bjoern sagt:

    Toll + und mit viel Herz fuer das Schachspiel!
    (Besonders schön: “Die Hoheit erschrickt und weichet zur Linken”)
    Und eine schöne Lösung! Mehr davon – dichterisches Schachtraining!

    Lieber Björn,

    vielen Dank für das Lob und deinen Kommentar.
    Nunja, es war -ähnlich wie “Köstliches Martyrium“- nur eine Fingerübung und es gibt sicherlich noch Vieles zu verbessern. Man arbeitet eben ständig an sich.
    Aber letztlich ist alles ein lebenslanger Lernprozess.

    Liebe Grüße,
    Ralph

  2. Ulf Runge sagt:

    Lieber Ralph,
    ich kenne zwar die Schachregeln, aber ein Schachspieler bin ich bei weitem nicht. Kann deshalb auch nicht wirklich die Komplexität der hier gemachten Spielzüge ermessen. Egal.

    1. Die Schachgraphiken sind erste Sahne. Es macht schon Freude, auf diese schön gestalteten Spielsituationen zu schauen.
    2. Meine Mutter war immer stinkesauer, wenn ich ihr die Pferdchen geklaut habe. Und da ich wusste, dass die Pferdchen auch deshalb ihre Achillesferse sind, habe ich ich selten zurückgehalten, die selbigen zu klauen.
    3. Nackter König lese ich da. Da will ich mal hoffen, dass das ein Fachbegriff ist… 🙂

    Liebe Grüße,
    Ulf

    Lieber Ulf,

    dir auch ein Danke für den Kommentar!

    1.) Schön, dass es diese Möglichkeit unter ChessUp gibt. Ist also nicht auf meinem Mist gewachsen, das Lob nehme ich aber trotzdem gerne entgegen. 🙂
    2.) Pferde (Springer) sind etwas für Taktiker, Läufer für positionelle Spieler. Je nachdem, ob ein Schachspieler taktische oder positionelle Stärken aufweist, wird er die Pferdchen behalten oder zurückhalten.
    3.) “Nackter” König ist eigentlich kein wirklicher Fachbegriff, sondern meint salopp, dass der König sich nicht mehr hinter einem Bauernwall (o.ä.) verschanzen kann, um so vor Schachgeboten sicher zu sein.

    Ansonsten gilt: fürs Schachspielen ist man nie zu alt und vielleicht darf ich mit meinem Beitrag auf Ansteckung hoffen 😉

    Liebe Grüße,
    Ralph

  3. Mamü sagt:

    Hmm… hier wird immer noch Schach gespielt. 🙂 Leider habe ich davon keine Ahnung, weiß mal gerade wie die Figuren aufgestellt werden und wie man sie ziehen muss. Das war es dann schon. Aber die Grafik ist schön. 😉

    Liebe Grüße,
    Martina

    Liebe Martina,

    ja, Schach ist ein Spiel für Geduldige 😉
    Aber Spass beiseite. Ich bin momentan unter Dauerstrom, da ich sich doch noch ein freier Platz auf einem Poetry Slam ergeben hatte und ich mit der Textzusammenstellung allzu sehr beschäftigt bin.
    Trotzdem danke für deinen Kommentar.

    Liebe Grüße,
    Ralph

  4. Janice sagt:

    Ralph, Ralph, Ralph …

    Ich sah nur die Stellung auf der Hauptseite und grübeltet und dachte. Aber da war kein dringendes Matt zu sehen. Nicht in zwei, drei noch in vier oder fünf Zügen. Gut, wenn man erst auf den Artikel klickt und dann denkt 🙂

    Die Antwort auf Sg3 im nächsten Zug ist ein grober Fehler. Besser: Kg1
    Macht die Stellung nicht hoffnungsloser, aber verschlimmert sie wenigstens nicht noch.

    Janice

    Liebe Janice,

    zunächst herzlich willkommen auf meinem Blog.
    Du hast recht: Kg1 verliert nur die Qualität (Turm gegen Springer) und für mich als unterdurchschnittlicher Vereinsspieler wäre das auch noch durchaus spielbar.
    Aber vermutlich ist Turm und Springer gegen Turm in dieser Stellung doch stärker, auch wenn Weiß Mehrbauern hat. Keine Ahnung.
    Mein Schachprogramm meint zwar, dass Schwarz besser stehen würde, andererseits muss man dann aber auch so gut wie ein Schachprogramm spielen können.
    Auf jeden Fall danke für das kritische Hinterfragen der Stellung.
    Ich sollte vielleicht die Aufgabenstellung revidieren: “Schwarz zieht und erlangt Vorteil”, was ich auch gemacht habe.

    Liebe Grüße,
    Ralph

  5. Mamü sagt:

    Geduld, okay, ich gebe es zu, ist nicht meine Stärke. 🙂 Wollte ja nur mal sagen, dass ich hier gewesen bin. 😉
    Liebe Grüße,
    Martina

    🙂
    Naja, war auch nicht so von mir gemeint, aber du weisst ja, wie ich es meinte 😉
    Trotzdem freue ich mich natürlich immer über einen Besuch von dir.

    Liebe Grüße,
    Ralph

  6. Janice sagt:

    Ja Ralph, keine Frage .. Schwarz steht definitiv besser und auf Gewinn. Auch Kg1 zögert die Niederlage nur etwas hinaus. Das erlaube ich mir mal mit ebenfalls unmeisterlicher DWZ zu sagen 🙂

    Janice

    … ein Tod in Etappen 😉 quasi

    Liebe Grüße,
    Ralph

  7. Jürgen Behrndt sagt:

    Das Schachspiel
    Wer findet für Schach das richtige Wort?
    Ist es Wissenschaft oder Sport?
    Ist es Kunst oder ein edles tolles Spiel?
    Ich glaube, ich sage nicht zu viel,
    dass Schach das alles in sich schließt
    und unbestritten König ist!

    In diesem Sinne!
    Liebe Grüße,
    Jürgen

    Lieber Jürgen,

    vielen Dank für Deine reimische Schmiedekunst auf dem (Schach-)Feld der Ehre!
    Ich habe mich sehr über Deinen Kommentar gefreut!

    Liebe Grüße
    Ralph

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