Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

4 
 August 
 
2011


 

Hildegard von Bingen
übertragen ins Deutsche von Maria Kempf



 
O Pastor animarum
Oh, Hirte der Seelen

et o prima vox,
und erste Stimme,

per quam omnes creati sumus,
durch welche wir alle geschaffen wurden,

nunc tibi, tibi placeat,
möge es dir nun gefallen,

ut degneris nos liberare
uns Niedrige zu befreien

de miseriis et languoribus nostris.
von unserem Elend und unserer Mattigkeit.

 
 

18 Kommentare zu “O Pastor Animarum”

  1. Maria Kempf sagt:

    hast du die Übersetzung selbst gemacht? falls ja, hakt die aber noch ganz schön

    1. Ralph sagt:

      Ja, ich war der Urheber dieser untröstlichen Übersetzungsarbeit 🙁

      Das lag an zwei Problemen.

      Problem Nr.1: Ich kann leider kein Latein, auch wenn es eine sehr reizvolle Sprache ist und stückweit auch von mir intuitiv erfasst und abgeleitet werden kann. Besonders das Kirchenlatein in Verbindung mit gregorianischem Gesang durchdringt mein ganzes Wesen (ich weiß, es klingt pathetisch, ist aber so).

      Problem Nr.2: Hildegard von Bingen, selbst deutschsprechend, verfasste ihre Gesänge -damals üblich- in Latein. Da aber meine Lateinkenntnisse mehr als unterbelichtet sind, bin ich nach emsigem Googeln leider „nur“ auf eine englische Übersetzung gestoßen und hatte bei der Rückübersetzung Englisch-Deutsch meine Schwierigkeiten. Gott sei Dank gibt es in meinem Verwandtenkreis jemanden, der zweisprachig mit Deutsch und Englisch aufgewachsen ist und mir „Hebammendienste“ geleistet hat.
      Sicherlich ist die Übersetzung an einigen Passagen sehr frei.

  2. Maria Kempf sagt:

    darf ich weiter Geburtshilfe leisten und es direkt aus dem Lateinischen übersetzen, wie ich denke, dass es stimmen müsste?
    manche Stellen tun mir richtig weh 🙁

    1. Ralph sagt:

      „So hoch empor verstieg sich nie und nimmer mein allerkühnstes Hoffen“ (Cyrano) 🙂
      Ich wäre sehr dankbar darum 🙂

  3. Maria Kempf sagt:

    😀 ach, ich bin einfach mal so frei.

    O Pastor animarum
    et o prima vox,
    per quam omnes creati sumus,
    nunc tibi, tibi placeat,
    ut degneris nos liberare
    de miseriis et languoribus nostris.

    O Hirte der Seelen,
    und o erste Stimme,
    durch welche wir alle geschaffen wurden,
    nun soll es dir, dir gefallen,
    uns niedrige zu befreien
    von unserem Elend und unserer Mattigkeit.

    statt „degneris“ bin ich von „degeneres“ ausgegangen, vielleicht eine mittelalter-lateinische Pluralform. macht jedenfalls einzig Sinn an der Stelle.

    1. Ralph sagt:

      Das ging aber schnell! Vielen Dank 🙂
      Du hingst wohl an der Lippe Gottes und schriebest danieder was göttlicher Mund offenbarte?

      Ich habe dich auf jeden Fall als Geburtshilfe im Beitrag vermerkt.

  4. Maria Kempf sagt:

    ich muss mich übrigens schwer bedanken. die Melodie kannte ich schon lang, aber ich wusste nie, dass es sich um einen von Hildegard von Bingen geschriebenen Gesang handelt. hat sie auch die Melodie dazu gemacht oder nur den Text?

    1. Ralph sagt:

      Eine verdammt gute Frage! Ich bin mir da nicht sicher.
      Seit Tagen liegt in meinen Beitrags-Entwürfen ein weiterer Text von Hildegard von Bingen („O Ecclesia“), wo dem ich ausgehen kann, dass sowohl Text als auch Gesang von Hildegard stammen.
      Ich werde ihn in den nächsten Tagen -gleichfalls wiederum nach „Übersetzungskämpfen“- ihn einstellen.

  5. Maria Kempf sagt:

    😀 nein, ich hab nur im Nebenfach Latein studiert.

  6. Maria Kempf sagt:

    wenn ich dir da irgendwie helfen kann, kannste dich gern melden. obwohl mittelalterliches Latein und Kirchenlatein natürlich nochmal ne ganz andere Liga ist, dessen muss man sich bewusst sein.

    1. Ralph sagt:

      Vielen Dank, es sollte aber nicht allzu sehr von deiner Bachelor-Arbeit ablenken.

  7. Maria Kempf sagt:

    lass mir doch diese kleine Freude 😉

    1. Ralph sagt:

      auf dein Geheiß hin…

    2. Ralph sagt:

      Bezüglich des Gesanges „O Ecclesia“ (Hildegard von Bingen) wurde ich jetzt doch im Internet fündig.
      Es wäre vermutlich auch für dich kein unbeträchtlicher Arbeitsaufwand gewesen, vor dem ich dich bewahren wollte.
      Trotzdem danke nochmals für dein Übersetzungsangebot.

  8. Maria Kempf sagt:

    „möge es dir nun gefallen“ ist für die vierte Zeile eigentlich angemessener 🙂 kannst ja nochmal ändern

    1. Ralph sagt:

      … scho(e)n geändert 🙂

  9. Finnin sagt:

    Bei den Übersetzungen musst du natürlich auch beachten, dass sich in die Texte von Hildegard im auch Vokabular aus ihrer Lingua ignota, der von ihr selbst entwickelten „Geheimschrift“ eingeschlichen haben. Bis heute sind nicht wirklich alle Wörter entschlüsselt…

    1. Ralph sagt:

      Vielen Dank für deinen Kommentar und den Hinweis auf die von Hildegard selbst entwickelten „Geheimschrift“!

      Vielleicht ist es ein (himmlischer) Wink, denn momentan arbeite ich auch an einer Art semantischen Sprache im Rahmen einer fiktionalen Biografie des Dichters Friedrich Hölderlin, wobei sich die schriftliche Darstellung nicht in Zeichen, sondern in Figurenstellungen auf einem Schachbrett darstellen, und zwar nicht nur dem Auge, sondern dem Geist mit seiner Werkzeugen der Sinneskanäle…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.