Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

2 
 Mai 
 
2021


 

Muss ich jetzt „7 Tage“ als sprachliches Bild oder als reale Größe verstehen?
Mit dieser Frage befasse ich mich schon seit 20 Jahren.

Gute Frage! Die Zusätze, „es wurde Abend und es wurde Morgen“, ähneln unserem Tageszyklus. Könnte sich also um eine buchstäbliche Woche handeln🤔

Ich danke Dir für Deine hilfreiche Antwort!
1 Tag ist vor Gott wie tausend Jahre und der Lebensabend eines Menschen bringt es ja auch auf ein Menschenleben. Letztlich sollte man sich nicht an diesen Kleinigkeiten vielleicht aufhalten, sondern es innerhalb der literarischen Gattung als Erzählmittel verstehen.

 
 
7 
 Juni 
 
2018


 

DICHTUNG Hermann Hesse
LESUNG Ulrich Gebauer
KLAVIER Ralf Schink
BEREITSTELLUNG LYRIK & MUSIK


 

Was ich bis heut an Versen schrieb
Und was ich sonst landein, landaus
An losen Dichterkünsten trieb,
Der ganze leicht gepflückte Strauß —

Mir ist er nichts! Mir welkt er in der Hand,
Ich werf ihn weg und geh auf neuen Wegen
Hinüber in ein neues, andres Land,
Dem ungewissen Reiseziel entgegen.

Und war der Strauß auch einmal frisch und bunt,
Nach andern Straßen drängen meine Sohlen,
Der ganze Tand war doch im Grund — gestohlen.
Hinweg damit! Ich bin ein Vagabund.

Stirnrunzelnd untersucht ein Rezensent
Die welke Ernte und beginnt zu schelten . . .
Ich bin schon weit, auf meinem Hute brennt
Schon eine andre Sonne. Ferne Welten

Verlocken mich; das alte Leierspiel
Mag liegen, wo mir’s aus der Tasche fiel.
Die Jahre gehn so schnell! Wie lang wird’s sein,
So steh auch ich im stillen Kreis der Müden

Und schaue hinter mich in die verblühten
Jahre als in ein fremdes Reich hinein!
Das läßt mir keine Rast; eh mich mit kühlen
Händen der Schnitter greift, will ich und muß

Der Erd‘ und Sonne Kräfte in mir fühlen,
Und was sie hegt an Schmerz und an Genuß
Mit starken Armen sehnlich an mich reißen
Und Tod und Leben meine Brüder heißen.

Ob dann ein neues Liederspiel beginnt,
Was liegt daran? Ein Sucher bin ich nur,
Der durch die Welt in Sonne, Staub und Wind
Begierig tastet nach der Schöpfung Spur.

Wo irgendeine unerschöpfte Kraft,
Ein Sprossen, Strömen, eine Leidenschaft
Sich regt und schafft und probende Flügel spannt,
Da ist mir wohl, da ist mein Heimatland.

 
 
17 
 April 
 
2018


 

DICHTUNG Hermann Hesse
LESUNG Ulrich Gebauer
BEREITSTELLUNG LYRIK & MUSIK


 

Es fahren leise junge Wolken durchs Blaue,
Kinder singen und Blumen lachen im Gras;
Meine müden Augen, wohin ich schaue,
Wollen vergessen, was ich in Büchern las.

Wahrlich alles Schwere, das ich gelesen,
Stäubt hinweg und war nur ein Winterwahn,
Meine Augen schauen erfrischt und genesen
Eine neue, erquellende Schöpfung an.

Aber was mir im eigenen Herz geschrieben
Von der Vergänglichkeit aller Schöne steht,
Ist von Frühling zu Frühling stehen geblieben,
Wird von keinem Winde mehr weggeweht.

 
 
30 
 August 
 
2017


 

Die göttliche Kelle [1]Bildquelle

 
Musik
Wolfgang Amadeus Mozart [2]Klavierkonzert Nr. 20, KV 466 – Quelle: www.archive.org

Widerstreit der Elemente

aus: „Die Metamorphosen“ [3]„Die Metamorphosen“ von Ovid

Kein Titan gewährte bislang seine Lichtkraft dem Weltall.
Phoebe [4]Die Titanin Phoebe.
Phoebe heißt im Griechischen so viel
wie „hell, rein“ bzw. „die Leuchtende“, „die Helle“.
– sie ließ noch nicht neue Hörner der Sichel erwachsen.
Erde – sie hing noch nicht in der Mitte umströmender Lüfte
ausgewogen mit ihren Gewichten. Nicht hielt ihre Arme
um die gewundenen Küsten geschlungen die Göttin der Wogen.

Ja, wenn es Erde schon gab und ein Meer und auch Luft an der Stelle
war doch die Erde nicht sicher und fest, die Woge unschwimmbar
Luft entbehrte des Lichts. Kein Stoff hielt seine Gestalt fest.
Jedes stand jedem andern im Weg, denn in ein und demselben
Körper lag schon das Kalte mit Warmem, das Feuchte mit Dürrem
Weiches mit Hartem im Streit und das Schwerelose mit Schwerem.

Welt der Ideen

# FUNKTIONEN
# Ausgabe
class Ergieße
  
  def Ergieße.gesamt (menge)
    require 'pp'  # pretty print
    pp menge
  end
  
end

# Die noch anfänglich leere Kelle der Schöpfung
kelle = []

# Die Ursuppe der Ideenwelt (Teilmenge)
elemente    = %w[ Erde  Wasser  Luft  Feuer  Apeiron ]
formen      = %w[  □  △  ○  ▢  ▱  ◠ ]
zahlen      = %w[ 4  2  5  9  1  8  3  6  7  0 ]
vokale      = %w[ u  E  i  O  u  I  U  A  o  a ] 
konsonanten = %w[ b  p  d  t  g  k  m  n ]
affixe      = %w[ bon  mal  sen ]
suffixe     = %w[ eg   et  ar  n  ium ]
richtungen  = %w[ Nord  West  Süd  Ost  Mitte ]
sinne       = %w[ sehen  hören  riechen  schmecken  tasten ]
reiz_taktil = %w[ feucht trocken  hart  weich  heiss  kalt ]
# ...       = %w[ (...)  (...)  (...)  (...)  (...) ]
# ...       = %w[ (...)  (...)  (...)  (...)  (...) ]

#
# ? ? ?
# aspekt    = %w[ sammelbegriff  aspekt1  aspekt2  aspekt3  aspekt4 ]


# Die Kelle schöpft aus der Ursuppe
kelle << elemente        # Schöpfung der Elemente
kelle << formen          # Schöpfung der Formen
kelle << zahlen          # Schöpfung der Zahlen 
kelle << vokale          # Schöpfung der Vokale
kelle << konsonanten     # Schöpfung der Konsonanten
kelle << affixe          # Schöpfung der Affixe
kelle << suffixe         # Schöpfung der Suffixe
kelle << richtungen      # Schöpfung der Richtungen
kelle << sinne           # Schöpfung der Sinne
kelle << reiz_taktil     # Schöpfung der taktilen Reize

Ergieße.gesamt kelle    # Ausströmung der Kelle

Welt der Erscheinung

[['Erde', 'Wasser', 'Luft', 'Feuer', 'Apeiron'],
 ['□', '△', '○', '▢', '▱', '◠'],
 ['4', '2', '5', '9', '1', '8', '3', '6', '7', '0'],
 ['u', 'E', 'i', 'O', 'u', 'I', 'U', 'A', 'o', 'a'],
 ['b', 'p', 'd', 't', 'g', 'k', 'm', 'n'],
 ['bon', 'mal', 'sen'],
 ['eg', 'et', 'ar', 'n', 'ium'],
 ['Nord', 'West', 'Süd', 'Ost', 'Mitte'],
 ['sehen', 'hören', 'riechen', 'schmecken', 'tasten'],
 ['feucht', 'trocken', 'hart', 'weich', 'heiß', 'kalt']]
→ zu Mnemosynes Geleit
Vorwort

Fußnoten[+]

 
 
16 
 August 
 
2017

abgelegt in
Mythologie

 

Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Weib.

1. Buch Mose, Kapitel 1,27

Jüdische Legenden um Lilith

Auf hebräisch bedeutet der Name Lilith die Nächtliche.

Laut jüdischen Legenden erschuf Gott Adam und Lilith aus dem gleichen Staub, um Lilith zu Adams gleichberechtigten Partnerin zu machen. Lilith war also Adams erste Frau. Diese Gleichberechtigung wurde von Adam nicht akzeptiert und er forderte, Lilith solle beim Geschlechtsakt unter ihm liegen. Dies wollte Lilith nicht akzeptieren und floh aus dem Paradies. Adam beschwerte sich bei Gott über Liliths Verhalten und Gott errschuf ihm Eva aus seiner Rippe. Diesmal erschuf Gott Adams Frau etwas kleiner als Adam und verwarf somit den ursprünglichen Schöpfungsplan, Mann und Frau als gleichberechtigte Wesen zu erschaffen. Eva ordnete sich Adam willig unter. Lilith blieb unsterblich, da sie nie die verbotenen Früchte vom „Baum der Weisheit“ aß und vereinigte sich in einer Schlucht nahe des Paradieses mit Dämonen, um Dämonenkinder, genannt „Lilim“, zu gebären. In einigen jüdischen Sagen wird sie auch als der letzte Engel der zehn unheligen Sephiroth beschrieben und als Kindermörderin gefürchtet, vor deren Schutz Talismane der Engel Sanvai, Sansanvi und Semangloph, die Lilith einst im Auftrag Gottes jagten, getragen. Nach jüdisch-feministischer Theologie ist Lilith die eigentlich Gute im Kampf zwischen Adam/Eva und Lilith (siehe dazu den Weblink)

Lilith ist eine weibliche Figur der antiken vorderasiatischen Religionen und Mythologien. Als Lilithu war sie ein Dämon oder Windgeist der assyrisch-babylonischen Mythologie.

Quelle: wer-weiss-was

 
 
8 
 August 
 
2017


 

Caissa ist eine Nymphe, in die sich der Gott Ares [1]griechischer Gott des Krieges verliebt.
Als seine Liebe nicht erwidert wird, erfindet er das Schachspiel, um ihr Herz zu gewinnen.

Ares, der Gott des schrecklichen Krieges, des Blutbades und Massakers, möchte nicht durch grausame Schlachten Caissa beeindrucken, in der Frauen zu Witwen und Kinder zu Halbwaisen werden.

Er bevorzugt das Schachspiel als eine durchaus befriedete, aber dennoch heroische Veranschaulichung seines Kriegshandwerkes [2]eine Demonstration seiner Macht.

Das Selige [Feld]

Himmlischer Gnaden zuteil,
sandtest uns du damals, Mutter der Musen,
des Abakus‘ Geist im Spiel der Weisen herab,
dessen tiefes Geheimnis sich still dem
Forschenden möcht‘ offenbaren,
wenn er bedächtig das Führen stummer Figuren
auf vorgezeichneten Bahnen vollziehet,
wie auch das ewig waltende Schicksal daselbst
gestrengen Bahnen und Ordnungen folgt.

So beugt sich der Schöngeist nun auch im
Schach den Gesetzen höherer Ordnung:
 
 


Beschreitet Pfade geöffneter Linien,
einst ihm verschlossen,
nunmehr des eisernen Riegels befreit. [3]geöffnete Turmlinie


Was durch des Argen Hand in Besitz genommen,
wo Verwüstung gar drohte,
löst wie Nebel sich auf
und bescheret dem Schauernden
ein friedvolles Feld zur ewigen Rast. [4]unvertreibbarer Springer


Von Wolken verhangen gewahret kein Auge das Weite,
doch ihrer zerrissen
strahlet das Glück nun frei übers weite Gefild
und endiget erst im letzten Winkel der Welt. [5]Beherrschung der Raumdiagonalen durch einen Läufer


Der Fronten erstarrt,
beflügelt die nun gesprengte Blockade
den gehemmten Fuß zu vollenden den Lauf,
zu erlangen den siegreichen Lorbeer. [6]Schaffung eines Freibauern

Ehrwürd’ges Schachspiel,
dein Weltengebäu ist Sinnbild uns,
Erquickung und Mahnung zugleich,
spiegelt Triumph und Drangsal
des menschlichen Lebens
in vielfach wechselnder Weise!

Erzeig‘ uns den hohen Willen,
der in dir wohnt,
und lehre uns handeln
nach seinen Gesetzen!

→ zu Mnemosynes Geleit
Caissas Liebesgeschenke

Fußnoten[+]