Lyrik ~ Klinge
Versuch einer Dichtung          

18 
 August 
 
2015

abgelegt in
Gedankenschau

 

Bleibend ist nichts mehr, es irrt selbst in dem Busen der Gott.
Aus dem Gespräche verschwindet die Wahrheit, Glauben und Treue
aus dem Leben, es lügt selbst auf der Lippe der Schwur.

Aus: „Der Spaziergang“ (Friedrich Schiller)

Wie muss sich wohl ein Alexandriner mit Zäsur fühlen?
Ich weiß es…

Die kärgliche Armut geistiger Besitztümer ließe sich durch Bücher mindern. Jene könnte man laut Kafka auch notfalls selber schreiben.

Kärglicher als die Armut selbst sind indes die zunehmend abnehmenden theuren Gespräche mit menschlichem Antlitz, der warme Blicketausch, der gleichfühlende Herzenspuls, der sich findende Einklang vom Weltllärm aufgeschreckter Seelen.
Doch woher nehmen?

Weh mir, wo nehm’ ich, wenn
es Winter ist, die Blumen, und wo
den Sonnenschein,
und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
sprachlos und kalt, im Winde
klirren die Fahnen.

Aus: „Hälfte des Lebens“ (Friedrich Hölderlin)

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Aus: „Herbsttag“ (Rainer Maria Rilke)

 
 

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