Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

6 
 September 
 
2026

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Epiktet

 

Aus Epiktets „Handbüchlein der Moral“

Sprachaufnahme von 2018

Körper und Geist

Wäre dein Aufschrei nicht groß, deine Gegenwehr gleichwohl nicht minder,
liefere man deinen Leib einem Tyrannen aus, der
frei dann verfüge über denselben, ihn zücht’ge nach Willkür,
geiß’le nach Sklavenmanier, wie’s ihm beliebet, ihm frommt?

Trotzdem erduldest mit leichterem Sinne es du, wenn dein Nächster
lüstern Besitz nun ergreift von deines Geists eig’nem Schatz,
in deines Denkens frommer Gesinnung durch Streitsucht er Unmut
streut und erschüttert dein Herz!

Sage mir, schämst du dich nicht,
dass du nied’rer erachtest den Geist als den Leib, der von ed’lerm
Gute doch ist und zur Freiheit erkoren uns ward?

#epiktet #stoizismus #stoa #geist #körper

 
 
4 
 September 
 
2026

abgelegt in
Epiktet

 

Aus Epiktets „Handbüchlein der Moral“

Sprachaufnahme von 2018

Meditatio mortis
Kein Begehren, keinen Zorn

Streust du den Spott, nährest wider dem Nächsten den Zorn?
Hegst Argwohn, gar bitter’ren Verdruss?
Oder schwillt die Begier
unermesslich nach Gütern, nach Gaben flüchtiger Freuden?

Wend‘ deinen Sinn davon ab!
Lösche die schwelende Glut,
zehret mit Gram sie am alternden Herzen doch nur!
Lasse alle Widrigkeiten entfahr’n!

„Wie ist dies möglich?“, fragst du.

Alles was furchtbar erscheinen dir mag, führe stets nur vor Augen:
Willkür ird’scher Gewalt, auch der Verbannung Exil
trostloses Hoffen, des Krieges Wirren dumpfer Verzweiflung,
allen voran jedoch schaudernd den eigenen Tod!

Jenes Bildnis des Schreckens sei wahrer Lehrmeister dir, denn
erst in Betrachtung des Tods, mäßigt sich unbänd’ger Geist:
Zügelt das Walten grimmigen Zorns, weicht niedere Denkart,
schwindet alles Begehren, zähmt der Leidenschaft Flamm‘!

So wirst du nie etwas maßlos begehren, an etwas Gemeines
auch denken: Wogend im Sturm trägt die Gelassenheit dich.

#epiktet #stoizismus #stoa #tod #lehrmeister

 
 
3 
 September 
 
2026

abgelegt in
Epiktet

 

Aus Epiktets „Handbüchlein der Moral“

Sprachaufnahme von 2018

Eigenes und Fremdes

Erdensohn, nimm dir zu Herzen, dass der Gestirne beseelte
Lauf höher’m Plane nur folgt, nicht der gewiesenen Bahn
deiner Wünsche. Denn so du des Himmels Gewalt unterjochst zu
deiner Gefolgschaft – weh dir – bist du ein nichtswürd’ger Tor,
wirst dies auch bleiben, scheidest du nicht das Fremde vom Eignen:
Fremder Waldungen Forst, eig’nen Garten Bezirks!

Statt mit frevelnder Axt am Gehölz deinen Vorrat zu mehren,
pflege des Geists Paradies, Jovis Garten, und erfreu‘
keimender Hoffnung dich doch, in stiller Erwartung! Genügsam
säume der Buchs dein Gefild heiter, befriedeter Schau:

Prächtig gedeihen des Edelsinns Rosen, duftend entsteigt die
Wohlrede feinem Geblüm, Sanftmut umschmieget den Dorn…

Nichts wird bestürmen die blühenden Beete, noch Kummergewölk dir
grauen der Stirn Horizont, reiner das lichttrunk’ne Aug‘!

Musik: Mozart | Klavierkonzert Nr. 20 in D minor, KV 466, Romanze (Auszug)

#epiktet #stoizismus #stoa #eigens #fremdes #besitz

 
 
2 
 September 
 
2026

abgelegt in
Epiktet

 

Aus Epiktets „Handbüchlein der Moral“

Gelassenheit im stoischen Sinne
Der Allnatur Wille

Blick zum Gestirn kühler Nacht, bestaune die Wunderwelt lichten
Tages und gewahre darin heiliger Ordnungen Werk!
Alles durchwirkt mit tätigem Sinn der Allnatur Wille,
ew’ger Gestaltungen Strom rauscht aus der Urschöpfung Quell.
Reißend erfasst des Schicksals gar launischer Woge dich nun?
Vertrau‘ dich ihr an!
Wie er auch braust, ebnet der Strom sich auch dir!

Musik: Mozart | Klavierkonzert Nr. 20 in D minor, KV 466, Romanze (Auszug)

#epiktet #stoizismus #stoa #gelassenheit

 
 
30 
 August 
 
2026

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Epiktet

 

Aus Epiktets „Handbüchlein der Moral“

Unser Eigentum

Alles ist Leihgabe,
himmlisches Pfand
der gnädigen Götter,
welches beschieden dir ist,
dir zur beschiedenen Zeit.
Klage drum nicht, du seist einer Sache verlustig geworden,
nahm dir der Geber doch nur,
was er dir einst treu entlieh!

 
 
10 
 Juli 
 
2021


 


Säule 9

Des Herzens Feuerschale
Der Wille ist frei


Aus den Briefen Epiktets [1]fiktiv
an Lucius Flavius Arrianus [2]Zusammenfassung aus: „Handbüchlein der Moral“
Verlage: Ad Fontes, Reclam, Anaconda
Krankheit möge im Leid dich gar beugen, Gicht deine Glieder
lähmen, einzig allein der gefestigte Geist
mag Überwinder nur sein, dem nichts widerstrebet: kein Bollwerk
neid’scher Gesinnung, noch Zwietracht entschäumender Brust.

Lass‘ nicht durch äußere Wirren dir hemmen den Lauf, denn beflügelt
hebt des Genius‘ Geleit dich über Schluchten hinweg.
→ zu Mnemosynes Geleit
→ Zenons Wandelhalle
Die stoischen Siegessäulen

Fußnoten[+]