Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

4 
 Dezember 
 
2016

abgelegt in
Gedankenschau

 

Es mag Häuseransammlungen (Siedlungen) geben, in denen keiner der hiesigen Bewohner es für nötig hält, abends vor der Bettruhe die Haustüre abzuschließen.
Man kennt sich in der menschlichen Gemeinschaft untereinander (soziale Kontrolle) und ein Wachhund leistet das Übrige. Es besteht also kein Grund zur Besorgnis eines nächtlichen Einbruchs. Ein Einbruch scheint undenkbar, man vertraut der 0%-igen Einbruchsquote.
Vertrauen ist etwas Schönes, Beruhigendes, Energiesparendes, wenn nicht sogar etwas Existenzielles. Und vielleicht ist Vertrauen -nebst der Gesundheit- das höchste Gut?

Wie ließe sich nun dieses (Ur-)Vertrauen der 0%-igen Einbruchsquote zerstören?

Ganz einfach, indem man selbst zum Einbrecher wird, SELBST den lebenden Beweis einer EinbruchsMÖGLICHKEIT liefert und von innen heraus mit dem eigenen Wertesystem dieses Ideal aufbröselt, gleich einer Autoimmunkrankheit. Man kann die instabile moralische Integrität daher nicht bei anderen suchen, weil sie selbst in einem begründet ist.
Dieses muss zwangsläufig zur Hinterfragung von generellem Vertrauen führen, da man trotz vermeintlicher Prinzipientreue zu dieser Missetat fähig war, könnten es auch andere sein (Generalisierungseffekt), TROTZ gleichfalls mutmaßender Prinzipientreue.

Es ist dabei unwichtig, ob beim Einbruch ein Sessel entwendet wird (der beim nächsten Sperrmüll eh entsorgt worden wäre) oder “heiliger” Familienschmuck.
Einbruch bleibt Einbruch, auch die noch so verzweifelten Motive sind zweitrangig, das zerstörte Vertrauen zu anderen und vor allem ZU SICH SELBST bleibt ein zerbrochenes Gefäß.

Ein dumpfes Gefühl verweilt…


Täglich geh’ ich heraus, und such’ ein Anderes immer,
Habe längst sie befragt alle die Pfade des Lands;
Droben die kühlenden Höhn, die Schatten alle besuch’ ich,
Und die Quellen; hinauf irret der Geist und hinab,
Ruh’ erbittend; so flieht das getroffene Wild in die Wälder,
Wo es um Mittag sonst sicher im Dunkel geruht;
Aber nimmer erquickt sein grünes Lager das Herz ihm,
Jammernd und schlummerlos treibt es der Stachel umher.
Nicht die Wärme des Lichts, und nicht die Kühle der Nacht hilft,
Und in Wogen des Stroms taucht es die Wunden umsonst.
Und wie ihm vergebens die Erd’ ihr fröhliches Heilkraut
Reicht, und das gärende Blut keiner der Zephire stillt,
So, ihr Lieben! auch mir, so will es scheinen, und niemand
Kann von der Stirne mir nehmen den traurigen Traum
?

aus: “Menons Klagen um Diotima” (Hölderlin)

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