Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

9 
 März 
 
2018

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DICHTUNG Rainer Maria Rilke
LESUNG Will Quadflieg
BEREITSTELLUNG wortlover



Da rinnt der Schule lange Angst und Zeit
mit Warten hin, mit lauter dumpfen Dingen.
O Einsamkeit, o schweres Zeitverbringen …
Und dann hinaus: die Straßen sprühn und klingen,
und auf den Plätzen die Fontänen springen,
und in den Gärten wird die Welt so weit. –
Und durch das alles gehn im kleinen Kleid,
ganz anders als die andern gehn und gingen–:
O wunderliche Zeit, o Zeitverbringen,
o Einsamkeit.

Und in das alles fern hinauszuschauen:
Männer und Frauen; Männer, Männer, Frauen
und Kinder, welche anders sind und bunt;
und da ein Haus und dann und wann ein Hund
und Schrecken lautlos wechselnd mit Vertrauen –:
O Trauer ohne Sinn, o Traum, o Grauen,
o Tiefe ohne Grund.

Und so zu spielen: Ball und Ring und Reifen
in einem Garten, welcher sanft verblaßt,
und manchmal die Erwachsenen zu streifen
blind und verwildert in des Haschens Hast,
aber am Abend still, mit kleinen steifen
Schritten nach Haus zu gehn, fest angefaßt –:
O immer mehr entweichendes Begreifen,
o Angst, o Last.

Und stundenlang am großen grauen Teiche
mit einem kleinen Segelschiff zu knien;
es zu vergessen, weil noch andre, gleiche
und schönere Segel durch die Ringe ziehn,
und denken müssen an das kleine bleiche
Gesicht, das sinkend aus dem Teiche schien –:
O Kindheit, o entgleitende Vergleiche,
wohin? Wohin?

 
 
8 
 Mai 
 
2017

abgelegt in
Die Stoa | Gedankenschau

 

Für unser Glück darf daher nur unser eigenes Innenleben wichtig sein: unsere Seele und unsere Vernunft, alles andere nicht.
Damit scheiden, so befremdlich dies zumindest klingt so gut wie alle gängigen Glücksfaktoren aus.

Wer dauerhaft und sicher glücklich sein will, muss all das, was normalerweise das Leben und Streben der Menschen prägt, als unwichtig ansehen: Reichtum, Macht, Ansehen, Gesundheit und sogar ein gesundes Familienleben.

Für das persönliche Glück darf nichts davon ins Gewicht fallen, weil all dies nicht unserer Verfügungsgewalt unterliegt, zumindest nicht voll und ganz.

Seneca

Ob ich ein guter (Familien-)Vater nach erledigter Entwicklungsarbeit geworden wäre, weiß ich nicht.
Aber ein schlechter wäre ich sicherlich auch nicht gewesen.

Darum geht es aber im Prinzip auch nicht.
Es geht in einer Familienbande generell um (Ur-)Vertrauen, das ich selbstverschuldet nicht mehr besitze. Dafür habe ich viel dazu beigetragen.

Ebenso prägt mich der Zeitgeist, indem viele anfänglich glückliche Beziehungen als auch Ehen sich auseinander dividieren.
Das stimmt mich tieftraurig und furcht mit kraller Bärenpränke einen allumgreifenden Pessimismus.

Mit den Stoikern suche ich daher mein Glück in mir…

 
 
30 
 Januar 
 
2017

abgelegt in
Gedankenschau