März. Brief nach Meran

DICHTUNG Gottfried Benn
LESUNG Gottfried Benn



Blüht nicht zu früh, ach blüht erst, wenn ich komme,
dann sprüht erst euer Meer und euren Schaum,
Mandeln, Forsythien, unzerspaltene Sonne —
dem Tal den Schimmer und dem Ich den Traum.

Ich, kaum verzweigt, im Tiefen unverbunden,
Ich, ohne Wesen, doch auch ohne Schein,
meistens im Überfall von Trauerstunden,
es hat schon seinen Namen überwunden,
nur manchmal fällt er ihm noch flüchtig ein.

So hin und her — ach blüht erst, wenn ich komme,
ich suche so und finde keinen Rat,
daß einmal noch das Reich, das Glück, das fromme,
der abgeschlossenen Erfüllung naht.

Über Silentius

Ralphonsius Silentius, der Stille im Erdenthal Anno domini CMMLXXIVgreg. in den Iden des März Artemis’ sühnender Pfeil im teutoburger Haine Zartspross Pygmalions Scholar Apollons
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