Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

13 
 August 
 
2011


 

Rein wie des Vollmondes schimmerndes Haupt am bestirnten Gewölbe
prangt dir die schönbleiche Stirn, strahlt mir ins trunkene Aug’,
gießt ihren Silberschein über der Wangen erhabnes Gefilde,
wo ein lieblicher Flor duftender Zauber verströmt.

Abendtau kühl nun entatmend naht sich Selene und samtweich
kost sie mit dunstigem Hauch lustvoll der Brüste Opal.

Liebestoll schmücket die zarte Braue gleich Rosengerank das
Tor zur sichtbaren Welt, blühend entfächert der Blick.

Niederstreichender Wimpernschlag fächelt ambrosische Brise,
windet mit goldsträhner Pracht Eros’ genesendes Heil.

Linienvoll gipfelt als strebender Bau die zierliche Nase.
Anmut -gleich wattigem Flausch- kränzt sie wie heitres Gewölk.

Wahres Elysium, Du, oh weibliches Antlitz. Aus Deiner
Lippen erquellendem Born sprudelt kristallene Macht,
wogt als Segensstrom wallend im Rudel graziler Gelüste,
schwemmend mein trockenes Tal mit paradiesischer Flut.

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4 Kommentare zu “Ode 10 – Nachtlager in Pans Idyll”

  1. Silentius sagt:

    Hallo Silentius,
    den Willkommensgruß erhalten alle, die neu bei der Leselupe sind.
    Jetzt möchte ich jedoch auch etwas persönliches zu Deinem Einstand schreiben.

    Er ist jedenfalls gelungen. Du schreibst in einer besonderen, alten Form, in hohem Stil, der sich weit abhebt vom Twittern und doch auch Verwandschaft zeigt, denn er möchte etwas mitteilen.

    Du verwendest viele Bilder, sinnliche Bilder, und Du beziehst alle Sinne ein. Was das Gedicht zeigt, ist die Achtung der Angehimmelten und Zuneigung, in hohem, fast biblischem Ton.
    Bilder, die dem Hohelied nahekommen.

    Heute selten, oft als schwülstig augefasst in einer Literatur die die Verdichtung bis zur Kuriousität presst, die Klängen kaum noch Zeit lässt und mit synthetische Düften natürlichen Aromen verdrängt.

    Dein Gedicht ist langsam, kostet jeden Augenblick aus statt ihn zum Wimpernschlag zu beschleunigen. Zeit für Erotik, leise statt laut.

    Viele Grüße von Bernd

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  2. Silentius sagt:

    Hallo Bernd,

    vielen Dank für die Blumen oder wohl eher für den Blumenstrauß Deiner vielfältigen, mir dienlichen Eindrücke 🙂

    Ja, der damalige Adressat des Textes war durchaus ein weibliches Wesen, welches bei Männern ein gipfelndes Gefühl der Euphorie nähren kann. Der jugendliche Überschwang trägt noch ein weiteres dazu bei…

    Die Sprache klingt (wie Du schon sagtest) nicht unbedingt modern, wobei ich mich auch nicht irgendwelcher Effekthascherei bedienen möchte, sondern Begriffe wähle, die aus meiner (christlichen) Biografie heraus emotional aufgeladen sind, alles rein subjektiv. Die Psalmen und das Hohe Lied dienten mir vielleicht (unbewusst) als Vorlage.

    Es ist auch erstaunlich wie treffsicher Du aus dem Text meine eigene Biografie ableiten konntest.
    Früher kirchlich sehr verhaftet (monotheistisch), wandte ich mich in diesem Gedicht den griechischen Göttern (polytheistisch) zu, in der Gestalt des Pygmalion.
    Wer backt sich nicht gerne seine eigene Frau oder schnitzt oder meiselt sie sich selbst? 😉
    Das Gedicht hat somit auch Modellierungscharakter, wenn auch damals noch unter dem Diktat eines infantilen Schönheitsideals.

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  3. Silentius sagt:

    verzeih mir bitte, lieber Silentius, daß ich gerade selbst einen längeren distichen-monolog vor deine verse gepflanzt habe, denn dein lied ist doch sehr schön und verdient aufmerksamkeit und noch viele leser.
    ein wunderbarer einstand, das wird noch was!

    ich schreib eine kleine anmerkung zu zwei stellen am ende deines gedichts, und dadurch kommt es dann auch wieder “nach oben” in der liste der hier eingestellten opuscula.
    nun:

    quote:Niederstreichender Wimpernschlag fächelt ambrosische Brise,

    “Wimpernschlag” ist für einen daktylus etwas breit-schwer, die konsonantenfolge “rnschl” macht die unbetonte zu schwer, man liest spontan einen spondeus und verholpert sich beim lesen.
    “Linienvoll” soll auch ein daktylus sein; das zweite i (nach n) muß natürlich konsonantisch als j gelesen werden, dadurch werden (in meiner empfindung) auch die beiden unbetonten ein wenig zu schwer.

    quote:wogt als Segensstrom wallend im Rudel graziler Gelüste,

    “Segensstrom” – (wie oben) für einen daktylus ein etwas zu konsonantenlastiger knoten “nsstr”, zumal die zunge von scharfem s zu sch zurückrutschen muß, das macht die kürze (bzw. unbetonte) etwas zu lang, – aber das ist natürlich nur subjektive empfindung, wenn auch leicht zu erleichtern, indem du an diesen stellen ein wenig kürzt, wegnimmst, so daß es flüssiger fließt.

    im unterschied vor allem zu meinem hier ist deins eine richtige elegie, meines ja eher eine art philosophisches lehrgedicht. ich wollte meins nicht deinem entgegenstellen, es ist reiner zufall, daß zwischen hundert limericks und einem dutzend sonetten nun die selteneren distichen und elegien so nebeneinander geraten, daß sie fast zusammenlaufen, concurrunt, …

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  4. Silentius sagt:

    Hallo Mondnein,

    zunächst einmal möchte ich positiv anmerken, wie in diesem Forum der sensible Umgang zwischen den Autoren gepflegt wird, entschuldigt man sich doch schon für ein “Überposten” anderer Beiträge durch einen eigenen Beitrag.
    Dem war aber nicht so, lieber Mondnein, es gab lediglich eine zufällige zeitliche Überschneidung.
    Nebenbei ist Dein angeblicher “Distichon-Monolog” nicht weniger prächtig, würde ich ihn – wie den meinigen Text auch – durchaus zu einer Elegie (“Ansammlung” von Distichen) zählen.

    Danken möchte ich Dir, für den noch sensibleren Umgang betonter und unbetonter Silben.
    Mir war damals bei Einhaltung des Metrums nicht bewusst, dass Konsonantenanhäufungen (“Karambolagen”) sich auf die Längenqualität einzelner Silben auswirken könnte, aber Deine sprachliche Sensibilität gibt Dir recht: derartige Konsonantenfolgen wirken sich für mich (im nachhinein) auch als “akzentuierend” aus und knüppeln ein wenig das Versmaß.
    Danke für diesen Hinweis.

    Ich möchte später noch auf Deinen Text genauer eingehen, in Anbetracht meines aktuellen Termindrucks.

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