Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

19 
 Juni 
 
2019


 

Lesetext

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12 
 Februar 
 
2018


 

Anfangs begreift Peter Taler nur, dass im Haus gegenüber, in dem der achtzigjährige Knupp wohnt, sonderbare Dinge vor sich gehen. Er beginnt zu beobachten und mit der Kamera festzuhalten – und merkt erst spät, dass er seinerseits beobachtet wird und längst in die Geschehnisse auf der anderen Seite der Straße verstrickt ist. Der alte Knupp, der vor zwanzig Jahren seine Frau verloren hat, ist davon überzeugt, dass man nicht wie Orpheus ins Totenreich hinabsteigen muss, um einen geliebten Menschen wiederzufinden. Denn er hat eine Theorie und kann sich dabei sogar auf berühmte Leute berufen. Allerdings ist deren Umsetzung nicht einfach. Um nicht zu sagen – schier unmöglich. Taler soll ihm dabei helfen.

Quelle: Diogenes-Verlag

Bewunderswert ist an diesem Roman wiederum die Textarchitektur, die innere Mechanik, die Zahnräder der Handlung, die mählich ineinander greifen und geheimnisvolle Türen verdichteter Ahnung öffnen.

Es gab keinen Zweifel. Knupp war nicht normal.

Knupp ist mit seinen monotonen, auf stete Wiederholung bedachte Alltagsgeschäfte durchaus eine konstante Zierpflanze im Variablengestrüpp ständiger Veränderung. Peter Taler strebt ja auch selbst nach ruhenden Bildern und deren Abgleich.

* * *

Suter malt nicht mit dem Pinsel das Bühnenbild, sondern drückt diesen der Fantasie des Lesers in die Hand, mit minimalistischen Anweisungen knapper Sätze selbst die innere Ausgestaltung vorzunehmen.

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2 
 August 
 
2017


 

Sternbild des Orpheus‘

 
Musik
Frédéric Chopin [1]Nocturne Op. 9, No. 1
[ Bemerkung zum Text ] [2] Ich distanziere mich explit zu Bezügen aus meinem privaten Umfeld, die rein zufällig wären und der Text darüberhinaus dem Jahre 2001(?) entstammt. Lediglich die Verortung im Gedichtezyklus „Mnemosynes Geleit“ war angedacht.

Bittgesuch

Mir grauet vor der Sterne grausem Geschick,
wenn ihres leuchtenden Geheißes dort am Himmelsgewölb’
sie fernen Tages nicht mehr mächtig,
dass sie zu feinem Sternenstaub zerrieben,
von Zeus, dem schicksalsfordernden Göttervater!

Dass jäh erlöschend sie zerbersten
an Pegasus’ glühendem Wirbelhuf,
weil sie mit mattem Schein
die nieder’n Erdenbürger nicht beglücken
und drum dem Sternenzelt entweichen müssen.

Oh, Hades,
lasse drum ab von Ihr [3]seine Gattin Eurydike,
der Schönheit liebstes Kinde,
die reich beschenkt an Geistesgaben.

Verbann’ mich nicht von ihrem Sternenzelt,
das lieblich prangt im lauen Abendschein
entfloh’ner Sommernächte.

Wes hehren Geistes Firmament
sollt’ sonst ich denn bestirnen
im ewigkreisenden All?

Lass’ mir die Heimstatt in ihrem Ätherreich,
lass mich leuchten!

Denn siehe,
wie das schnaubende Musenross
als strenger Himmelswächter
schon scharrend auf Erlöschung sinnt.
→ zu Mnemosynes Geleit
Eherne Welt
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Fußnoten   [ + ]