Glaube an die Welt

DICHTUNG Theodor Fontane
LESUNG Rolf Nagel
BEREITSTELLUNG wortlover



Laß ab von diesem Zweifeln, Klauben,
vor dem das Beste selbst zerfällt,
und wahre dir den vollen Glauben
an dieser Welt trotz dieser Welt.

Schau hin auf eines Weibes Züge,
das lächelnd auf den Säugling blickt,
und fühl’s: es ist nicht alles Lüge,
was uns das Leben bringt und schickt.

Und, Herze, willst du ganz genesen,
sei selber wahr, sei selber rein!
Was wir in Welt und Menschen lesen,
ist nur der eigene Widerschein.

Beutst du dem Geiste seine Nahrung,
so laß nicht darben sein Gemüt,
des Lebens höchste Offenbarung
doch immer aus dem Herzen blüht.

Ein Gruß aus frischer Knabenkehle,
ja mehr noch eines Kindes Lall’n
kann leuchtender in deine Seele
wie Weisheit aller Weisen fall’n.

Erst unter Kuß und Spiel und Scherzen
erkennst du ganz, was Leben heißt;
o lerne denken mit dem Herzen,
und lerne fühlen mit dem Geist.

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Ariel


Deckengemälde im Festsaal
des Wittumspalais der Herzogin Anna Amalia
((Quelle: Klassik Stiftung Weimar))

 

Der Luftgeist
Ariel


 
MUSIK
Felix Mendelssohn Bartholdy ((Violin Concerto – I. Allegro, Op. 64))


Anmutig:
» Sind Sie Vogelfreund, mein Bester,
und sorgten väterlich mit dieser Stange
für einen Halt zum Bau der Schwalbennester? « (( aus: “Cyrano von Bergerac” von Edmond Rostand ))


 


Dem Lüftebezwinger (( dem erdgeborenen Lüftebezwinger // Himmelsstürmer ))

So steig’ doch hernieder
vom dunstgestad’nen ((dunstgestad’nen)) Ätherblau ((Wonneblau, Träumerblau))
stets kreisender Gedankenschau,
des wolken Worts Gestaltenbau ((der Wolken Spiel Gestaltenbau))
durch heit’ren Geistes Winde milden Widerstreit.

Und neig’ dein Gefieder
hinab zur sich’ren Erdenfeste,
befleißender zum Vogelneste
im traulich heimischen Geäste
der deiner nunmehr zu bewohnten ((gefußter)) Wirklichkeit.

Erfreu’ dich wieder
nie müder Lieder ((ätherisch-himmlisch; Lider: irdisch, erdgebunden))
nach sphärischer Reise
im irdischen Kreise!
→ zu Mnemosynes Geleit
Pygmalions Werkstatt
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