Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

21 
 Oktober 
 
2018


 

DICHTUNG Rainer Maria Rilke
LESUNG Nina Petri
BEREITSTELLUNG LYRIK & MUSIK



Sie haben alle müde Münde
und helle Seelen ohne Saum.
Und eine Sehnsucht (wie nach Sünde)
geht ihnen manchmal durch den Traum.

Fast gleichen sie einander alle;
in Gottes Gärten schweigen sie,
wie viele, viele Intervalle
in seiner Macht und Melodie.

Nur wenn sie ihre Flügel breiten,
sind sie die Wecker eines Winds:
als ginge Gott mit seinen weiten
Bildhauerhänden durch die Seiten
im dunklen Buch des Anbeginns.

 
 
19 
 August 
 
2018

abgelegt in
Reisebericht | Weimar 2018

 

Christiane von Laßberg [1] Bild-Quelle: WeimarPedia



[ Bemerkung zum Text ] [2] Ich distanziere mich explit zu Bezügen aus meinem privaten Umfeld, die rein zufällig wären und der Text darüberhinaus dem Jahre 2009 entstammt.

Der Geliebten Freitod

Nicht vom dämmergefüllten Kelch des Vergessens, in des Klosters
Schoße erhofftest du Heil. Vom Geliebten verschmäht
stiegst in den Strom du hinab und schmiegtest dich in die allver-
söhnliche Flut stillen Trosts. Glut deiner Lippen erlosch
in der Umarmung Kühle. Oh, Tod, in der letzten Liebkosung
säumest du nie, Gefährt, stets verlässlicher Freund
schwerer Stunde. Du hauchtest aus seligpreisender Fremde
milder ihr, wuschest die Brust reinlich vom irdischen Gram.

Fußnoten   [ + ]

 
 
13 
 August 
 
2018


 

Hero und Leander

 
MUSIK
Frédéric Chopin [1]Regentropfen-Prélude


Hero war eine Priesterin der Aphrodite in Sestos am westlichen Ufer der Meerenge Hellespont.
Ihr Geliebter Leander lebte in Abydos am gegenüberliegenden kleinasiatischen Ufer. Da er Hero nur heimlich besuchen konnte, durchschwamm er allnächtlich den Hellespont. Ein Leuchtfeuer, das Hero in einem Turm entzündete, oder eine von ihr dort verwendete Öllampe oder Fackel wies ihm den Weg.
Einmal verirrte er sich jedoch bei einem Sturm, der das Feuer auslöschte, und ertrank.
Am folgenden Morgen entdeckte Hero seinen angeschwemmten Leichnam am Ufer und stürzte sich gleichfalls in den Tod.

Quelle: WikiPedia

[ Bemerkung zum Text ] [2] Ich distanziere mich explit zu Bezügen aus meinem privaten Umfeld, die rein zufällig wären und der Text darüberhinaus dem Jahre 2009 entstammt. Lediglich die Verortung im Gedichtezyklus „Mnemosynes Geleit“ war angedacht.

Die erloschene Fackel

Einzig vom dämmergefüllten Kelche der Lethe erhofftest
Heil deiner Seele du! Des Liebsten entrissen gar nun,
stiegst in den Strom du hinab und schmiegtest dich in die allver-
söhnliche Flut stillen Trosts. Glut deiner Lippen erlosch
in der Umarmung Kühle. Oh Tod, in der letzten Liebkosung
säumest Gefährte du nie, stets verlässlicher Freund
schwerer Stunde. Du hauchtest aus seligpreisender Fremde
milder ihr, wuschest die Brust reinlich vom irdischen Gram.
→ zu Mnemosynes Geleit
Pygmalions Werkstatt

Fußnoten   [ + ]