Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

19 
 Juni 
 
2011


 

https://youtu.be/7qqr7lrb_UA

Die Verschwörung des Fiesco zu Genua
 
Ein republikanisches Trauerspiel
von Friedrich Schiller

ein Auszug


Fiesco (der sich niedersetzt)
Genueser – Das Reich der Thiere kam einst in bürgerliche Gährung, Parteien schlugen mit Parteien, und ein Fleischerhund bemächtigte sich des Throns. Dieser, gewohnt, das Schlachtvieh an das Messer zu hetzen, hauste hündisch im Reich, klaffte, biß und nagte die Knochen seines Volks. Die Nation murrte, die Kühnsten traten zusammen und erwürgten den fürstlichen Bullen. Jetzt ward ein Reichstag gehalten, die große Frage zu entscheiden, welche Regierung die glücklichste sei? Die Stimmen theilten sich dreifach. Genueser, für welche hättet ihr entschieden?

Erster Bürger
Fürs Volk. Alle fürs Volk.

Fiesco
Das Volk gewann’s. Die Regierung ward demokratisch. Jeder Bürger gab seine Stimme. Mehrheit setzte durch. Wenige Wochen vergingen, so kündigte der Mensch dem neugebackenen Freistaat den Krieg an. Das Reich kam zusammen. Roß, Löwe, Tiger, Bär, Elephant und Rhinoceros traten auf und brüllten laut zu den Waffen! Jetzt kam die Reih‘ an die Uebrigen. Lamm, Hase, Hirsch, Esel, das ganze Reich der Insecten, der Vögel, der Fische ganzes menschenscheues Heer – alle traten dazwischen und wimmerten: Friede. Seht, Genueser! Der Feigen waren mehr, denn der Streitbaren, der Dummen mehr, denn der Klugen – Mehrheit setzte durch. Das Thierreich streckte die Waffen, und der Mensch brandschatzte sein Gebiet. Dieses Staatssystem ward also verworfen. Genueser, wozu wäret ihr jetzt geneigt gewesen?

Erster und Zweiter
Zum Ausschuß! Freilich zum Ausschuß!

Fiesco
Diese Meinung gefiel! Die Staatsgeschäfte theilten sich in mehrere Kammern. Wölfe besorgten die Finanzen, Füchse waren ihre Secretäre. Tauben führten das Criminalgericht, Tiger die gütlichen Vergleiche, Böcke schlichteten Heirathsprocesse. Soldaten waren die Hasen; Löwen und Elephant blieben bei der Bagage; der Esel war Gesandter des Reichs, und der Maulwurf Oberaufseher über die Verwaltung der Aemter. Genueser, was hofft ihr von dieser weisen Vertheilung? Wen der Wolf nicht zerriß, den prellte der Fuchs. Wer diesem entrann, den tölpelte der Esel nieder. Tiger erwürgten die Unschuld; Diebe und Mörder begnadigte die Taube, und am Ende, wenn die Aemter niedergelegt wurden, fand sie der Maulwurf alle unsträflich verwaltet – Die Thiere empörten sich. Laßt uns einen Monarchen wählen, riefen sie einstimmig, der Klauen und Hirn und nur einen Magen hat – und einem Oberhaupt huldigten alle – einem, Genueser – aber (indem er mit Hoheit unter sie tritt) es war der Löwe.

 
 
6 
 Mai 
 
2026


 

In Goethes Wohnhaus befindet sich das Brückenzimmer direkt rechts neben der Zeus-Büste.

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Bläulich die Wand dieses Raums
und seht, wie das Deckengewölbe

kühn sich versteigt in die Höh’,
grünrank durch Floras Geschenk:

Weinlaub und Efeugewächs,
eines Gartenhäuschens Idyll. Auch
öffnet das Auge sich froh
staunend den Künsten allhier:

Unheil verkündend Kassandra… Achill, seinem Schicksal ergeben…
… Venus und Schiller daselbst,
meines Weges Geleit.

Raumbeherrschend auch er: Ilioneus, oh meine Lieblingsfigur! Somit reichen
Kunst und Natur sich die Hand,
einend im traulichen Bund.

Musik:
Christoph Willibald Gluck – Gesang der seligen Geister

#weimar #goethehaus #brückenzimmer #kassandra #achill

 
 
2 
 Mai 
 
2026

abgelegt in
Tage in Weimar

 

Museum Neues Weimar: Preller-Galerie | Odysseus und Kalypso

Munt’rer Erdentage
hohem Wellenschlage
an des Lebens Uferstrande.

Löse der Verharrung Bande,
entsage der Gewöhnung!

Nicht dem Zagenden – dem Wagenden
beuget sich das Glück;
strebt der Hoffnung ragend’ Mast
in der Erfüllung Wolkenreich.

… spannt bogengleich
durch Zephyrs Wonnehauch
das blanke Segel sich

Und du, oh Boreas,
des Nordens rauer Sohn,
der Wolken Türmer, …

… entlasse nun
als Himmelsstürmer
der Winde launisch Spiel
ins weitentraffte Segel!

Der Wogen Aufgewühl
– indes besänftiget –
ziehet nun des Schiffes Kiel.

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MUSIK:
Pjotr Iljitsch Tschaikowski
10. Szene aus dem Ballett von »Schwanensee«
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#weimar #museumneuesweimar #prellergalerie #odysseus #kalypso

 
 
26 
 April 
 
2026

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0

 

Im Goethehaus das Kleine Esszimmer direkt links neben der Zeus-Büste, was oft von den Besuchern übersehen wird.

Ausgefüllt war all Morgen
mein Streben mit Stunden der Arbeit.
Frühstück gab’s selten vor Zwölf,
eher nach Mittag das Mahl…

Reichlich gespeiset sodann
im Kreis der engsten Familie,
funkelnd der Rotwein im Glas,
funkelnd im Aug’ das Gespräch.

#weimar #goethehaus #rundgang #KleinesEsszimmer #TheSmallDiningRoom

 
 
25 
 April 
 
2026


 

Im Gelben Saal von Goethes Wohnhaus findet sich eine Zeusbüste.
Auf dem Weg zur Arbeit müsste ich spontan an Schillers Elegie „Das Glück“ denken.

Auszug aus: „Das Glück“

Wem er geneigt, dem sendet der Vater der Menschen und Götter
Seinen Adler herab, trägt ihn zu himmlischen Höhn,

Unter die Menge greift er mit Eigenwillen, und welches
Haupt ihm gefället, um das flicht er mit liebender Hand

Jetzt den Lorbeer und jetzt die herrschaftgebende Binde;
Krönte doch selber den Gott nur das gewogene Glück.

#weimar #goethehaus #gelbersaal #zeus #schiller

 
 
24 
 April 
 
2026

abgelegt in
Tage in Weimar
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Ein Spaziergang an der Ilm im Ilmpark in Weimar
mit Zeilen aus Goethes Gedicht „An den Mond“.

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Rausche, Fluß, das Tal entlang,
Ohne Rast und Ruh,
Rausche, flüstre meinem Sang
Melodien zu!

aus: „An den Mond“
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#weimar #ilmpark #ilm #andenmond

 
 
23 
 April 
 
2026


 

Wörter-Werkstatt in der Faust-Ausstellung Weimar | Trochäus: “Lebensstrand”
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Zeitenstrudel

Lebensstrand unsterblich schön
—◡ —◡—◡—(◡)

fließend Wonnen
—◡ —◡

Sinnentrauschet
—◡ —◡

Auge sieht den Himmel offen
—◡ —◡—◡—◡

Meeresfern die neue Welt
—◡ —◡—◡—(◡)

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