Lyrik ~ Klinge
Versuch einer Dichtung          

25 
 Mai 
 
2017
Eudora  


 

Die Okeanide Eudora
 
Musik
Frédéric Chopin [1]Fantaisie-Impromptu in cis-Moll, Op. post. 66 | Pianist: Peter Bradley-Fulgon

[06.10.2014]

Ungestüm auf der unendlichen See alltäglichen Treibens
weht der Vergänglichkeit Hauch mir. Das launische Spiel
peitscht ohne Ablass mit rauem Odem ewige Feindschaft
schäumend entgegen. Betäubt seel’scher Empfindung, ergreift
achtarmig [2]Octopus mich des Selbstzweifels Würggriff und reisst unnachgiebig
mit mächt’gem Fang mich in den Schlund tiefster Umnachtung hinab.

Wohl dir, Verlor’ner, wenn dich des Meers Rachen ausspeiet an des
Lebens frohem Strand, nicht gar an Klippen zerberst!

Gabenreiche Eudora, Tochter des Nereus‘, Du!

Nach der grauen See Unmut spielet mir freundlicher deiner
bläulichen Augen stiller Bucht, trauter rauscht deines Lidschlags
schäumender Welle und deiner zierlichen Locken Korall säumet eb’ner
Schultern weißer Sandbank. Unweit ermuntern nied’ren Grundes
sich der geschmeid’gen Finger wohlweicher Schwämme, der sanften
Strömung spielend Gesellen.

Indes der nahen Düne, von leichter
Brise gebogen und zärtlich umschmeichelt, reicht mir dein Palmen-
haupt deiner Lippen kostbaren Schatz, der süßlichen Frucht mein.

→ zu Mnemosynes Geleit
Pygmalions Werkstatt

Fußnoten   [ + ]

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23 
 Mai 
 
2017

abgelegt in
Gedankenschau

 

Die Natur (oder von mir aus auch mit dem theologischen Terminus umschrieben „Gott“) hat alles so weise eingerichtet…
Jeder findet sein passendes Pendant!

Denn was bringt es, wenn wegen einer Frau sich 100 Männer totschlagen und wegen eines Mannes, sich 100 Frauen die Augen auskratzen?
Die Antwort ist einfach: 100 tote Männer und ebenso 100 blinde Frauen!

Wem nützt das?
Vertraue der Verhersehung!
Es gibt ein passendes Gegenüber, das deine Fragen, Empfindungen, Gefühle, Wünsche, kurzum: Dein Ich versteht und zu beantworten weiß oder zumindest zu beantworten versucht.
Sei es in personaler Form oder in künstlerisch-ästhetischischer (Literatur-)Form!
Letzteres bevorzuge ich – dem stoischen Prinzip folgend – für mich.

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23 
 Mai 
 


 

Er kam sich vor, als wäre er in einem See ertrunken; schwere, eisige Wassertropfen fielen ihm im Takt auf die Brust. Als ich ihn aufhorchen hieß, denn man konnte tatsächlich den gleichmäßigen Takt von Tropfen hören, die auf das Dach fielen, bestand er darauf, das nicht gehört zu haben. Er wurde sogar ärgerlich, als ich von Tonmalerei sprach, und verwahrte sich heftig und mit Recht gegen solche einfältigen musikalischen Nachahmungen von akustischen Eindrücken.

George Sand

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