Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

11 
 Juni 
 
2020

abgelegt in
Dickens, Charles | Filme

 
 
 
19 
 April 
 
2019


 

Abends besuchte ich das mon ami, um die Kinovorstellung „Vincent van Gogh“ zu schauen.

In der Gegend von Arles und Auvers-sur-Oise, wohin sich Vincent van Gogh (Willem Dafoe) zurückgezogen hat, um dem Druck des Lebens in Paris zu entkommen, wird er von den einen freundlich und von den anderen brutal behandelt. Die Inhaberin des örtlichen Restaurants hat Mitleid mit ihm und schenkt ihm ein Notizbuch für seine Zeichnungen. Andere haben Angst vor seinen dunklen und unberechenbaren Stimmungsschwankungen. Auch sein enger Freund und Künstler Paul Gaugin findet ihn zu erdrückend und verlässt ihn. Allein sein Bruder und Kunsthändler Theo unterstützt ihn unerschütterlich, auch wenn es ihm nicht gelingt, auch nur eines von Vincents Werken zu verkaufen.

Quelle: YouTube

Interessant für mich war der Zeichenstil von Vincent van Gogh:
Keine naturgetreue Abbildung der äußeren Wirklichkeit, sondern Darstellung der (subjektiv) wahren, inneren Gefühlswelt.

 
 
27 
 Januar 
 
2018


 

Martin Suter - Montecristo

Als sein Intercity gewaltsam zum Stehen kommt, ahnt Jonas Brand noch nicht, in welches Abenteuer er gerade gerät. Die Weiterfahrt ist blockiert, draußen liegt ein Toter. Brand schultert die Kamera, hält die beklemmende Situation fest und befragt die Mitreisenden. Er ist freischaffender Videojournalist, der allerdings von Höherem träumt: Er möchte Filme machen, und sein Projekt »Montecristo«, eine Geschichte über Verrat, Betrug und späte Rache, hat Blockbuster-Potenzial – wenn ihm nur jemand eine Chance geben würde. Als er sich in Marina Ruiz verliebt und sie ihm seine Träume entlockt, rücken diese erneut in den Vordergrund. Knapp drei Monate später spielt ihm der Zufall wieder etwas Seltsames in die Hände: zwei Hundertfrankenscheine mit identischer Seriennummer – beide, wie man ihm bei der Bank verblüfft bestätigt, eindeutig echt. Und dann wird Brands Wohnung durchwühlt und er selbst auf offener Straße zusammengeschlagen und beraubt. Jemand soll offenbar eine Ungereimtheit aus der Welt schaffen – und damit zugleich Zweifel an der Glaubwürdigkeit einiger staatstragender Persönlichkeiten.

Quelle: Diogenes-Verlag

Zufälle werden kunstvoll in den Handlungsteppich möglicher Gesetzmäßigkeiten eingewoben.
Statistische Unwahrscheinlichkeiten rücken in den Kreis der faktischen Realität.
Ein wahres Gesellenstück in der heimlichen Werkstatt des Literaturbetriebes.

 
 
16 
 Dezember 
 
2017


 

›Small World‹ ist Fallstudie, Gesellschaftsroman und Thriller in einem. Konrad Lang, Mitte sechzig, wird auf einmal wieder von intensiven Bildern aus der Kindheit heimgesucht. Und es zieht den heruntergekommenen alten Mann magisch zur Villa seiner ehemaligen ›Familie‹, wo man sich seiner nur ungern erinnert. Was geht mit ihm vor?, fragt sich vor allem die achtzigjährige Elvira Senn besorgt, unangefochtenes Oberhaupt dieser Familie und große alte Dame der renommierten Schweizer Koch-Werke. Sie ist irritiert von Konrads wachsendem Erinnerungsvermögen, und mit gutem Grund: Elvira hat nämlich etwas zu verbergen. Konrads Kindheit und Jugend waren denkbar ungewöhnlich. Als uneheliches Kind eines Dienstmädchens, aber Spielkamerad – oder vielmehr Lakai – eines gleichaltrigen Multimillionärssohns, ist er aufgewachsen in der Welt der Reichsten, ohne dort je akzeptiert zu sein. Und jetzt möchte der verwirrte alte Mann nur eines: zurück in den Schoß der Familie, die ihn sicher nicht nur gut behandelt hat. Elvira Senn nimmt ihn auf, als Pflegefall. Doch Konrad wird für sie zu einer zunehmenden Bedrohung. Zumal er in der Familie unerwartet eine Beschützerin gefunden hat. Ein dramatischer Wettlauf gegen die Zeit, gegen die rätselhafte Erkrankung und gegen die immer panischeren Widerstände der alten Dame beginnt. Er endet in einem fast heiteren Finale.

Quelle: Diogenes-Verlag

Die filmische Adaption ist für mich eine missglückte Jamaika-Koalation.

Während das Buch in weitem Bogen schillernd prismatisch jeden Farbton des Regenbogens anschlägt, mattet der Film als dumpfer Abglanz lediglich in den Farben Schwarz-Grün-Gelb nur so dahin…

 
 
6 
 April 
 
2012


 

https://www.youtube.com/watch?v=q8h7atfN-p4

 
 
1 
 Mai 
 
2008

abgelegt in
Gedankenschau

 

Dichtung – Gottesdienst und Appell

Ich glaube, man sollte überhaupt nur solche Bücher lesen, die einen beißen und stechen.
Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen wir dann das Buch?
Damit es uns glücklich macht, wie Du schreibst?
Mein Gott, glücklich wären wir eben auch, wenn wir keine Bücher hätten, und solche Bücher, die uns glücklich machen, könnten wir zur Not selber schreiben.
Wir brauchen aber die Bücher, die auf uns wirken wie ein Unglück, das uns sehr schmerzt, wie der Tod eines, den wir lieber hatten als uns, wenn wir in Wälder verstoßen würden, von allen Menschen weg, wie ein Selbstmord.
Ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.
Das glaube ich.

Franz Kafka (Briefe 1900 – 1912)

Hölderlin zu Susette Gontard.
[…] Sie haben nur getan, was tausend andere auch tun.
Sie benutzen die Kunst, um sich zu zerstreuen. Und aus dem Grund, spielt man Spiele: um sich zu zerstreuen. Menschen wie Ihnen bedeutet die Poesie nichts. Garnichts.
Susette Gontard.
Das ist nicht wahr! […]
Hölderlin.
Oh, doch!
Die Poesie ist das Gegenteil des Spieles.
Sie ist ein Gottesdienst.
Und davon haben Sie keine Ahnung!
Susette Gontard.
Sie wagen es, mir das zu sagen!
Hölderlin.
Warum nicht?
Weil ich Ihr Domestik bin? Sie irren sich!
Ich bin Dichter. Wir betrachten die Welt von oben und von da hat man einen sehr guten Blick.
[…]

Dialog aus Feuerreiter

Eine Unterredung zwischen Schiller und dem Iffland (selbst auch ein Theaterschreiber) pflichtet in einer Schiller-Biografie-Verfilmung ebenfalls dieser Ansicht bei.

Iffland.
Was ich an Ihren Theaterstücken nicht mag, ist, dass Sie nicht nur Shakespeare kopieren, sondern auch -gerade- seine schlechten Seiten.
Wieso müssen Sie immer so maßlos übertreiben?
Schiller.
Weil es Tragödie ist!
Iffland lacht.
Achso, und davon können wir Mannheimer nicht genug bekommen.
Schiller.
Mit Ihren Stücken wird sich in hundert Jahren keiner mehr den Arsch abwischen.
Sie machen die Menschen mit Ihren Stücken nicht besser, Sie halten sie absichtlich dumm mit Ihrem Quark […]