Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

24 
 Dezember 
 
2025


 

#Gryphius #AnSichSelbst #Weimar #Parkhöhle #barock

Mir grauet vor mir selbst,
mir zittern alle Glieder,
wenn ich die Lipp und Nas
und beider Augen Kluft,
die blind vom Wachen sind,
des Atems schwere Luft
betracht und die nun schon erstorbnen Augenlider.

Die Zunge,
schwarz vom Brand,
fällt mit den Worten nieder
und lallt, ich weiß nicht was,
die müde Seele ruft
dem großen Tröster zu,
das Fleisch ruft
nach der Gruft.
Die Ärzte lassen mich,
die Schmerzen
kommen wieder.

Mein Körper ist nicht mehr
als Adern, Fell und Bein.
Das Sitzen ist mein Tod,
das Liegen meine Pein.
Die Schenkel haben selbst
nun Träger wohl vonnöten.

Was ist der hohe Ruhm
und Jugend, Ehr und Kunst?
Wenn diese Stunde kommt, wird alles Rauch und Dunst,
und diese Not wird mich
mit allem Vorsatz töten.

 
 
2 
 Juni 
 
2019

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DICHTUNG Theodor Fontane
LESUNG Rolf Nagel
BEREITSTELLUNG wortlover



Laß ab von diesem Zweifeln, Klauben,
vor dem das Beste selbst zerfällt,
und wahre dir den vollen Glauben
an dieser Welt trotz dieser Welt.

Schau hin auf eines Weibes Züge,
das lächelnd auf den Säugling blickt,
und fühl’s: es ist nicht alles Lüge,
was uns das Leben bringt und schickt.

Und, Herze, willst du ganz genesen,
sei selber wahr, sei selber rein!
Was wir in Welt und Menschen lesen,
ist nur der eigene Widerschein.

Beutst du dem Geiste seine Nahrung,
so laß nicht darben sein Gemüt,
des Lebens höchste Offenbarung
doch immer aus dem Herzen blüht.

Ein Gruß aus frischer Knabenkehle,
ja mehr noch eines Kindes Lall’n
kann leuchtender in deine Seele
wie Weisheit aller Weisen fall’n.

Erst unter Kuß und Spiel und Scherzen
erkennst du ganz, was Leben heißt;
o lerne denken mit dem Herzen,
und lerne fühlen mit dem Geist.