Glaube an die Welt

DICHTUNG Theodor Fontane
LESUNG Rolf Nagel
BEREITSTELLUNG wortlover



Laß ab von diesem Zweifeln, Klauben,
vor dem das Beste selbst zerfällt,
und wahre dir den vollen Glauben
an dieser Welt trotz dieser Welt.

Schau hin auf eines Weibes Züge,
das lächelnd auf den Säugling blickt,
und fühl’s: es ist nicht alles Lüge,
was uns das Leben bringt und schickt.

Und, Herze, willst du ganz genesen,
sei selber wahr, sei selber rein!
Was wir in Welt und Menschen lesen,
ist nur der eigene Widerschein.

Beutst du dem Geiste seine Nahrung,
so laß nicht darben sein Gemüt,
des Lebens höchste Offenbarung
doch immer aus dem Herzen blüht.

Ein Gruß aus frischer Knabenkehle,
ja mehr noch eines Kindes Lall’n
kann leuchtender in deine Seele
wie Weisheit aller Weisen fall’n.

Erst unter Kuß und Spiel und Scherzen
erkennst du ganz, was Leben heißt;
o lerne denken mit dem Herzen,
und lerne fühlen mit dem Geist.

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Alkippes Zwillingsaxt


Hippolytes Schlummersang ((Hippolytes ist die Königin der Amazonen))
… der sterbenden Alkippe

Noch wahrt ((birgt / flammt)) das Antlitz geschmeidigen Sinn,
umsäumen der wallenden Locken samtiges Band,
der Wangen Linienschwung den feinen ((zarten)) Schliff,
des schmucken Perlmutthalses schlanken Schaft.

Und mit der Lippe letzter Glut
prägt sie der Stirne Klingenblatt
mit reiner Flamme Zartgravur.
→ zu Mnemosynes Geleit
Hephaistos’ Kunstschmiede
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