Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

9 
 Dezember 
 
2017

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DICHTUNG Gottfried Keller
REZITATION Otto Mellies


 
Nicht ein Flügelschlag ging durch die Welt,
Still und blendend lag der weiße Schnee.
Nicht ein Wölklein hing am Sternenzelt,
Keine Welle schlug im starren See.

Aus der Tiefe stieg der Seebaum auf,
Bis sein Wipfel in dem Eis gefror;
An den Ästen klomm die Nix herauf,
Schaute durch das grüne Eis empor.

Auf dem dünnen Glase stand ich da,
Das die schwarze Tiefe von mir schied;
Dicht ich unter meinen Füßen sah
Ihre weiße Schönheit Glied um Glied.

Mit ersticktem Jammer tastet’ sie
An der harten Decke her und hin –
Ich vergeß das dunkle Antlitz nie,
Immer, immer liegt es mir im Sinn!

 
 
25 
 November 
 
2017


 

Sonett XII.

Zähl’ ich die Glocke, die die Zeiten mißt,
Seh’ ich den wackern Tag in Nacht verloren,
Und wie des Veilchens Lenz vorüber ist,
Wie sich mit Silber dunkle Haar’ umfloren;

Erblick’ ich hoher Wipfel dürres Laub,
Die erst ein Schattendach der Herde waren,
Geschürzt in Garben grünen Feldesraub
Weißbärtig, wie im Sarg, zur Scheuer fahren:

Dann kommt mir deine Schönheit in den Sinn,
Daß du der Zeiten Trümmer mußt vermehren;
Weil Reiz und Jugendschmuck sich selbst entfliehn,
Sich selbst so schnell als andre blühn, zerstören,

Und vor dem Sensenhieb der Zeit nichts wahrt
Als, ihm zum Trutz, Fortzeugung deiner Art.

 
 
13 
 November 
 
2017


 

Der gefesselte Prometheus

 
Musik
Wolfgang Amadeus Mozart [1]Klavierkonzert Nr. 20, KV 466 – Quelle: www.archive.org


Eos’ Erwachen [2]Eos ist die Göttin der Morgenröte

Feuertrunkener Pokal,
entschäume doch deiner Glut Dämmerfülle
über die nachtträufen Wipfel
dunkleren Schluchzens mein!

Hochloh bestürmet der Brand
sodann deine Himmel.
→ zu Mnemosynes Geleit
Pygmalions Werkstatt

Fußnoten   [ + ]